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Abschied von Illusionen

Die Geschichte der Wirtschafts- und Schuldenkrise ist auch eine Geschichte von (platzenden) Illusionen. Im Duden wird eine Illusion als „beschönigende, dem Wunschdenken entsprechende Selbsttäuschung über einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt“ beschrieben. Die politischen und wirtschaftlichen Probleme, die Verwerfungen an den Kapitalmärkten sind zu einem guten Teil Resultat der verzweifelten Versuche, das Platzen der Illusionen nicht zuzulassen.

Die Mutter aller Illusionen ist in den USA beheimatet. Im Vorfeld der US-Immobilien- und Finanzkrise hatte sich unter den Amerikanern der Glaube breit gemacht, man könne immer reicher werden, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Steigende Immobilienpreise führten auf dem Papier zu höherem Wohlstand, den viele US-Bürger bereitwillig in höhere Konsumausgaben ummünzten. Als nach mehreren Jahren klar wurde, dass die Preissteigerungen auf Sand gebaut waren, platzte die Immobilienblase. Nicht platzen lassen wollten die Amerikaner jedoch die Wohlstandsillusion. Noch immer glauben die Amerikaner, die Jahre vor 2008 mit knackigem Wirtschaftswachstum seien der Normalzustand. Diese Zeit ist auch heute noch Maßstab für Wachstum und Beschäftigung. Wenn die Wachstumsraten niedriger und die Arbeitslosenzahlen höher ausfallen, glauben die Verantwortlichen in den USA, mit allen geld- und finanzpolitischen Mitteln gegensteuern zu müssen. Das ist fatal, denn dies ist ein teurer – und zum Scheitern verurteilter – Versuch, die Wohlstandsillusion am Leben zu halten.

Zur Langfassung von „Abschied von Illusionen“
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