Jörn Quitzau

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Autoreninfo Jörn Quitzau

Lieber Herr Quitzau, in Ihrem Buch „Wer soll das bezahlen?“ geben Sie Antworten auf die globale Wirtschaftskrise. Sind wir also noch zu retten?

Ja, wir sind noch zu retten. Allerdings hätten wir viel früher den Kampf gegen die Staatsschulden aufnehmen sollen, dann wären uns die jetzt doch sehr hektischen Rettungsaktionen erspart geblieben.

Welche konkreten Maßnahmen müssen als erstes ergriffen werden, um eine weitere Schuldenanhäufung zu vermeiden?

Zunächst muss verhindert werden, dass sich die Schuldenkrise in Europa weiter ausweitet. Es geht erstmal darum, die Situation zu beruhigen, also die Panik aus den Märkten zu bekommen. Damit würde Zeit gewonnen, um den eingeschlagenen Reformkurs der Krisenländer fortzusetzen. Wenn sich die ersten messbaren Erfolge einstellen, wird das Vertrauen zurückkehren. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass die Bürgschaften und Kredite der Euro-Länder zu tatsächlichen Kosten in den Geberländern führen.

Wie kann nachhaltige Finanzpolitik aussehen?

Wenn die akute Phase der Schuldenkrise überwunden ist, geht die eigentliche Sanierungsarbeit erst richtig los. Dann müssen die Regierungen zeigen, dass sie verstanden haben, ohne neue Schulden auszukommen. Die seit Jahrzehnten praktizierte Politik, auf jedes kleinere oder größere wirtschaftliche Problem mit schuldenfinanzierten Ausgabenprogrammen zu reagieren, darf keine Option mehr sein. Wirklich nachhaltig kann die Finanzpolitik aber nur dann sein, wenn die sozialen Sicherungssysteme auf den demographischen Wandel vorbereitet werden. Die Sanierung der Staatsfinanzen erfordert also ein Reformprogramm, das weit über die aktuellen Löscheinsätze der Politiker und Notenbanken hinaus geht.

Wie stehen Sie zur Stützung Griechenlands?

Die Stützung Griechenlands widerspricht zwar marktwirtschaftlichen Grundsätzen, doch Griechenland fallen zu lassen, hätte schwerwiegende Folgen für die anderen Länder Europas gehabt. An der konkreten Ausgestaltung der stützenden Maßnahmen gäbe es einiges zu kritisieren, doch im Großen und Ganzen war das Vorgehen sachgerecht. Für die Zukunft muss sichergestellt werden, dass sich das Fehlverhalten der Vergangenheit nicht wiederholt. Dies wird ein langer und zäher Weg, Rückschläge inklusive. Niemand darf sich vormachen, dass Probleme, die über Jahrzehnte entstanden sind, binnen kurzer Zeit beseitigt werden können. Ob es in Griechenland letztlich doch zu einem Schuldenschnitt kommt, lässt sich nicht seriös abschätzen. Momentan verdichten sich jedenfalls die Anzeichen für einen teilweisen Schuldenerlass.

Dr. Jörn Quitzau, Jahrgang 1969, ist Volkswirt bei der Berenberg Bank und Leiter des Bereichs Wirtschaftstrends. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg promovierte er an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Im Anschluss daran stieg er bei der Financial Times Deutschland ein. 2001 wechselte er zur Deutschen Bank Research in Frankfurt als Senior-Economist im Bereich Wirtschafts- und Europapolitik. Seit 2007 arbeitet er bei der Berenberg Bank mit den Schwerpunktthemen: Wirtschaftspolitik und Währungen. Seit 2009 ist Jörn Quitzau Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance and Management.

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Coverbild Wer soll das bezahlen?

Buchinfo zu „Wer soll das bezahlen?“

Es ist Zeit zu handeln!

Schulden ohne Ende, immer neue Rettungsschirme, Griechenland ist überall: Wirtschaft im Ausnahmezustand. Die Menschen haben Angst um ihr Geld und ihre Zukunft. Zu Recht?

Nach dem Lehman-Kollaps und den sich türmenden Staatsschulden sind viele Deutsche stark verunsichert. Sozialbudgets sind aus dem Ruder gelaufen, marode Banken und klamme Eurostaaten hat man versucht, mit allen Mitteln zu retten. Wie lange kann das Geld noch seinen Wert behalten? Können die Schuldner ihre Kredite abzahlen? Wie steht es mit den anderen Versprechen bzgl. Altersvorsorge, Infrastruktur, Energieversorgung und Bildung?

Ist die weitverbreitete Endzeitstimmung gerechtfertigt?

Die Autoren Norbert Walter und Jörn Quitzau meinen: „Nicht unbedingt, es gibt Wege aus der Schuldenkrise“. In ihrem Buch „Wer soll das bezahlen?“ sagen sie deutlich, was Politik, Banken und Bürger anders und besser machen müssen. Sie geben eine genaue Analyse von Ursachen und Abläufen der Finanzkrise. Im Detail befassen sie sich mit den Versuchen, die gemeinsame europäische Währung zu stützen und betonen dabei kritisch, dass der Staat oft zu stark selbst ins Geschehen eingreift. Und somit seinen Auftrag als „reinen“ Rahmengeber verletzt.

Norbert Walter und Jörn Quitzau sind Ökonomen der „alten Schule“. Sie sind fest verwurzelt in der Politischen Ökonomie von Adam Smith und Friedrich von Hayek. Aber genauso sind sie in der Christlichen Soziallehre mit ihren wichtigen Beiträgen für eine funktionierende Wirtschafts- und Sozialordnung verankert. Aus dieser Haltung resultiert auch ihre Analyse der Finanzkrise. Sie leiten aus ihr Vorschläge für die Lösung der anstehenden Probleme ab, die weit über die aktuelle Finanzkrise hinausweisen.

„Insgesamt ist den Autoren ein Buch gelungen, das die aktuellen Fragen der Euro-Krisenbewältigung auf intelligente und überzeugende Weise verbindet mit grundsätzlichen Betrachtungen darüber, wie die Finanzmärkte funktionieren. Die Handlungsempfehlungen zeichnen sich durch Originalität und eine sehr persönliche Note aus, die sich vom Mainstream abhebt.“ (Handelsblatt)

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