Hamed Abdel-Samad
Buchinfo zu „Der Untergang der islamischen Welt“
Morgenland ist abgebrannt
Wird der Islam uns okkupieren? Wurde das Ende des Abendlandes bereits eingeläutet? Mitnichten. Der Islam ist schwer erkrankt! Er befindet sich kulturell und gesellschaftlich auf dem Rückzug, so Hamed Abdel-Samad. Der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler prognostiziert in seinem neuen Buch „Der Untergang der islamischen Welt“ ein düsteres Bild der islamischen Zukunft: Der Islam wird als politische und gesellschaftliche Idee, er wird als Kultur untergehen.
Die islamische Kultur wehrt sich gegen jede Innovation. Die rapide wachsende Bevölkerung ist arm und unterdrückt. Die enormen klimatischen Veränderungen, die große Anbauflächen vernichten, und die zur Neige gehenden Erdölvorkommen bedrohen die wirtschaftlichen Grundlagen dieser Länder. Sie verschärfen die bereits vorhandenen regionalen und religiösen Konflikte. Die Bürgerkriege in Afghanistan, Algerien, Somalia, Sudan und im Irak sind nur ein Anfang dieser Entwicklung.
„Wäre der Islam eine Firma, dann wäre er längst pleite gegangen.“ Hamed Abdel-Samad
Die islamischen Länder, so der Autor, eint ein Glaube, aus dem sie ein seit Jahrhunderten überholtes Menschen- und Gesellschaftsbild ableiten. Ungeheure kreative und geistige Ressourcen können deshalb nicht genutzt werden. Reformdebatten werden zwar häufig angestoßen, aber nie zu Ende geführt. Niemand traut sich an die wirklich elementaren Probleme der Kultur und Religion. Bildungssystem und Religion beschränken sich darauf, zu Gehorsam gegenüber den Regimes zu erziehen. Der Westen wird dabei zum Sündenbock an der Misere der islamischen Welt gemacht. Der Autor zeigt in seinem Debattenbuch, wie jeder Versuch einer Veränderung von der islamischen Orthodoxie und der Machtbesessenheit der Herrschenden erstickt wird.
Aufbruch oder Zusammenbruch?
Doch kann in Zeiten der Globalisierung die islamische Welt ohne Einfluss der Moderne bleiben? In den islamischen Staaten laufen parallele Entwicklungen ab. Während sich große Teile der islamischen Welt vom weltlichen Wissen distanzieren, lassen sich hingegen bei jungen Muslimen Individualisierungsprozesse beobachten. Sie konsumieren exzessiv moderne Verbrauchsgüter und haben das Vertrauen in die alten traditionellen Strukturen verloren. Diese Entwicklungen können – je nachdem auf welche Infrastrukturen diese Menschen treffen – zu Demokratisierung aber auch Massenfanatismus und Gewalt führen. Besonders im Iran und Ägypten sind beide Entwicklungen extrem ausgeprägt. Die Fronten hier sind verhärtet, eine Konfrontation unausweichlich.
Hamed Abdel-Samad zeigt, dass der von Samuel Huntington beschworene „Kampf der Kulturen“ längst Wirklichkeit geworden ist. Aber dieser Kampf findet nicht nur zwischen dem Islam und dem Westen statt sondern auch innerhalb der islamischen Welt – zwischen Individualisierung und Konformitätsdruck, zwischen Kontinuität und Innovation.
„Was der Islam nun braucht, ist eine geregelte Insolvenz, eine Inventur, durch die die islamische Welt sich endlich von vielen Bildern trennen muss: Gottesbilder, Gesellschaftsbilder, Frauenbilder, Vor- und Feindbilder.“ Hamed Abdel-Samad


