Hamed Abdel-Samad

Autorenfoto Hamed Abdel-Samad

Autoreninfo Hamed Abdel-Samad

„Ich bin zum Wissen konvertiert“ Hamed Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad prognostiziert in seinem neuen Buch: „Der Untergang der islamischen Welt“ das Ende der islamischen Kultur. Wie kommt ein Politikwissenschaftler zu einer solch harten Prognose? Der Autor Hamed Abdel-Samad schreibt über die Welt, der er selbst entstammt. Er wurde 1972 in einem Dorf bei Kairo geboren, als drittes von fünf Kindern eines Predigers, einem Imam. Er war vom Schicksal dazu bestimmt, eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Doch Hamed Abdel-Samad wollte diesen Weg nicht gehen, also verließ er sein Elternhaus nach seinem Abitur mit 16, um sich in Kairo den Marxisten anzuschließen. Nach einem Jahr wechselte er zu den Muslimbrüdern. Er war bekennender Antisemit, obwohl er noch nie einen Juden gekannt hat. Aber auch diese Etappe war nur eine kurze.

Das Leben von Hamed Abdel-Samad ist gezeichnet von den unterschiedlichsten Stationen – Es ist der Weg von einem Glaubenskämpfer, der antijüdische Parolen auf Demonstrationen äußerte, zum aufgeklärten Intellektuellen.

Hamed Abdel-Samad studierte Englisch und Französisch in Kairo, Japanisch in Japan und Politik in Deutschland. Durch die Heirat mit einer Augsburgerin kam er nach Deutschland. Die Ehe hielt nicht lange, sie war für beide zweckgeführt. Heute ist er mit einer Dänin verheiratet. Mehr Mulit-Kulti geht nicht. Nach dem Studium arbeitete Abdel-Samad bei der Unesco in Genf, dann am Lehrstuhl für Islamwissenschaft in Erfurt und am Institut für Schulbuchforschung in Braunschweig. Im Herbst 2008 trat er schließlich seinen Dienst an der Uni in München an, ausgerechnet am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur. Dieser Schritt zeigt, welchen Weg der Autor gegangen ist. Und wo er heute steht.

Hamed Abdel- Samad ist Mitglied der Deutschen Islam Konferenz und zählt zu den profiliertesten islamischen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

Seine Autobiographie “Mein Abschied vom Himmel” sorgte für Aufsehen (jetzt im Taschenbuch bei Knaur): Hier beschreibt er eine ganz gewöhnliche – seine Geschichte – von Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigung – nicht nur von Mädchen sondern auch vielen Jungen – vom Leiden und dem ungeheuren Kraftaufwand, den es kostet, sich aus der Tyrannei der islamischen Tradition zu befreien.

“Was er von seinen Landsleuten erwartet, hat er selbst vorgemacht: Aufklärung durch Tabubruch.“ ZDF-Aspekte

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Coverbild Der Untergang der islamischen Welt

Buchinfo zu „Der Untergang der islamischen Welt“

Morgenland ist abgebrannt

Wird der Islam uns okkupieren? Wurde das Ende des Abendlandes bereits eingeläutet? Mitnichten. Der Islam ist schwer erkrankt! Er befindet sich kulturell und gesellschaftlich auf dem Rückzug, so Hamed Abdel-Samad. Der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler prognostiziert in seinem neuen Buch „Der Untergang der islamischen Welt“ ein düsteres Bild der islamischen Zukunft: Der Islam wird als politische und gesellschaftliche Idee, er wird als Kultur untergehen.

Die islamische Kultur wehrt sich gegen jede Innovation. Die rapide wachsende Bevölkerung ist arm und unterdrückt. Die enormen klimatischen Veränderungen, die große Anbauflächen vernichten, und die zur Neige gehenden Erdölvorkommen bedrohen die wirtschaftlichen Grundlagen dieser Länder. Sie verschärfen die bereits vorhandenen regionalen und religiösen Konflikte. Die Bürgerkriege in Afghanistan, Algerien, Somalia, Sudan und im Irak sind nur ein Anfang dieser Entwicklung.

„Wäre der Islam eine Firma, dann wäre er längst pleite gegangen.“ Hamed Abdel-Samad

Die islamischen Länder, so der Autor, eint ein Glaube, aus dem sie ein seit Jahrhunderten überholtes Menschen- und Gesellschaftsbild ableiten. Ungeheure kreative und geistige Ressourcen können deshalb nicht genutzt werden. Reformdebatten werden zwar häufig angestoßen, aber nie zu Ende geführt. Niemand traut sich an die wirklich elementaren Probleme der Kultur und Religion. Bildungssystem und Religion beschränken sich darauf, zu Gehorsam gegenüber den Regimes zu erziehen. Der Westen wird dabei zum Sündenbock an der Misere der islamischen Welt gemacht. Der Autor zeigt in seinem Debattenbuch, wie jeder Versuch einer Veränderung von der islamischen Orthodoxie und der Machtbesessenheit der Herrschenden erstickt wird.

Aufbruch oder Zusammenbruch?

Doch kann in Zeiten der Globalisierung die islamische Welt ohne Einfluss der Moderne bleiben? In den islamischen Staaten laufen parallele Entwicklungen ab. Während sich große Teile der islamischen Welt vom weltlichen Wissen distanzieren, lassen sich hingegen bei jungen Muslimen Individualisierungsprozesse beobachten. Sie konsumieren exzessiv moderne Verbrauchsgüter und haben das Vertrauen in die alten traditionellen Strukturen verloren. Diese Entwicklungen können – je nachdem auf welche Infrastrukturen diese Menschen treffen – zu Demokratisierung aber auch Massenfanatismus und Gewalt führen. Besonders im Iran und Ägypten sind beide Entwicklungen extrem ausgeprägt. Die Fronten hier sind verhärtet, eine Konfrontation unausweichlich.

Hamed Abdel-Samad zeigt, dass der von Samuel Huntington beschworene „Kampf der Kulturen“ längst Wirklichkeit geworden ist. Aber dieser Kampf findet nicht nur zwischen dem Islam und dem Westen statt sondern auch innerhalb der islamischen Welt – zwischen Individualisierung und Konformitätsdruck, zwischen Kontinuität und Innovation.

„Was der Islam nun braucht, ist eine geregelte Insolvenz, eine Inventur, durch die die islamische Welt sich endlich von vielen Bildern trennen muss: Gottesbilder, Gesellschaftsbilder, Frauenbilder, Vor- und Feindbilder.“ Hamed Abdel-Samad

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