Archiv für Autor „Susanne Schädlich“

Alles nur halb so schlimm

Dass die DDR, je länger sie her ist, in ein immer milderes Licht getaucht wird, ist nichts Neues. Vielen fällt es schwer, die geschichtliche Wirklichkeit differenziert zu betrachten. Aus biografischen oder politischen Gründen wird eine Welt kreiert, in der trister Alltag und Unterdrückung nicht existieren, und Filme, in denen ein komisches Bild von der DDR gezeichnet oder vom guten Mfs-Onkel erzählt wird, bestätigen diese Sicht auf die Geschichte nur. Der erinnerte Lebensanspruch und die historische Realität stehen sich diametral entgegen.

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Auch für die Stasi war ein Nein ein Nein

Es ist bedrückend, dass Täter wie mein Onkel, der fast 15 Jahre lang für das MfS die Familie, Freunde und Freunde von Freunden verraten und bespitzelt hat, in den Medien mit Porträts und in langen Artikeln zu schillernden Persönlichkeiten hochstilisiert werden. Es ist bedrückend, wie viel Aufmerksamkeit Täter wie er bekommen, und mit welcher Beharrlichkeit die Meinung vertreten wird, man habe sich dem MfS nicht entziehen können. Diese Feststellung vergisst die Tatsache, dass man auch Nein zur Spitzeltätigkeit sagen konnte. Statt genauer die wirklichen Verhaltensweisen zu erforschen, wird gerne die Ansicht verbreitet, zwischen Täter und Opfer bestünde ein fließender Übergang. Ich sage, den gab es nicht.

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Verkehrte Welt

„Ich habe doch niemandem geschadet“. Das ist der Standardsatz, mit dem sich viele der ehemaligen Inoffiziellen Mitarbeiter des MfS bis heute aus ihrer Schuld stehlen. Sie haben im Auftrag einer staatlich sanktionierten Institution denunziert, wird gesagt, und sie tun so, als trügen sie keine Verantwortung. Die Schuld wird der Ideologie, der Politik, dem System, dem MfS gegeben. Wer sich nichts vorzuwerfen braucht, sucht auch nicht das Gespräch mit denen, denen Leid und Schaden zugefügt wurde. Und die, denen Leid und Schaden zugefügt wurde von IMs, stehen als Ankläger oder gar als ewig Gestrige da, wenn sie nach einem Schuldbekenntnis verlangen.

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Falscher Held von gestern

„Mode ist das, was morgen von gestern sein wird“ - ein Satz von Franz Mehring, Publizist, Politiker und marxistischer Historiker des vorvergangenen Jahrhunderts. Seinen Namen trägt der Platz, an dem das „Neue Deutschland“, ehemals Zentralorgan der SED, noch immer seinen Sitz hat. Die Zeitung von gestern für ewig Gestrige, die gerne hätten, dass sie morgen wieder in Mode wären. Am Freitag dem 13. versammelten sich dann auch einige Hundert im Verlagsgebäude der Zeitung. Lauschten einem ihrer Helden von damals und heute: Egon Krenz, ab 1984 zweiter Mann hinter Erich Honecker, 1989 wenige Wochen als Nachfolger Erich Honeckers SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender der DDR.

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