Archiv für Autor „Petra Reski“

Mafiazugehörigkeit

Auf meinen Lesungen merke ich immer wieder, wie erstaunt die Deutschen sind, wenn sie erfahren, dass Mafiazugehörigkeit in Deutschland nicht strafbar ist. Es gibt zwar den Strafbestand der kriminellen Vereinigung – aber abgesehen davon, dass die Höchststrafe dafür lediglich fünf Jahre betrifft, wird ein Mafioso in Deutschland klug genug sein, um alle Verdachtsmomente auszuschalten, weshalb derer man ihn möglicherweise der Bildung einer kriminellen Vereinigung beschuldigen könnte. Was nicht sehr kompliziert ist. Die Mafia spekuliert darauf, dass in Deutschland Beweise für konkrete Straftaten vorliegen müssen, um einen Mafioso zu verhaften. Das können Schmauchspuren sein, DNS-Spuren, Fingerabdrücke: Anders als in Italien, wo der reine Verdacht auf Mafiazugehörigkeit ausreicht, um Mafiosi festzunehmen und auch ihre Besitztümer zu beschlagnahmen, müssen in Deutschland konkrete Beweise für konkrete Straftaten vorliegen.

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Solidarität mit Roberto Saviano

“Jedes Buch über die Mafia ist eine Niederlage für die Mafia”, sagte Roberto Saviano, der junge Autor von Gomorrah, der seit der Veröffentlichung seines Buches unter Polizeischutz leben muss. Jetzt hat man in Italien zu einer Unterschriftenaktion für ihn aufgerufen. Hier ist der englische Link zur Unterschriftenliste:

http://www.repubblica.it/speciale/2008/appelli/saviano/index.html

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Sippenhaft

Kürzlich beklagte sich der Sohn eines berüchtigten sizilianischen Mafiabosses darüber, in Sippenhaft genommen worden zu sein. Vincenzo Santapaola ist der Sohn von Benedetto, „Nitto“, Santapaola – der unter anderem wegen der Ermordung des Staatsanwaltes Paolo Borsellino verurteilt wurde. Der Sohn sitzt wie sein Vater in so genannter Hochsicherheitshaft: Einer Haft, die verhindern soll, dass Mafiosi in Kontakt mit der Außenwelt treten können – eine Haft, die inzwischen so pflaumenweich beschaffen ist, dass es dem Sohn des Mafiosos gelang, aus dieser Hochsicherheitshaft heraus einen seitenlangen Brief an die sizilianische Tageszeitung „La Sicilia“ zu schicken. Die ihn umgehend und kommentarlos veröffentlichte, unter dem Titel „Brief aus dem Gefängnis“ – was nicht nur Mitleid erregend klingt, sondern den Absender auch in gewisser Weise adelt, denkt man in Italien bei „Briefen aus dem Gefängnis“ doch zuerst an die des Philosophen Antonio Gramsci, der damit in faschistischer Haft das bedeutendste Werk der marxistischen Philosophie schuf.

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Mafiafilme III

Vergangenen Samstag wurde einer der Schauspieler des Films Gomorrah verhaftet: Zi’ Bernardino, Bernardino Terracino, spielte die Rolle des Erpressers in der Episode, die von Marco und Ciro handelt - den beiden dünnen Jungs, die am Ende von der Camorra ermordet und verscharrt werden wie zwei Straßenhunde. Zi’ Bernardino, Onkel Bernhard, wurde zusammen mit einer Reihe von Camorristi festgenommen, die von der Polizei verdächtigt werden, dem Clan der Casalesi nahezustehen - und an der vor kurzem erfolgten Ermordung von sechs Afrikanern in Castelvolturno beteiligt zu sein.

Die Wirklichkeit ist eben immer noch größer als jeder Film.

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