Die Flutkatastrophe in Pakistan - ein Politikum

Vor einigen Tagen war Deutschland noch nicht vom Sarrazinfieber erfasst. Ich saß in einem Ferienhaus in der niederländischen Stadt Haarlem und schaute fern. Anne Will hat prominente Gäste eingeladen, um mit ihnen über die Flutkatastrophe in Pakistan zu diskutieren und die eingebrochene Spendenlust der Deutschen zu animieren. Sie fragt, warum die Deutschen für die Erdbebenopfer in Haiti mehr gespendet haben als für die Flutopfer in Pakistan. Weil man mit Moslems weniger Mitleid hat? Weil das Land die A-Bombe hat aber kein Geld, um Dämme zu bauen? Anne Wills Gäste sind sich einig – egal wie korrupt die Regierung in Islamabad ist und wie viel Einfluss die Taliban im Lande haben, man sollte die Menschen in Pakistan nicht im Stich lassen.

Ich zappte weiter durch die Programme und blieb bei Al-Jazeera hängen. Dort läuft eine ähnliche Diskussion zum gleichen Thema. Aber der Ton ist ein anderer. Die Flutkatastrophe sei eine Strafe Gottes für Pakistan, weil Pakistan sich im Kampf gegen den Terror mit den Amerikanern gegen die muslimischen Afghanen verbündet habe. Deshalb dürfen Muslime nicht für Pakistaner spenden, sie würden sich Gottes Willen widersetzen. Andere meinen, die Flutkatastrophe sei eine Verschwörung des Westens, der Indien ermutigt habe, die Dämme zu öffnen, um Pakistan zu überfluten. Ein besonders eifriger Diskutant warnt die Pakistanis davor, westliche Hilfen anzunehmen. Die „Helfer“ wollten nur die Menschen in Not zum Christentum konvertieren. Am Ende schlägt ein Teilnehmer der Debatte vor, die religiösen Gelehrten um eine Fatwa zu bitten, ob Spenden an Pakistan islamikkonform seien. Verglichen mit allem, was davor gesagt wurde, war dies eine Stimme der angewandten Vernunft.

Diese Asymmetrie bestimmt die Beziehung und die Kommunikation zwischen Ost und West seit Generationen. Die Gräben, die immer tiefer werden, sind kaum überbrückbar. Diese Asymmetrie und Ungleichzeitigkeit beherrschen auch die Beziehung von Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland. Nicht nur die neulich entbrannte Sarrazin-Debatte macht dies deutlich. Dazu später mehr.

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2 Reaktionen zu „Die Flutkatastrophe in Pakistan - ein Politikum“

  1. Von Karin

    Hören Sie bitte auf, mich als Christin als “Nichtmuslime” zu bezeichnen. Das ist verletzend und herabwürdigend. Wir Christen sagen zu Menschen anderer Religionen ja auch nicht “Nicht-Christen”.

  2. Von Guenter

    antwort an Karin:

    ihr Christen nennt Menschen anderer Religionen “Heiden” …

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