Ist der “Tag der Arbeit” eigentlich noch sinnvoll?

Klar, gesetzliche Feiertage sind immer etwas Feines, jedenfalls mal für Arbeitnehmer, die in Lohn und Brot stehen, denn da bezahlt der Arbeitgeber den freien Tag. Dieses Jahr fiel der Maifeiertag auf einen Sonnabend – so ein Pech, wollen wir hoffen, dass wir 2011 mehr Glück mit dem Datum haben. Ich gehe jede Wette ein, dass den meisten Arbeitnehmern genau dieser Gedanke in den Sinn gekommen ist. Daran ist nichts Verkehrtes, lässt aber die Frage aufkommen, ob der 1. Mai (wie auch eine Reihe anderer gesetzlicher Feiertage) eigentlich noch einen von der breiten Bevölkerung getragenen Sinngehalt hat. Es scheint, der Tag wird eigentlich nur noch von zwei Gruppen unterstützt. Beide Minderheiten - die eine tief in unserem Sozialstaat verwurzelt, die andere eine eher irrelevante Randgruppe.

Die erste Gruppe besteht natürlich aus Gewerkschaftsfunktionären und aktiven Gewerkschaftsmitgliedern, die traditionell ihre Veranstaltungen an diesem Tage als nationale Plattform nutzen, um ihren Forderungen öffentlich Nachdruck zu verleihen. Zweifellos haben sich in diesem Jahr hier mehr Menschen angesprochen gefühlt als das noch vor ein paar Jahren, als die Wirtschaft noch gut lief, der Fall gewesen ist, denn zur Zeit ist unser Denken durch konjunkturelle Unsicherheit und die negativen Konsequenzen der Finanzkrise geprägt. Dennoch bleiben die Teilnehmer an den klassischen Maidemonstrationen und deren aktive Befürworter eine Minderheit unter den Arbeitnehmern.

Die andere Gruppe sind die Extremisten und Radikalen, unter ihnen auch solche, denen es einfach nur um Rabatz und Prügel geht. Auch sie haben seit Jahren die Chance einer nationalen Plattform genutzt, weil sie wissen, dass sie mit einem großen Medienecho rechnen können. Diese Gruppe stellt, Gott sei Dank, nur eine winzig kleine Minderheit dar, und die Berichterstattung steht in krassem Missverhältnis zu ihrer Bedeutung.

Ist es also zu bedauern, dass der Maifeiertag für viele zu einem eigentlich sinnentleerten bezahlten Urlaubstag geworden ist, dessen “feiern” darin liegt, dass man nach einem langen Winter und kalten Frühjahrsmonaten, so es das Wetter erlaubt, endlich mal wieder im Garten grillen kann? Oder ist die relative Apathie zu begrüßen, denn sie scheint deutlich zu machen, dass sich unsere Arbeitswelt, bei allem Jammern und Klagen, eben doch grundsätzlich zum Besseren und durchaus Akzeptablen verändert hat? Ich persönlich würde eher für die zweite Variante optieren, aber da könnten sich die Geister scheiden.

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