Die Goldjungs offenbaren sich
An diesen TV-Krimi werde ich mich noch lange erinnern, der war richtig spannend: Letzte Woche wurde die Anhörung einiger Goldman Sachs Manager vor dem US-Senatsausschuss im Fernsehen direkt übertragen. Offiziell waren sie als Zeugen geladen, inoffiziell und praktisch waren sie die Angeklagten. Da saßen sie also, die ehemals viel Gerühmten und jetzt so viel Geschmähten. Eine erstaunliche Darstellung, da wurde sich hinter Erinnerungslücken versteckt, da konnte keiner einen Satz zuende bringen, der nicht durch einschränkende Nebensätze nichtssagend wurde, da war man sich keiner Verantwortung bewusst und da hatte man doch nur das getan, was von einem verlangt wurde. Und was das war, brauchte nicht besonders betont zu werden, das war das Geldverdienen.
Goldman Sachs wird von der amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC bezichtigt, betrogen zu haben. Die Klage hat einen ganz bestimmten Fall zum Gegenstand, aber der generelle Vorwurf lautet, dass Goldman einigen seiner Kunden Giftmüllprodukte verkauft hat, die die Bank selbst als verlustbringend einschätzte, und gegen die sie selbst – und zwar sehr gewinnträchtig - spekulierte, sich also unethisch verhalten hat.
Da kommt sie wieder zum Vorschein, die Moral, beziehungsweise ihre Abwesenheit, im Finanzwesen. Für mich hat diese Anhörung einmal mehr deutlich gemacht, dass viele Investmentbanker und Händler eben nicht unmoralisch, sondern amoralisch sind. Die vorgeführten Manager schauten die Fragesteller völlig verständnislos an, wenn von Verantwortung die Rede war: Moral, Verantwortungsgefühl und Ethik gehen in keine Finanzgleichung ein, die bringen keine Rendite, und in den Hirnen der Agierenden findet sich kein Platz dafür.
Da das so ist, müssen wir um so dringlicher von unseren Politikern und Regierungen überall auf der Welt fordern, endlich zu einer gemeinsamen neuen Regelung für die Finanzwelt zu kommen. Da dürfen wir nicht nachlassen, denn die Zeichen stehen schlecht. Beim G-20 Finanzminister-Treffen in Washington bewahrheiteten sich die unschönsten Vermutungen: Die Regierungen werden sich nicht einig, nicht einmal auf eine Bankenabgabe konnten sie sich verständigen. Jeder hat sein eigenes Konzept, die Konjunktur fängt wieder an zu laufen und bei der anstehenden Neuregulierung der Banken haben weite Teile der Bevölkerungen sowieso schon abgeschaltet, also brauchen sich die Politiker auch nicht ins Zeug zu legen. Das Zeitfenster für eine weitreichende Neuordnung im globalen Finanzwesen schließt sich wieder und das könnte verheerende Folgen haben. Die Investmentbanken werden sich in ihrem Geschäftsgebaren nicht so bald, wenn überhaupt, ändern, sie müssen von Dritten zu einem anderen und nachhaltigen Geschäftsmodell gezwungen werden. Wenn wir das nicht packen ist die nächste Krise vorprogrammiert - selbst wenn wir noch halbwegs unversehrt aus dem Griechenland-Debakel herauskommen sollten.


