Griechenland, der europäische Gedanke und die Deutschen
Die Diskussion um die griechische Schuldenkrise trägt hier zu Lande beinahe hysterische Züge. Seit Wochen wird das Thema von den Medien populistisch hoch gespielt: Der Euro verkommt angeblich zur Schwachwährung, unser hart erspartes Geld wird sich in Rauch auflösen, am besten stünden wir doch ohne die Griechen und andere Mittelmeerstaaten da. Gnadenlos wurden Berufene und weniger Berufene in Interviews zu Wort gebeten, um uns das eine oder andere Horrorszenario vor Augen zu führen. Leider hat sich die Politik von dieser aufgeheizten Stimmung leiten lassen und mit offenen Augen zugeschaut, wie die öffentliche deutsche Diskussion und die Zögerlichkeit der deutschen Regierung die Finanzmärkte immer wilder haben darauf spekulieren lassen, dass der griechische Staat wird umschulden müssen. Die lange Periode des Nichtstuns wird uns – und andere – teuer zu stehen kommen. Sicherlich teurer, als wenn man sich schon früher durchgerungen hätte, in den sauren Apfel zu beissen.
Ein saurer Apfel ist es, da gibt es gar keine Frage. Aber was wäre denn die Alternative? Griechenland aus der Eurozone jagen? Rein rechtlich ist das gar nicht möglich und die Griechen wollen das natürlich auch nicht. Aber man kann ja mal theoretisch durchspielen, was dann passieren würde. Der Wechselkurs der dann wieder eingeführten Drachme würde über Nacht in den Keller stürzen, ein gigantischer Run seitens der Bevölkerung auf die Banken und Kapitalflucht würden folgen, der Kapitalmarktzugang wäre dem griechischen Staat zunächst versperrt, Investitionen würden unterbleiben, eine schwere Rezession, möglicherweise gepaart mit hoher Inflation, wäre die Folge. Griechenland wäre auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, wirtschaftlich am Ende. Was wären die Folgen für die Eurozone?
Nun, da hätten die Finanzmärkte immens viel Blut geleckt und würden sich jetzt Portugal, Spanien, möglicherweise Irland und andere – vielleicht sogar das sich nicht in der Eurozone befindliche Großbritannien – vorknöpfen. Zur Bekämpfung der Finanzkrise haben wir immer noch eine von den Notenbanken gewollte Liquiditätsschwemme auf den Märkten. Das Geld würde in die Hand genommen werden, um auf weitere Austritte von Mitgliedern der Eurozone zu wetten. Diese Länder müssten über kurz oder lang dann auch aus der Eurozone austreten, mit ebenfalls verheerenden Folgen für ihre jeweiligen Volkswirtschaften. Letztendlich bliebe nur noch der “gesunde Kern” der Eurozone, allen voran Deutschland.
Konsequenz? Der Kern-Euro würde kräftig aufwerten, der Spekulation und der “Sicherer Hafen” Funktion sei Dank. Wir haben gerade so erfreuliche Arbeitsmarktdaten veröffentlicht gesehen. Das würden wohl die letzten guten Nachrichten vom deutschen Arbeitsmarkt gewesen sein, denn die Exporte würden wegbrechen. Außerdem hätten wir es in ganz kurzer Zeit geschafft, wieder als die “bösen” Deutschen angesehen zu werden, die um ihrer (vermeintlichen) nationalen Interessen wegen halb Europa in den Abgrund stürzen. Wollen wir das?
Die Generationen unserer Väter und Großväter haben sich über Jahrzehnte bemüht, Europa zusammen wachsen zu lassen. Der Grundgedanke war, die Großen Kriege auf dem europäischen Kontinent endgültig in die Vergangenheit zu bannen und in der Zukunft als friedfertiger Kontinent miteinander zu leben. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, dieser Gedanke muss mit aktiver Politik immer wieder unterstützt werden. Meine eigene und die jüngeren Generationen haben, Gott sei Dank, noch nie einen Krieg der großen europäischen Staaten untereinander erlebt. Das muss auch für die zukünftigen Generationen so bleiben. Der europäische Gedanke darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Um so beklagenswerter ist es, dass unsere ureigensten wirtschaftlichen und politischen deutschen Interessen dem Datum einer Landtagswahl und dem Medienhype untergeordnet worden sind.



Es steckt viel wahres in diesem Beitrag, nur finde ich, dass er sich
in keinster Weise von den Artikeln der öffentlichen Medien unter-
scheidet.
Ich bezeichne mich selber nicht als ein Gegner Europas, nur weiss
ich aus dem Geschichtsunterricht ( Hauptschule Leistungskurs ),
das jegliche Art von Bündnissen in der Vergangenheit zum Verderben
aller Menschen auf dem Erdball geführt haben.
Wenn ich mich recht erinnere, wurde Europa in dieser Weise forciert
um ein Gegengewicht zu den USA bzw. dem Dollar zu erzielen.
Meiner Meinung nach ein falscher Ansatz, weil GEGEN….
Es wird sich zeigen, wie es in der Zukunft weitergeht, nur wird es
bestimmt nicht die letzte Wirtschaftskriese sein, über die wir uns
Gedanken machen müssen. Die Großen Löcher sind gestopft, der
DAX hat wieder einen guten Durchschnittswert, Gewinne werden
ausgeschüttet. Die Blase mutiert erneut.
mfg
Super Bericht - ich werde hier mal öfters lesen.