Es muss ein Sinn für Genügsamkeit einsetzen

Eine Strategie der sanften Anhebung von Energie- und Rohstoffpreisen ist hoch politisch. Es geht um den ewig anhaltenden Trend menschlicher Gesellschaften, immer mehr haben zu wollen. Die Effizienzgewinne der Vergangenheit sind stets von zusätzlichem Konsum aufgegessen worden, so dass für die Natur nichts übrig blieb. Auch einen Faktor Fünf der Effizienzsteigerung würden wir Menschen problemlos wieder verfrühstücken, wenn uns kein Bremssignal entgegensteht. Der langfristige Preispfad soll genau dieses Signal werden. Der Markt bringt weder die Richtung noch die Stetigkeit des Signals zustande. Wir brauchen ein Signal der öffentlichen Hand.

Das verlangt aber, dass wir wieder eine vernünftige Balance zwischen öffentlichen und privaten Gütern – oder zwischen dem Staat und Markt – herstellen. Die jahrzehntelang herrschende, besonders im angelsächsischen Kulturraum gedeihende Doktrin – die den Staat schwächte und verhöhnte und die Richtungsfindung weitgehend den Investoren und der Privatwirtschaft überließ – war ökologisch gesehen ein schwerer Fehler.

Die Faktor Fünf-Gedanken sind dabei alles andere als wettbewerbsfeindlich. Wenn ein Land oder eine Firma früher als die Konkurrenten die Effizienzrevolution für sich entdeckt und wenn sie sich von Jahr zu Jahr immer mehr lohnt, dann stellt sich alsbald ein großer Wettbewerbsvorteil ein. Nur ist es dann nicht ein ruinöser, sondern ein naturerhaltender Wettbewerb.

Gleichwohl wird auch diese rosige Perspektive nicht darüber hinweg täuschen können, dass die Erde endlich ist. Es muss ein Sinn für Genügsamkeit einsetzen. Europäische und asiatische Kulturen können schon heute besser und lustvoller damit umgehen als die amerikanische. Ein Forschungsergebnis hat viele Amerikaner sehr irritiert und manche wachgerüttelt: Unsere Nachbarn, die Franzosen, wenden mehr Geld und Zeit fürs Essen auf als die US-Amerikaner. Sie haben mehr Lebensfreude dabei, essen aber weniger Kalorien. Und die in den USA äußerst verbreitete Fettsucht kommt in Frankreich praktisch nicht vor.

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