Telekom an Ditfurth: »Sie müssen keine Sanktionen befürchten«

Die Telekom gewährt mir zur Zeit gnädigerweise, bis ich eines Tages das seit Wochen bestellte DSL-Paket erhalte, eine Notlösung namens »Sofortkennung«. Man kriegt ein paar Daten, es dauert ein paar Tage, weil nicht alle bei der Telekom wissen, was ein Mac ist. Dann war ich wieder im Internet und konnte mailen. Es stellte sich auch heraus, dass ich meine E-Mails gesichert hatte. Nur waren alle Mails während der Telekomzwangspause wegen einer »Großraumstörung« vom Server verschwunden und meine alten Kenndaten hatte man einfach gelöscht. Ein paar hunderttausend Telekom-Kunden, so erfuhr ich, soll das gleiche passiert sein.

Telefonleitung und Internetverbindung laufen derzeit über eine einzige analoge Leitung. Dafür funktioniert das Fax gar nicht mehr. Ich weiß zu schätzen, dass die Telekom mich in Bewegung hält: Wenn ich telefonieren will, muss ich nur das Internet am Computer ausschalten, mich über oder unter den Schreibtisch winden und ein Kabel herausziehen. Das ist immerhin einfacher als trommeln oder Brieftauben züchten, das muss ich schon zugeben.

Allen MitarbeiterInnen von der Telekom, von Frau A. bis Herrn Z., die ich bis dahin kennengelernt hatte, hatte ich gesagt, dass mein Journalistinnenbüro durch die Fehler der Telekom fast zusammenbrach, dass neben all der anderen Arbeit ein großer Mail-Versand raus musste. Dem sollte nun angeblich nichts im Wege stehen. Dank der »Sofortkennung« mailte ich am Sonntag, den 30. August guten Mutes endlich den Versand. Ich wunderte mich nur etwas, dass am Montag untypischerweise überhaupt keine Reaktionen eintrafen.

Zwei Tage später, am Dienstag, den 1. September, erhielt ich vom »T-online-Team« die Erklärung in Gestalt eines reizenden Briefes. Nicht eine einzige Mail war gesendet worden, denn »der Versand von E-Mails« sei »innerhalb von 24 Stunden auf 100 E-Mails bzw. pro 30 Kalendertage auf 1.000 E-Mails beschränkt«, ich solle »Verständnis dafür [haben], dass diese deshalb nicht ausgeliefert wurden.« Mit der Zahl der E-Mails war, wie sich herausstellte, die nicht Zahl der E-Mails sondern die Zahl aller einzelnen Empfänger (inclusive cc und bcc) gemeint. Telekom: »Etwaige Sanktionen oder ähnliches müssen Sie nicht befürchten«, jedenfalls so lange ich so was Böses nie wieder tue.

Zuerst glaubte ich an einen bösen Witz, an ein Spam, an Hacker, an Viren. Bei der Telekom wurde ich weiterverbunden und weiterverbunden. Musste mit dem teuren Handy telefonieren (denn das Festnetztelefon geht ja nicht, solange…) Wurde ein bisschen grimmig. Schließlich hatte ich eine freundliche Technikerin an der Strippe. »Hat Ihnen das keiner gesagt? Bei einer Sofortkennung kann man eigentlich gar nicht mailen. Da sind nur 100 eMails am Tag und 1.000 in 30 Tagen erlaubt.« Was soll ich tun? »Sie können ein E-Mail-Paket für 4,99 Euro kaufen.«

Weder brüllte noch tobte ich, war eine Meisterin der Selbstbeherrschung. In zwei Tagen soll angeblich die DSL-»Aufschaltung« kommen und ich muss jetzt für zwei bis drei Tage ein E-Mail-Paket für 4,99 Euro kaufen? Ich mach’s, hörte ich mich sagen und mich wunderte, dass meine Zähne nicht knirschten. Gut, sagte die nette Technikerin heiter, ich schicke ihnen eine Mail, da können sie das buchen. – Erstaunlich, ihre DSL-Pakte verkaufen sie frei fliegend, Zwangsverträge und neue Handy-Zweijahresverträge per Telefondrückerei (siehe Kommentar am 1. September von Doris) und ich muss schriftlich … – Die Technikerin versprach: »Die Mail ist in 10 Minuten bei ihnen.« Ich glaubte ihr. Das war am Dienstag, 2. September mittags, vor knapp 24 Stunden. Ich warte noch immer. Zehn Minuten können sehr lang sein.

Eine Bekannte aus Frankfurt-Sachsenhausen erzählte mir gestern, dass sie vor sechs Monaten das Telekom-Paket Call + Surf Comfort Plus gekauft hat und dass dieses anfangs nicht funktionierte, was ihr mit einer »Großraumstörung« erklärt wurde. Das war, wie ihr ein Telekom-Techniker später erklärte, gelogen, die »Großraumstörung« hatte es nie gegeben. Nun, nach sechs Monaten, ist ihre Internet- und Telefonverbindung erneut zusammengebrochen. Wieder soll es sich um eine »Großraumstörung« handeln. Als sie das anzweifelte, sagte die Telekom-Mitarbeiterin: Seien Sie doch nicht so pampig!

Am vergangenen Wochenende, als mein Versand von der Telekom gestoppt wurde, gab es auf dem Frankfurter Museumsuferfest – drei Millionen Gäste in drei Tagen – ein Telekom-Werbezelt, in dem das Entertain-Paket angeboten wurde, das bekanntermaßen in Frankfurt vielerorts nicht funktioniert. Wer es dort sofort bestellte, bekam einen Lufthansa-Alliance-Freiflug innerhalb von Europa geschenkt. Wahrscheinlich muss man die Leute bestechen, wenn man so ein mieses Produkt anzubieten hat.

Ich möchte gar nicht fliegen.

Hinweis: Der Text darf – auf Anfrage! – und unter folgenden Auflagen nachgedruckt werden:

1.) einen Direktlink zu: www.was-sache-ist.de

2.) einen Direktlink zu www.jutta-ditfurth.de

3.) Der Blog ist eine Diskussion zum Buch: Jutta Ditfurth, ZEIT DES ZORNS. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft, Droemer Verlag, EUR (D) 16,95, EUR (A) 17,50, sFr 29,90, ISBN: 978-3-426-27504-7

4.) möglichst das Cover des Buchs Zeit des Zorns

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3 Reaktionen zu „Telekom an Ditfurth: »Sie müssen keine Sanktionen befürchten«“

  1. Von Frank Polakowski

    Liebe Jutta Ditfurth
    Mein Kommentar zum Horrorunternehmen Telekom

    Wenn ich jetzt im sechten Blog von Jutta Ditfurth einen Kommentar abgebe, dann deshalb, weil das Telekom-Dilemma kein Ende nimmt. Aufgrund meiner Fehleinschätzung, hatte ich im fünften Blog ein überschwengliches Lob für die Telekom abgegeben. Es war meine unrealistische Hoffnung, sich wenigstens für jemand anderen freuen zu können. Ein Wunschdenken, das es bei jemand anderem, vielleicht positiver abläuft, als im eigenen Dilemma. Das war ja dann, wohl ganz daneben. Um meinem kontraprodukiven Kommentar in Blog 5, selbst etwas entgegen zu setzen, kommentiere ich weiter.

    Wie war es bei mir und der Telekom. Als endlich der Mitarbeiter der Telekom zu mir kam, stellte er bereits an der Haustür eine Frage: “Hätten sie vielleicht eine Rolle Isolierband für mich. Meins ist alle.” In dieser Preislage ging es weiter. Bei einem meiner Freunde, hatte sich auch, nach einem Vorlauf von einigen Monaten. ein Mitarbeiter der Telekom eingefunden. Dort liefen die Installationen zunächst perfekt. Nur noch zum Abschluß, ein kleines Nägelchen, um eine Kabelklemme zu befestigen. “Damit das Kabel, nicht zu sehr herumschlabbert.” Weil das Nägelchen zu kurz war, wurde ein längeres genommen. Zie(h)lgenau wurde die Stromleitung getroffen. Das ist keine Satire, sondern nachweisbare Realität.

    Bei der Telekom gibt es sehr unterschiedliche Kunden. Es gibt dort Kunden, welche solche Schwierigkeiten, wie sie hier beschrieben werden, gar nicht kennen und auch in der Zukunft nicht erleben werden. Diese Kunden der priviligierten Bevölkerungsschicht besitzen eine andere Lebensqualität, auch im Hinblick auf die moderne Telekommunikation.

    Wer führt die Operation am Patienten durch? Der erfahrene Professor, mit der ruhigen Hand oder der karrierebewusste Absolvent, mit Tatendrang? Oder vielleicht ein alkoholisiertes Auslaufmodell. mit stumpfer Klinge? Solche Entscheidungen sorgen dafür, dass in der Gesellschaft selktiert wird. Während sich ein großer Teil der Bevölkerung, mit vollkommen idiotischen Problemen herumschlagen muss, genießen priviligierte Kreise ihre immer größer werdenden Vorteile. Das JournalistInnenbüro von Jutta Ditfurth, wird dagegen ausgebremst. Heimtückische Methoden, um andere auf das Siegerpodest, einer zweifelhaften Gesellschaft, stellen zu können. Eine Demokratie am faschistischen Abgrund. Die Tyrannei einer gekauften Mehrheit, darf nicht zur Beseitigung einer außerparlarmentarischen, linken Opposition führen. Das kann nicht so weiter gehen, und deshalb müssen Wege gefunden werden, um die gesellschaftlichen Entwicklungen in eine andere Richtung zu bringen.

    Frank Polakowski, Berlin

  2. Von Harald Hiller, Berlin

    Hallo Frau Ditfurth
    Mein Kommentar zu Ihren Problemen mit der Telekom

    Ich kenne die von Ihnen dargestellten Vorgänge nur zu gut, denn ich bin viele Jahre für die Konkurenz tätig …
    Aus technischer Sicht kann ich Ihnen nur empfehlen einen anderen Anbieter zu wählen,
    sowie Ihren E-Mail Account nicht bei Ihrem jeweiligen Telefonversorger einzurichten.
    So bleiben Sie diesbezüglich unabhängig und behalten Ihre E-Mail Adresse ein Leben lang.
    Natürlich sollte man generell einen ISDN Anschluss besitzen, welcher 2 Leitungen und mindestens 3 Rufnummern hat. So können Sie telefonieren und gleichzeitig Faxe senden oder empfangen …

    Alles Gute wünscht Ihnen

    Harald Hiller, Berlin

  3. Von Tom

    Die Blogs von “Judit” sind klar und unverschminkt und zu meist wahr.
    Es fehlen aber die kreativen und intelligenten Lösungsansätze.
    Die Terminologie ist z.T.altbacken . Da schimmert der alte Klassenkampf durch. Das ist Schnee von gestern. Was man bekämpft stärkt man!!
    Die kapitalistische Wirtschaftsform erledigt sich von selbst- wir sind mitten drin.
    Es geht darum die Energie in neue ideologiefreis Ansätze zu stecken-
    die zukunftsfähig sind. Ein Schlüssel dazu ist das Geldsystem.
    Ich würde mir wünschen “Judit” würde ihr know-how mehr für konstruktives einsetzen als für die alten Köpfe und Zöpfe , die es nicht mehr lange gibt.

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