Guttenberg oder wie kleinbürgerlich-untertänig sind die Deutschen?
Statt zu streiken traten letztes Jahr 221 Busfahrer der Verkehrsbetriebe Saarbahn GmbH in eine Partei ein, um die drohende Privatisierung zu verhindern. Bei Schaeffler und Porsche fielen Arbeiter ihren Kapitaleignern schluchzend um den Hals, anstatt sie zum Teufel zu jagen. Und gleichzeitig himmeln viele Deutsche den Wirtschaftsminister Guttenberg an, halten ihn gar für etwas Besonderes. Warum dieser untertänige und kleinbürgerliche Blick?
Wer die Weltwirtschaftskrise anrichtet, scheint manchmal fast gleichgültig – Hauptsache die Täter und die Elendsverwalter haben gute Manieren. Das Bürgertum klaubt für die eigene „Elite“-Produktion Vordemokratisches aus der „adligen Kultur“ (Rituale, Manieren, Erziehung, Militärisches).
Fast 90 Prozent der Menschen (ARD, Tagesschau v. 6.8.2009) glauben, dass die Weltwirtschaftskrise ihre soziale Lage verschlechtern wird und dass die Banken so weiter machen werden wie bisher. Und alle diese Millionen Menschen sagen: »Man kann nichts machen.« Millionen – Man will nicht. Man müsste sich ja streiten, informieren und organisieren. Da ist es bequemer zu maulen und zu jammern und zu warten, dass …. ja, was? Ein Führer kommt? Damit die Menschen nicht aufmucken und sich von den herrschenden Verhältnissen befreien, wird das Gift des Nationalen mobilisiert. Das soll helfen, die Vorstellung klein zu halten, dass diese Verhältnisse Widerstand verdienen. Wir sind aber nicht »alle in einem Boot«, sondern die einen ersaufen im Meer oder schuften im Maschinenraum, und die anderen logieren im Penthouse der Reederei. Es bedarf also einer Meuterei. Das Gift des Nationalismus ist in Deutschland immer virulent. Es wird gern gespritzt, wenn dem Kapitalismus Gefahr droht. Dann entwickelt sich die Ideologie der »nationalen Schicksalsgemeinschaft«, und auf einmal – hast du nicht gesehen? – gibt es keine sozialen Klassen mehr und keine internationale Solidarität. Es wird unterstellt, dass ausgerechnet der kapitalistische deutsche Staat eine fürsorgliche, auf das Wohl aller Deutschen – vor allem der schwächsten – ausgerichtete Institution ist. Der Arbeitslose in England, der Wanderarbeiter in China, die Gewerkschafterin in Venezuela, der revoltierende Jugendliche in Griechenland – alle rücken plötzlich weit weg. Dem national berauschten Deutschen ist sein deutscher Kapitalist näher als ein Mensch ähnlicher sozialer Lage, der wie der Zufall der Geburt es so will, in einem anderen Teil der Welt aufgewachsen ist.«
Und was bekommt der Untertan für seine Unterwerfung? Man verspricht ihm den scheinbaren Schutz: »vor größeren Schicksalsschlägen, vor Fremden, vor Veränderungen und anderen ‚Sicherheits’-Problemen. Wirklich wertvolle Grundwerte wie soziale Gleichheit aller Menschen, Freiheit von Ausbeutung, Erniedrigung, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, Solidarität über alle nationalen Grenzen hinweg und eine umfassende gesellschaftliche Emanzipation hat die Nation niemals im Angebot. Ganz besonders nicht die deutsche, die nicht mal ein Recht auf ‚résistance’ kennt.« (Zeit des Zorns, S. 219/202) Wer wird der Adressat ihrer Wut, wenn sie feststellen, dass alle Unterwerfung nichts nützt? Manche Menschen zerstören sich selbst. Andere aber lassen sich leicht gegen sozial Schwächere aufhetzen.
»Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, dem wir es verdanken, dass es die Auschwitz-Prozesse (1963–1965) gegeben hat, hat kurz vor seinem Tod im Juli 1968 darauf hingewiesen, dass ein ureigenes Widerstandsrecht des Menschen existiert, das sich gegen den Staat und die Obrigkeit richtet. […] Für Bauer war der Kontrast zwischen Deutschland und Frankreich augenfällig: ‘Frankreich hatte seine Revolution. Es bekannte sich zu den Menschenrechten. Hierzu wurde sofort das Recht auf résistance gezählt. Anders in Deutschland. Die deutschen Philosophen machten im Kielwasser des autoritären Staates dem Widerstandsrecht der Jahrtausende den Garaus.’ Bauer zitierte Kant, der dem Untertan kein bisschen Widerstand erlaubt, was auch immer der Staat verbricht, um den Menschen unglücklich zu machen. ‘Die Worte Kants, denen ganz ähnliche Hegels, auch […] Treitschkes und vieler anderer entsprechen, sind das Spiegelbild der sozialen Realität in Deutschland.’« (Zeit des Zorns, S. 214) Ist es nicht schön, dass es viele Menschen gibt, die aus dieser verzerrten Realität ausbrechen?



Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen, danke dafür!
Habe einen schönen Beitrag gefunden von meinem Freund dem Eifelphilosoph, aber lest selber, denke er passt sehr gut zu dem obigen Beitrag.
Der Markt bestimmt den Preis der Arbeit … aber müssen wir uns eigentlich dem Diktat eines gedanklichen Konstruktes gezwungenermaßen unterwerfen? Eigentlich nicht, das ist unsere freie Wahl. Das könnte man anders Regeln, dafür sind GESETZE geschaffen worden, die immer noch über dem MARKT stehen sollten …und der unsichtbaren Hand dieses Marktes oft genug im Wege stehen.
Wer möchte hier zum weiter lesen:
http://eifelphilosoph.blog.de/2009/08/11/arbeit-geld-wert-6696815/
Mit mehr als bestem Gruß: Grilleau
Sind Sie sich wirklich sicher, dass von Guttenberg beim Volk so gut ankomme, wie BILD & Co. uns das an die Wand malen? Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Schuss ganz gewaltig nach hinten losgehen wird.
Wer auch nur für einen Cent Verstand hat, stellt sich doch die Frage, wofür der Mann so hoch in den Himmel gelobt wird, obwohl er noch nichts geschafft hat.
Außerdem stellt man sich doch die Frage, warum er, wenn er ein solcher Supermann sein sollte, zwar seit 2002 im Bundestag sitze, bis 2009 aber niemandem, auch nicht seiner eigenen Partei, aufgefallen sei.
Diese gekünstelte Hochpreiserei in einer Zeit, in der das Volk die Lügen satt hat - sind Sie sich sicher, dass das gut gehen wird?
Indem die Union so sehr auf v. Guttenberg setzt, macht sie sich im stets personalisierten Parteienwahlkampf leicht angreifbar: Andere Parteien müssen nur gekonnt den v. Guttenberg angreifen, um die Union vom Roß zu holen und sich selbst gut in Szene zu setzen.
Liebe Jutta Ditfurth,
wenn man sich die Erklärung der RAF zum Anschlag auf den Knast in Weiterstadt durchliest, dann scheint es gerade so, als ob jemand aus der Zukunft den VerfasserInnen die Hand geführt hätte: Fast alles ist so eingetroffen, wie damals beschworen - nur stört das heute nur noch Wenige.
In meinem persönlichen Umfeld ist es so, dass vielen Menschen der utopische Gegenentwurf zu dieser Gesellschaft fehlt. Die Menschen möchten gerne an den Sozialismus glauben können, doch der Betrug durch die stalinistisch-maoistischen Regime, die zu Recht hinweggefegt wurden, hat sie zögerlich und skeptisch gemacht. Die kleinbürgerlichen Kreise, denen ich entstamme, können aber selbst noch immer dem Versuch Alexander Dubceks, einen Sozialismus mit menschlichem Anlitz zu schaffen, etwas abgewinnen. Die Idee ist also noch nicht tot bzw. komplett desavouriert. Ich bin kein Dubcek-Anhänger, sondern will damit lediglich sagen, dass der Funke, der hoffentlich noch zum Steppenbrand wird, selbst in Kreisen weiterglimmt, von denen man vielleicht annehmen könnte, sie seien für immer an den Kapitalismus verloren.
Liebe Jutta Ditfurth, ich möchte mich herzlich dafür bedanken, dass Du nicht aufgibst, die Menschen aufrüttelst und daran erinnerst, dass ein anderes Leben möglich ist. Daraus erwächst hoffentlich, nein sicherlich!, der Mut endlich das kaputt zu machen, was uns kaputt macht.
“wie kleinbürgerlich-untertänig sind die Deutschen?”
Hm, in Deutschland steckt die Stellvertretermentalität tief in den Köpfen unserer Kollegen/innen und manche Gewerkschaftsführer http://www.sopode.de/sommer.html sorgen dafür das es weiterhin so bleibt (Arbeitsplätze sozialverträglich vernichten).
Als z.B. Berlusconi in Italien das Rentenalter von 60 auf 65 Jahren anheben wollte, haben in Oktober 2003 über zehn Millionen Menschen mit einem Generalstreik die Rentenpläne zu
Fall gebracht.
Und bei uns? Länger arbeiten für weniger Geld, Hartz IV, Rente mit 67 und nichts rührt sich?
Deutschland ist eines der streikärmsten Länder der Welt und hat darüber hinaus das restriktivste
Streikrecht weltweit, wenn man einmal von totalitären Staaten absieht. Während in fast allen Länder der politische Streik erlaubt ist und praktiziert wird, ist er in der Bundesrepublik tabuisiert.
Siehe hierzu das Buch “Der Politische Streik” von IG BAU-Kollege www.veit-wilhelmy.de/43034.html und die Petition zum Thema „Arbeitskampfrecht - Politischer Streik“ http://superkurz.de/1kK
Was also tun?
http://www.qualm-nix.de/Prekaere-Arbeit.pdf
Viele Bürger sind offenbar der Ansicht, durch die Aktivitäten von Herrn zu Guttenberg, würden die Banken und deren Manager bestraft werden. Dies ist nicht der Fall, selbst wenn es oberflächlich so aussieht, bzw. so aussehen soll. Das kleinbürgerliche Gerechtigkeitsempfinden wird instrumentalisiert.
Wenn der Wirtschaftsminister zur staatlichen Zwangsverwaltung von Banken bereit ist, dann nur deshalb, weil dadurch der kleine Bürger auf direktem Wege, die Folgen der Wirtschaftskrise abarbeiten kann.
Eine Zwangsverwaltung baut die Banken wieder auf, und dann
kommt wieder eine Privatisierung. Eine Umverteilung von unten, nach oben.
Der deutsche Untertan macht so etwas mit, solange unter ihm jemand ist, den er selber treten kann. In Verbindung mit nationalem und militärischem Gedankengut, führt dies wieder in einen faschistischen Staat. Diese Entwicklung muss beendet werden. Auf parlamentarischem Wege ist dies nicht zu erwarten, denn gerade das Parlament, hat die Arbeitslosen zu Sündenböcken ihrer eigenen verfehlten Politik gemacht.
Eine staatliche Zwangsverordnung von kleinbürgerlichen Wertvorstellungen, ist realitätsfremd und hat zwangsläufig massiven Widerstand zur Folge. Dies ist nicht eine Frage der juristischen oder moralischen Rechtfertigung, sondern eine Frage des Überlebens.
Jutta Ditfurth zeigt mit ihren Aussagen in die richtige Richtung,
und deshalb ist ihr Buch “Zeit des Zorns” von besonderer Bedeutung.
“Kant, der dem Untertan kein bisschen Widerstand erlaubt, was auch immer der Staat verbricht, um den Menschen unglücklich zu machen” ?
Immerhin sagte Kant:
“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Sapere aude!
Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Damit käme man immerhin schon wesentlich weiter, als mit einem gelackten Guttenberg, der doch auf die selbstheilungskräfte des marktes vertrauend das elende credo unserer jahrzehnte verkauft: der markt reguliere sich selbst.
wie lächerlich doch!
Vielen Dank, liebe Jutta, und Dank auch an alle Kommentatoren!
Ich möchte mich Donald Gärtner anschließen, wenn er eine Lanze für Kant bricht. Vielleicht ist es mit Kant so wie mit der Bibel, je nach dem, welche Stelle man trifft, kann man sich in seiner eigenen Meinung bestätigt fühlen.
Immerhin hast Du, liebe Jutta, mit Kant eines gemeinsam: Du willst aufklären.
Ich persönlich fühle mich in den letzten Jahren verpflichtet, vor allem über die Doppelmoral der aufeinanderfolgenden US-Regierungen aufzuklären, der auch wir Deutschen ausgeliefert zu sein scheinen, wenn es um die Verteidigung ihres “Rechtes” auf Ausbeutung der Menschen und Ressourcen der Erde um des Profites Weniger willen geht.
Denn der “Markt” oder die “Globalisierung” sind nicht anonym, dahinter stecken einzelne “Interessenten” und deren gedungene Vollstrecker bzw. auch als regelrechte Terroristen ausgebildete Menschen, die für sie das schmutzige Geschäft erledigen.
Wie das Leben so spielt, bin ich hauptsächlich über das den Massenmedien verordnete Schweigen des Falles der “Cuban Five” (s. http://www.miami5.de ) dazu gekommen, mehr auf die gezielte Desinformation zu achten.
Und ein von Guttenberg stellt wohl sein smartes Äußeres zum Erhalt der Fassade gerade rechtzeitig zur Verfügung - wie auch Obama, als junger dynamischer, erster schwarzer Präsident, mehr soziale Gerechtigkeit verheißend, jetzt das Ansehen der USA nach außen retten soll, nur um im gleichen Stil weitermachen zu können.
Französische Fassung des Beitrags
Guttenberg ou : Jusqu’où vont les Allemands dans la docilité petite-bourgeoise ?
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8335&lg=fr
Spanische Fassung
Guttenberg o ¿Hasta qué punto llega la sumisión pequeñoburguesa de los alemanes?
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8352&lg=es
Herr Guttenberg?
Ist das ein Hobbit?
Wie ein Ork sieht er nicht aus…
Wie ein Zauberer auch nicht gerade…
Hat er den einen Ring?
Hat er blaues Blut?
So einen Typen hatte ich letztens im Taxi.
Er bemerkte ich wäre von linker Propaganda verseucht und der Mensch ist des Menschen Wolf. - Auf lateinisch…Ich kann aber kein Latein.
Außerdem bin ich ein Mutant und kein Linker und überhaupt, die Menschen sind des Menschen Wolf, weil sie nur dieses System kennen.
Wenn man in der Schule nur lateinisch lernt, ist das kein Wunder!
Aber die meisten Politiker können nicht mal das.
Latein.
Deswegen sind die immer mit ihrem Latein am Ende.
Herr Guttenberg!
Hoffentlich kann der außer Neusprech noch Latein.
Sonst geht`s den Bach runter.
War sein Vater nicht bei den Kammerjägern?
Es ist ja toll, daß man Frau Jutta Ditfurth jetzt recht gibt, tue ich auch, aber:
“Und bei uns? Länger arbeiten für weniger Geld, Hartz IV, Rente mit 67 und nichts rührt sich?” [von Stefano]
Oh doch, sogar eine ganze Menge: Man nutzt Internetforen, Blogs etc. zum Jammern, die LINKE - ich weiß, Jutta Ditfurth mag dieses Wort nicht - verspricht sich ganz dolle einzusetzen, aber ich sehe sie nicht wie auch andere Organisationen nicht.
Ob sich durch ein Kreuzchen etwas ändern läßt? Ich glaube kaum.
Vielleicht ist es makaber, aber wenn wir CDU/CSU/FDP wählen - siehe http://www.nachdenkseiten.de/?p=4132#h03 - , vielleicht ist das eine Art “Sozialpolitik”.
“Diese gekünstelte Hochpreiserei in einer Zeit, in der das Volk die Lügen satt hat - sind Sie sich sicher, dass das gut gehen wird?” [von: cdu-propaganda]
Aber sicher - KTzG sieht nicht übel aus, seine Frau auch nicht und ihre Vorderpartie dürfte es aufnehmen können mit Angie und Vera - früher diskutierte man über mit oder ohne Brille von Helmut Kohl oder die Farbe der Krawatte bzw. gefärbten Haaren ja oder nein von Gerhard - und nach Brüsten, Brille und Haaren wird es sicher neues Unwichtiges geben, damit das Volk schön ruhig bleibt.
Es gab mal Montagsdemos - ich weiß es gibt sie noch immer, sind aber teilweise sehr klein und unmerklich - , warum organisiert nicht irgendeine Gruppierung, NGO oder Linke, eine regelmäßige Versammlung, Mahnwache, Demo oder oder? (Fragt man nach, wird man ignoriert, angegiftet weil es Personalnot gibt oder oder)
Zumindest ich brauche keine Wahlkampfveranstaltung, bei der Partei X wie Y uns sagen, daß sie sich einsetzen wird für das Volk, die Wirtschaft dann wieder besser wird usw. - mir wäre es wichtiger, wenn mehr Transparenz entstehen, der Föderalismus überdacht werden und man von diesen wie weiteren Dingen und Entscheidungen öffentlich erfahren würde, sprich auch mehr Volksbeteiligung.
Danke liebe Jutta Ditfurth,
das Buch ist einfach Klasse und spricht mir aus dem Herzen.
Mein Unwohlsein an diesem Staat nimmt mit jeder Woche,jeder neuen Lüge, jedem aus meinem Freundeskreis der in das soziale “Nichts” abstützt zu. Das Dilemma aber ist, dass man keiner Partei vertraut und eine Änderung der Gesellschaft (die auch meiner Meinung nach wie ganz Europa faschistoide Tendenzen bekommt) bei diesem Millionenheer von dumpen Konsumenten nicht möglich ist!
Gerne würde ich etwas tun,mich einbringen, aber wo?
“Gerne würde ich etwas tun,mich einbringen, aber wo?” [von: Peter Krauß]
Wie kann es sein, daß etliche Menschen helfen wollen - eine Partei, die etwas ändern will am System http://www.parteidernichtwaehler.de/ wurde nicht mal zugelassen in der tollen “Demokratie” Deutschlands - , viele wollen helfen, aber es gibt quasi keine Plattform?
Es müßte doch möglich sein, sofern man denn will, in jeder etwas größeren Stadt Demos zu organisieren, regelmäßiger als 2, 3 Mal im Jahr?! (Warum tun es die “linken” Parteien nicht, versuchen es nicht einmal?)
Hier müßte sich die “Linke” doch eigentlich freuen, sie müßte nur zugreifen und hätte massig Mitstreiter - oder will sie nicht wirklich? (Eigene Erfahrungen.)
“Untertänig” - ob dies, eine freiwillige Vermögensabgabe http://www.appell-vermoegensabgabe.de/index.php5?show=start unseren polit. Lenkern gefällt? Oder werden sie eher dafür gefeiert dies zu verhindern?
Aber - vielleicht wollen “wir Deutschen” ja auch gerne (fern)gelenkt werden: http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E1815E4508E23496898FDF0E28C039412~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Liebe Jutta Ditfurth,
ich bin immer wieder sehr dankbar, dass es nach wie vor Leute wie Dich gibt, die nicht aufgeben und sich zu Wort melden, die immer wieder aufrütteln…..
1. Guttenberg als Aufhänger zu benutzen ist in Ordnung. Doch jede weitere Auseinandersetzung mit diesem Conneau ist exakt ein Wort zu viel, weil Ausdruck von Laberkopfunkultur..
Womit wir bei der ersten Untugend wären, die dem deutschen Kleinbürger umgehend abzugewöhnen wäre: Das Jammern ohne wirklich zu leiden, das Lamento über sinnlose und unwichtige Funktionsträger eines zutiefst verfaulten und verkommenen Pig-Systems.
Damit meine ich nicht nur so manchen Foristen hier und anderswo ganz persönlich.
Ich finde vielmehr absolut ausnahmslos alle (Klein-)Bürgerseligkeiten schlichtweg zum Kotzen, die zu fast allem irgendeine MEINUNG, aber zu fast gar nichts eine konkret an TATEN messbare HALTUNG, ein konkret messbares VER-HALTEN haben…..
2. Auch dann, wenn Rudi Dutschke davor gewarnt hat, bei einer Rückschau niemals in Nostalgie zu verfallen, denke ich gerne an die Zeit zurück, als die Grünen noch ein offenes Experiment waren.
Das ist jetzt ein Vierteljahrhundert her. Es kursierten damals beispielsweise schwarze Listen, welche Produkte man nicht in Supermärkten kaufen soll, weil sie aus diktatorischen (→ Argentinien) oder rassistischen (→ Apartheid in Südafrika) Ländern stamm(t)en.
Was ich damit sagen will, ist mehrerlei:
a. Auch dann, wenn Kant zeitlos Recht hat mit seinen Ausführungen über Aufklärung, ist und bleibt es in der Praxis so, dass viele Menschen weder den Kopf, andere aber auch nicht die Zeit haben, sich ohne Leitung eines anderen ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Diese Leute brauchen „Führung“, auch wenn dies bedingt durch die deutsche Geschichte ein fürchterliches Wort ist, und sich mancher berechtigt dagegen sträubt.
b. Jemand müsste einmal ein oder mehrere Bücher darüber schreiben, deren Inhalt praktische Handlungsanleitungen sind, wie dem Kapitalismus zumindest der Betrieb deutlich erschwert werden kann: Nach sorgfältiger Theoriediskussion muss zwingend ein Umbrechen in die praktische Tat erfolgen – ansonsten sind abertausende Worte nicht nur auf der theoretischen Meta-Ebene völlig obsolet, wenn ihnen keinerlei Handlung bzw. MESSBARE HALTUNG folgt.
c. Es ist meine feste Überzeugung, dass der Kapitalismus früher oder später elendig zugrunde gehen wird, weil er einfach zuviele eingebaute Selbstmordmechanismen in sich birgt. Der Irrglaube, er sei beherrschbar, steht dem Irrglauben, die Atomenergie sei beherrschbar, in keinster Weise nach.
Die Faktoren, die wir Menschen dabei definitiv in der Hand haben, sind zwei:
Wir können weiter den Kopf abschalten und nichts tun, es also aussitzen – als Helmut-Kohl-Emulation mit Endlosschleife. Dann laufen wir Gefahr, dass uns das System irgendwann mal im Wortsinn umbringt.
Wir können aber auch den Untergang beschleunigen, wenn wir es definitiv wollen.
Der Mythos, um nicht zu sagen die Lüge der Beherrschbarkeit der Atomenergie bzw. des Kapitalismus durch Gesetze oder Regeln oder Vorschriften, wurde einzig und allein in die Welt gesetzt, um ein System, das mit höchster Dringlichkeitsstufe beseitigt werden muss, zu perpetuieren, anstatt es zu beseitigen.
d. Natürlich sind mir und anderen die unterschiedlichen Traditionen europäischer Länder wie Deutschland und Frankreich bene non ignotus.
Dennoch sollte man aber bei der Zuspitzung dieser Unterschiede nicht in Schwarzweissmalerei verfallen: Es ist OK, Kant als Produkt eines autoritären Staatenwesens darzustellen, es ist hingegen nicht in Ordnung, ihn als Erfüllungsgehilfen ebendieser reaktionären Verhältnisse zu beschmutzen.
Er kann nichts dafür, dass er zu Lebzeiten und danach mehrheitlich Zweibeiner um sich herum hatte, die seine Gedanklichkeit weder beherzigen noch verinnerlichen wollten. Diese Idioten gibt es zu jeder Zeit und in jeder Ordnung – sie sind einfach eine variable Störgrösse und sie sind präsent – mal stärker und mal schwächer, auch dann wenn es mir nicht passt!
e. Es gab hingegen auf deutschem Boden immer wieder Betriebsversuche, die herrschende obrigkeitsfürchtige Pest zu überwinden, doch es waren halt immer nur zuwenige Zweibeiner, die dies ernsthaft wollten. Insofern geht es nicht an, einen Eindruck erzeugen zu wollen, als hätte es diese Versuche nie gegeben….. Sie waren da, sie waren nur zu schwach….
f. „Bei Schaeffler und Porsche fielen Arbeiter ihren Kapitaleignern schluchzend um den Hals, anstatt sie zum Teufel zu jagen.“
Das ist mir zu oberflächlich, denn da steckt noch viel mehr drin:
f1. Nicht nur Kapitaleigner müssen zum Teufel gejagt werden, sondern auch die Gewerkschaftsführer, die ihren sie bezahlenden Arbeitern und Angestellten jahrzehntelang den Quatsch von
der Konfliktvermeidung durch „Sozialpartnerschaft“
der Konfliktvermeidung durch „Montanmitbestimmung“
der Konfliktvermeidung durch „tragfähige Kompromisse“
ins Gehirn uriniert haben.
f2. Ich habe auf „Montagsdemonstrationen“ Mitglieder einer vom Verfassungsschutz beobachteten trotzkistischen Organisation (→ RSB) kennengelernt, die nach mehrjährigem Gewerkschaftsausschluss in ihrer heutigen bürgerlichen Existenz Betriebsräte sind, die ihre Belegschaften dazu motivieren, durch Arbeitsniederlegungen eine Produktionsverlagerung zu verhindern.
Was mich daran so ärgert, ist nicht die Errungenschaft, hier mehrere hundert Leute zu einem gemeinsamen Tun zusammenzuschweissen – das finde ich vom Grundsatz her positiv.
Das geschickte Kanalisieren der Bittstellerrolle, doch bitte gnädigerweise weiterhin fremdbestimmmt ausgebeutet werden zu dürfen, die Hochhebung ebendieser kanalisierten Bittstellerrolle zum Hohepriestertum unter tatkräftiger „linker“ (was immer das in der Praxis bedeutet) Mithilfe befremdet hingegen über Gebühr. Auch solche Seelenverkäufer müssen weg, ohne Pardon!
f3. In Günter Wallraffs Buch „Von einem, der auszog und das Fürchten lernte“ ist ein Beispiel beschrieben, wie Arbeiter ihre Sache selbst in die Hand nehmen, und so einen bankrotten Betrieb in ein Kollektiv verwandeln: Es geht also, es ist konkret machbar. Nur wurde davon zu selten Gebrauch gemacht, und das Wissen um diese Möglichkeiten ist in Vergessenheit geraten bzw. es wird nicht oder nicht mehr überliefert, weil sich die Verbreitung dieses Buches für den Verlag nicht mehr rentiert (→ Kapitalismus).
3. In den Wortbeiträgen sind die Montagsdemos erwähnt. Ich halte nichts mehr von menschlichen Kerzenständern, die „Betroffenheit“ säuseln und hauchen, und ich halte nichts mehr von „friedvollen“ Plakatstatuen mit menschlichem Antlitz, und ich halte nichts mehr von „friedvollen“ Latsch- und Spaziergangdemos.
Das ist phantasieloser methodischer Sperrmüll, der null Wirkung zeigt und dem Einzelnen nichts mehr abverlangt. Blödsinn also, reine Zeitverschwendung.
Wovon ich sehr viel halte, sind Aktivitäten, in denen etwas getan und gleichzeitig etwas vermittelt wird:
1.Die Knastsprengung von Weiterstadt ist schon erwähnt worden.
2.Die Eier auf Lafontaine auf dem Frankfurter Römer im März dieses Jahres waren ein sehr guter Einfall, um die Heuchelei und Lüge dieses Herrn auf den Punkt zu bringen.
3.Die Formen der anarchistischen Aktion (sich sternförmig treffen, mit dem Überraschungsmoment auf seiner Seite kurz aber heftig zuschlagen, um gleich darauf wieder sternförmig zu verschwinden) finde ich schwer in Ordnung. Man braucht die richtigen Leute dazu, sonst geht sowas daneben.
4.Christian Klars Grussbotschaft an die Rosa-Luxemburg-Konferenz hat mir sehr gut gefallen, obwohl hier die praktische Ebene fehlt – wer im Knast sitzt, kann schlecht handlungstechnisch gestalten.
4. Viele mir bekannte Leute, die sich dem „linken“ Spektrum zuordnen, sind nicht nur dumm, irgendwie oder irgendwo geistig oder sonstwie hängengeblieben, sondern sie sind vor allen Dingen eines: (Dumm-)Schwätzer, die sich selbst gerne reden hören.
Angenommen, es wäre technisch und handlungsorientiert möglich, den Kapitalismus morgen zu stürzen: Wer bitte von denen, die gleich einer Motte um das Licht so gerne um dieses Thema kreisen, hat sich denn jemals die folgende Frage gestellt: WAS KOMMT DANACH!
Es ist mir nicht nur zu billig, zu platt oder zu defätistisch, im Blick auf deutsche Verhältnisse immer nur blökend „Faschismus“ zu setzen. Ich habe einzig und allein zu kritisieren, dass diese Frage erst gar nicht gestellt wird.
Psychologisch heisst das für nicht wenige: Wenn ich aus dem Hier und Jetzt in etwas völlig Neues eintauche, ohne auch nur im Geringsten auf die praktische Ausgestaltung des „Neuen“, des „Danach“ also, vorbereitet worden zu sein, ist die Angst vor exakt dem, was hier als „neu“ wahrgenommen wird, mehr als berechtigt. Angst kann man den Leuten aber nehmen, wenn man weiss wie….
5. Es erscheint mir zu platt und zu leichtfüssig, den deutschen Bürgerseligkeiten immer nur zu unterstellen, sie wollten erst gar keine Veränderung der Verhältnisse, und zögen es deshalb vor, im Passivkonsum langsam zu verblöden. Unzweifelhaft ist dies eine Folgewirkung des alltäglichen Kapitalismus im Normalbetrieb.
Dass viele von denen faularschig und bequem sind, steht für mich ebenso ausser Zweifel wie die Feststellung, dass viele einfach nur dumm und hohl sind.
Vielen anderen aber, so behaupte ich mal, fehlt die geistige Nahrung, im weitesten Sinne die Utopie, auf die sie sich freuen dürfen, wenn sie denn dazu antreten sollen, die herrschenden Verhältnisse zu beseitigen.
Das „Was Kommt Danach“ muss also konkret bildhaft vorstellbar sein, und mit einem Gefühl der (Vor-)Freude verbunden sein. Ohne diese erfüllte Voraussetzung wird sich garantiert keine „Masse“ gegen die existierenden Verhältnisse erheben. Beispiel: Während der französischen Revolution ist „Le Peuple“ eben nicht mit heruntergezogener Fratze (etwas typisch Deutsches!) auf die Barrikaden gestiegen, sondern mit einem Ausdruck der freudigen Erwartung im Gesicht und im Herzen. Und die “Declaration des Droits de l’Homme”, die Erklärung der Menschenrechte, sieht aus heutiger Sicht zwar historisch im Zeitfenster wie eine direkte Folgewirkung der französischen Revolution aus. Das Wissen um das, was da drin steht, ist bzw. war zu diesem Zeitpunkt schon wesentlich älter. Dies bedeutet: Die Leute, die seinerzeit auf die Barrikaden gingen, hatten den Inhalt der Menschenrechte bereits deutlich vor Augen, zumindest teilweise oder in Bruchstücken. Sie hatten also eine konkrete Vorstellung von dem, was danach kommt, vor Augen, und wussten so, worauf sie sich zu freuen haben, wenn die Fürsten von den Thronen geholt wurden….
Anders ausgedrückt: Wenn ich aus den existierenden Verhältnissen tatsächlich heraus will, brauche ich ein konkret antizipierbares und bildhaft vorstellbares Ziel, WOHIN ich will. Es kommt hierbei auch weniger darauf an, wo oder in welchem Lager ich gerade stehe. Es ist hingegen weitaus wichtiger, zu wissen, in welche Richtung ich mich bewege, wo ich also hin will, welches Ziel ich also konkret vor Augen habe, von dem ich ein konkretes Bild habe, auf das ich mich freuen darf.
Wenn auch diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, kommt es einem Ausdruck nackter Dummheit gleich, sich auch nur eine Sekunde über den Umstand zu ärgern, dass niemand seinen Arsch heben will und wirklich anpacken will.
Ich kenne da so ein Musikstück von den Ton Steine Scherben. Es heisst: „Aus dem Weg, Kapitalisten, die letzte Schlacht gewinnen wir.“
Das Stück stammt von 1972, von der Platte: „Keine Macht Für Niemand“.
Die Naivität, die diesen Zeilen zugrunde liegt, fällt mir heutzutage in ernüchternder und manchmal auch höchst deprimierender Form immer öfter auf die Füsse. Das liegt an meiner veränderten heutigen Bewusstseinshaltung, einer weitestgehenden Nüchternheit, die viel mit dem Lebensalter zu tun hat.
An der historischen Richtigkeit der Feststellung, dass uns die letzte und entscheidende Schlacht noch bevor steht, habe ich hingegen nicht den geringsten Zweifel.
Liebe Jutta Ditfurth,
ich wohne im Grossraum Rhein-Neckar, und würde Dich hier sehr gerne mal zu einer Lesung begrüssen….
In diesem Sinne
P. S.: Ich liebe übrigens geradezu frenetisch Auftritte der Linkspartei mit Gregor Gysi als Stargast, wenn er dann irgendein Geschwafel von „Ökologie“ auf die Wahlplakate pinseln lässt, zu seinem Starauftritt hingegen mit 2 (!) Mercedes-Limousinen der spritfressenden Extra-Dreckschleuderklasse erscheint: In einer sitzt er selbst drin, und die andere fährt leer mit für den Fall, dass die erste ausfällt. Wir lernen: Dieser beste aller denkbaren Kapitalismusberater ist ein unglaublich wichtiger Mann: Tobin-Tax für Alle!
Und: Der „Stern der Unterdrückung“ (→ Daimler-Benz) hat zumindest technisch offensichtlich seinen Zenit überschritten…
Der absolute Kulminationspunkt wird unschwer erreicht, wenn dieser etwas zu kurz geratene, neuerdings am Gehirn operierte Knirps (in Fachkreisen profunder Kenner der Physiognomie auch „laufender Meter“ genannt), dann realsatirisches Kabarett betreibt, ohne Eintritt zu verlangen, ohne seinen Zuhörern etwas abzuverlangen, und so die Passivkonsumbedürfnisse des deutschen Spiessers aufs Beste zu saturieren…
HSK schreibt am 18. August 2009 um 18:50 Uhr “Wie kann es sein, daß etliche Menschen helfen wollen - eine Partei, die etwas ändern will am System” http://www.parteidernichtwaehler.de/ (”Wir fordern die Einführung von Volksbegehren und Volksabstimmungen auch auf Bundesebene.”)
Hm, will die Partei der Nichtwähler das kapitalistische System abschaffen, oder das “Raubtierkapitalismus” nur zähmen HSK? Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, bevor im Kapitalismus soziale Gerechtigkeit geben wird!
„Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will …“ – diese berühmten Verse aus einem alten Lied der Arbeiterbewegung, muss mit Leben erfüllt werden, wenn wir nicht verarmen wollen!
Ich begrüße es daher sehr, dass auf dem Stimmzettel für die Wahl zum Deutschen Bundestag am 27. September 2009 http://www.onlinewahlen.com/ auch eine Partei für die sozialistische Alternative angekreuzt werden kann. Übrigens, diese Partei unterstützt seit 5 Jahren, ohne wenn und aber die Montagsdemonstrationen. Die Montagdemonstrationen werden von einen breiten überparteilichen, gleichberechtigten Bündnis auf der Basis des Kampfes gegen Hartz IV und Agenda 2010 getragen.
Mit solidarischen Grüßen
Stefano
Stefano,
ich teile mit Dir zwei Sehnsüchte und Leidenschaften:
a. Auch ich wünsche mir Generalstreiks nach französischem Vorbild, auch dann, wenn sie bei uns ungesetzlich sein sollten
b. Auch ich mag traditionelle Arbeiterlieder, nicht nur das von Dir zitierte „Bet und Arbeit“, sondern auch viele andere….. Dies auch dann, wenn wir nicht mehr in einer Arbeitsgesellschaft leben, wie Du unschwer hier http://209.85.129.132/search?q=cache:gAMco5LxHe0J:www.attac-ffm.de/x_docs/Gorz-Referat.doc+Andre+Gorz+Arbeit+zwischen+Misere+und+Utopie&cd=18&hl=de&ct=clnk&gl=de und hier http://5-stunden-woche.de/ nachlesen kannst. Mit beiden Denkansätzen hat die traditionelle Linke, wie Du sie in den bürgerlichen Parteien vorfindest (DKP, MLPD, RSB, Linkspartei, im weitesten Sinne auch SPD), ein riesiges Problem, was beweist, wie sehr verfault, verwest und zutiefst reaktionär sie ist.
Ich persönlich stehe mehr auf gesellschaftliche Kräfte, welche die Augen und die Nase nach vorne richten (und zwar auf einer soliden philosophischen und politischen Grundlage), und weniger auf solche, die im eigenen reaktionären und oftmals strohdummen Saft schwimmen.
Nimm es mir bitte in keinem Fall persönlich, wenn ich Dir eingestehen muss, dass mich Deine Draufsicht auf die Montagsdemos und im Besonderen die Rolle der MLPD zutiefst erschrecken.
Du machst genau den gleichen Fehler, den viele andere auch machen, und den ich jahrelang selbst gemacht habe: Dir irgendeine Stellvertreterbande suchen, und der hinten drein springen. Anstatt selbst zu denken…..
Was ist aus meiner heutigen Sicht an Deiner Sichtweise falsch?
„……auch eine Partei für die sozialistische Alternative angekreuzt werden kann. Übrigens, diese Partei unterstützt seit 5 Jahren, ohne wenn und aber die Montagsdemonstrationen.“
Von „Unterstützung“ kann nicht im Geringsten die Rede sein.
Sämtliche bürgerlichen Parteien (→ MLPD, RSB, und damals auch die neu entstehende WASG, die zwischenzeitlich „Linkspartei“ heisst) haben seit 2004 systematisch versucht, die Montagsdemos für ihre parteipolitischen Zwecke zu instrumentalisieren und zu missbrauchen. Wir haben dann in einer Kleingruppe von Hartz-4-Empfängern versucht, eigenständige selbständige Aktionen zu planen und durchzuführen, an deren Planungstermin die der MLPD nahestehenden Arbeitslosen niemals dabei waren, während sie am Aktionstag selbst dann plötzlich auftauchten, und somit direkt daran beteiligt waren, alles sorgfältig vorbereitete schlichtweg kaputtzumachen. Wenn ich etwas auf den Tod nicht ausstehen kann, dann sind es dumme, disziplinlose Vollidioten – die versauen einem wirklich absolut alles!
Ferner habe ich an den Planungsabenden wiederholt Streitereien zwischen verfeindeten RSB- und MLPD-Mitgliedern erleben müssen, so dass ich mir mehr als einmal wie ein Zaungast bzw. Statist vorgekommen bin. Daraus habe ich dann gelernt, mich von Möchtegern-Stellvertretern ein für allemal fernzuhalten, sie nicht mehr zu akzeptieren und sie auch nicht mehr zu tolerieren, d. h. Ihnen vollständig jegliche Existenzberechtigung und Grundlage ausnahmslos zu entziehen.
„Die Montagdemonstrationen werden von einen breiten überparteilichen, gleichberechtigten Bündnis auf der Basis des Kampfes gegen Hartz IV und Agenda 2010 getragen.“
Das ist rein gar nichts als Wahlpropaganda. Inwieweit das eine Lüge ist, habe ich bereits an Fakten bewiesen. Diese „Überparteilichkeit“ wäre dann glaubwürdig ernstzunehmen, wenn die Parteifahnen absolut tabu wären. Das ist in meiner Umgebung immer wieder eingefordert, aber niemals durchgeführt worden.
Die Partei MLPD bekennt sich stark zum traditionellen Stalinismus. Ich persönlich bin sehr froh, dass dieser Spuk auf europäischem Boden vorbei ist – er hat in der Geschichte genug Unheil angerichtet. Ebenso wie der Hitler-Faschismus!
Die Partei knechtet ihre Leute auch nach innen durch Verhaltensregeln, gegen die man nicht verstossen darf, weil der Verstoss ganz schnell zu einem Parteiausschluss führt.
Mit dem Prinzip „Emanzipation des Menschen“ hat exakt das, was die MLPD sowohl nach innen wie auch nach aussen praktiziert, nicht im Geringsten auch nur ansatzweise etwas gemeinsam.
Lieber Stefano, ich kann Menschen wie Dich nur bedauern, wenn sie es nicht schaffen und auch offensichtlich nicht schaffen wollen, über den Austausch einer brutalen Knechtschaft durch eine andere brutale Knechtschaft hinauszudenken. Solche Leute haben nichts begriffen. Und manche von denen wollen auch nichts begreifen – so scheint es.
Ich darf Dich deshalb höflichst bitten, deine Duftnoten von MLPD-Wahlwerbung hier in diesem Forum zu unterlassen.
Ich bin seinerzeit wegen meinen Aktivitäten kriminalisiert worden, was vermeidbar gewesen wäre, wenn es wirklich die Solidarität gegeben hätte, von der ich geträumt hatte und noch immer träume….
Ich habe diese alptraumartigen Ereignisse für mich abgehakt, ich habe mein Lehrgeld (Geldstrafe wegen angeblichem Hausfriedensbruch – kriminalisiert durch einen rechten Sozialdemokraten, es hätte aber ebenso einer von der MLPD oder den anderen sein können – das macht nicht den geringsten Unterschied, da ausnahmslos alle bürgerlichen Parteigruppierungen mit Worten fleissigst links blinken, aber immer dann, wenn es darauf ankommt, rechts abbiegen) dafür bezahlt, und ich hasse es wie die Pest und Cholera, an die Montagsdemos erinnert zu werden, und hier auch noch MLPD-Wahlwerbung ertragen zu müssen…
“Also unterlasse das bitte hier und sei einfach nur still hinsichtlich Wahlwerbung, OK????”
In diesem Sinne………..
Zu Kommentar 15:
Sehr geehrter Herr Ulrich Bartels,
aus Ihren Worten entnehme ich, dass sie gegenüber bestimmten Aktivitäten, noch immer keine Resistenz entwickelt haben. Ganz im Gegenteil, die Emotionen schwappen übe,r und darunter leidet Ihre eigene sachliche Argumentation.
Verschiedene linke Gruppen sind seit Jahrzehnten damit beschäftigt, sich gegenseitig zu instrumentalisieren. Ein Selbstzerfleischungsprozess, von dem reaktionäre, faschistische Entwicklungen leider profitiert haben. Diese linken Gruppierungen/Parteien waren mit sich selbst beschäftigt. Deswegen, sind viele Linke auch nicht mehr in der Lage, den rechten Gegner realistisch einzuschätzen und strategisch wird Zeit und Energie verschwendet. Die allgemeinen Umgangsformen im fortschrittlichen Spektrum dieser Gesellschaft, sollten ernsthaft überarbeitet werden. Wenn ich von „fortschrittlich“ spreche, dann weniger auf der Basis der Realität, als vielmehr im Zusammenhang, mit einer realistischen Hoffnung und Zielsetzung, welche Jutta Ditfurth in Zeit des Zorns formuliert hat.
Auf der Rosa-Luxemburg-Demonstration 2009, erlebte ich eine Begebenheit, die mir in diesem Zusammenhang wichtig erscheint:
Eine 15-jährige Schülerin hatte mit einigen Schulfreunden, ein mehrseitiges Schriftstück erstellt. Eine linke Zeitung, mit Inhalten aus der Sicht von Schülern. Marx, Engels und Themen, welche Schüler für wichtig halten. Weil die anderen keine Zeit hatten, ist sie ganz alleine auf die Demo gegangen, um die Zeitung unter die Leute zu bringen.
Ich freue mich über solche Aktivitäten. In der geistigen Tiefebene Deutschlands, ist soetwas ein Lichtblick.
Die Demonstration war noch nicht gestartet, und kurze Zeit, nachdem ich mit der Schülerin gesprochen hatte, sah ich, wie drei Aktivisten, von drei, sonst nicht miteinander redenden Parteien, sich vor der Schülerin aufgebaut hatten und ihr klar machten, was alles an ihrer Zeitung falsch ist.
Nachdem die Schülerin mutig gegen die drei Politprofis argumentiert hatte, blickte sie zu mir herüber, und es war eine Aufforderung ihr zu helfen. Hier ging es nicht um eine sinnvolle Diskussion, und deswegen war meine Wortwahl, gegenüber den drei Kadern nicht viel anders, als die, welche sie auch gegenüber Stefano verwendet haben.
Kurz, bevor die Demonstration begann, hat die Schülerin mir noch erzählt, dass die drei Kader, die linke Schülerzeitung noch nicht einmal gelesen hatten. Sie sind einfach an ein paar Bildern und Überschriften hängengeblieben und haben dann losgelegt. Wenn der Gegner klein genug ist, dann bilden sie sogar eine Front.
Herr Bartels, ich leite daraus ab: Es gibt junge Menschen, die politisch aktiv sein wollen und es auch schon sind. Sie erwarten von uns, dass wir unseren eigenen Frust überwinden, damit wir den jungen Menschen mit unseren Erfahrungen im Kampf gegen den Faschismus helfen. Gerade junge Menschen haben die Fähigkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dafür benötigen sie aber Informationen, die sie nicht aus den Medien erhalten.
Der rechte Gegner formiert sich weiter. Soll sich eine fünfzehnjährige Schülerin, allein gegen die reaktionären Kräfte stellen? Ich weiß, sie würde es tun.
Meine Empfehlung:
Formulieren Sie ihre Erfahrungen und Ansichten so, dass Schüler etwas damit anfangen können. Überwinden Sie ihren Hass, und finden Sie einen Adressaten, der sie aufbaut. Ich meine dies
Im positiven Sinne.
Frank Polakowski, Berlin
Weder Herr Bartels noch Herr Polakowski und auch nicht Frau Ditfurth haben irgendwo in ihren Veröffentlichungen auch nur ansatzweise das DANACH konkret fassen können. Herr Bartels empört sich zurecht darüber, dass die Frage gar nicht erst gestellt wird. Diese Art der Kritik nenne ich dennoch destruktiv. Dann soll er doch ein tragfähiges Programm schreiben, das es wert ist, dafür auf die Straße zu gehen und für seine Verwirklichung zu kämpfen. Nein, er kommt über das Niveau des Geiferns nicht hinaus, auch wenn er durchaus treffend die beklagenswerte Situation beschreibt.
Wer ist in der Lage die anzustrebenden Ziele so zu formulieren, dass tatsächlich Massen mobilisiert werden können. Mit Verlaub, in “Zeit des Zorns” habe ich wenig Neues erfahren. Es liegt ein Unzahl von Veröffentlichungen zur Kritik am heutigen Kapitalismus vor, ohne freilich die wissenschaftliche Tiefe des Kapitals von Marx erreicht zu haben.
Sollte eine Partei oder Gruppierung jemals ein Programm veröffentlichen, mit dem wir uns identifizieren könnten, dann sollten wir uns alle daran beteiligen, dafür zu kämpfen, meinetwegen auch mit konstruktiver, nicht zerstörerischer Kritik, wie es vielen Linken zur Zeit eigen ist.
Warum um Himmelswillen kann das Kommunistische Manifest nicht als Richtschnur für eine den heutigen Erfordernissen entsprechenden Handlungsorientierung dienen!
Ist Begriff Kommunismus derart diskriminiert, von den bürgerlichen Medien erfolgreich verunglimpft und in der ersten Erscheinungsform als realer Sozialismus kläglich gescheitert, dass man allein bei seiner Erwähnung Gefahr läuft, sich die Krätze an den Hals zu holen?
Ich empfehle allen, die das Kommunistische Manifest nicht kennen und jenen, die es vor Jahrzehnten letztmalig gelesen haben, sich damit zu befassen.
Es rüttelt auf!
Versuch zweier Antworten
@Herrn Polakowski:
„aus Ihren Worten entnehme ich, dass sie gegenüber bestimmten Aktivitäten, noch immer keine Resistenz entwickelt haben.“
Resistenz entwickeln heisst unsensibel werden – das kann nicht mein Ziel sein. Schliesslich werfe ich ja vielen Linken mit subtiler Wortwahl vor, dass sie über Gebühr unsensibel sind, dass sie Schwätzer sind, und dass sie nicht da sind, wenn man sie braucht.
„Formulieren Sie ihre Erfahrungen und Ansichten so, dass Schüler etwas damit anfangen können.“
Das versuche ich, und für den Fall des Nichtverstehens ist ja ein Forum (auch) da.
@ Herrn Frank:
„Herr Bartels empört sich zurecht darüber, dass die Frage gar nicht erst gestellt wird. Diese Art der Kritik nenne ich dennoch destruktiv.“
Grober Unfug! Sie wollen Fertigbreiantworten – ich bediene das nicht – und das empört Sie!
„Wer ist in der Lage die anzustrebenden Ziele so zu formulieren, dass tatsächlich Massen mobilisiert werden können.“
Schon der Gedanke, „Massen zu mobilisieren“, dazu noch als Einzelleistung über ein Programm, gehört als halluzinativer Traum schleunigst in den Abfalleimer, weil er Quatsch ist.
„Es liegt ein Unzahl von Veröffentlichungen zur Kritik am heutigen Kapitalismus vor, ohne freilich die wissenschaftliche Tiefe des Kapitals von Marx erreicht zu haben.“
Völlig richtig! Aber anstatt hier so einen Unsinn zu texten, sollten Sie sich genügend Zeit nehmen, mal darüber nachzudenken, WARUM das so ist (kleiner Hinweis: die Ursache(n) ist / sind mehrdimensional, also nicht einfach erfassbar.
„Warum um Himmelswillen kann das Kommunistische Manifest nicht als Richtschnur für eine den heutigen Erfordernissen entsprechenden Handlungsorientierung dienen!“
Das ist zwar von Ihnen als rhethorische Frage formuliert – dennoch gibt es aus meiner Sicht darauf mindestens 2 Antworten.
1.Zum einen laufen seit geraumer Zeit nicht unerhebliche Bemühungen, die jüngste Geschichte allgemein, sowie die „linken“ Teile aus ihr umzuschreiben, bis nur noch eine Fragmentierung und falsche Draufsicht / Beschreibung übrigbleibt, die den Eindruck vermittelt, das Aufbegehren 1967 / 68 beispielsweise hätte niemals stattgefunden. Nicht nur das beschriebene Manifest, sondern schlichtweg alles, was um es herum passierte, soll somit zum x-ten Male begraben werden, ungeschehen gemacht werden.
2.Ich bin kein profunder Kenner des kommunistischen Manifestes, würde mich aber sehr darüber freuen, wenn es in meiner Region beispielsweise eine MASCH (marxistische Abendschule) geben würde – also eine Art regelmässigen Lese- und Diskussionskreis, der nicht aus Modeprolls, Dummschwätzern und Möchtegerns besteht, sondern von Leuten geleitet wird, die wissenschaftliche Fundierung haben.
3.Gäbe es so einen Kreis, wäre es beispielsweise auch dessen Aufgabe, zu analysieren, welche Bestandteile des Manifests bzw. des „Kapitals“ heute überhaupt noch gültig sind, und welche nicht. Deshalb sprach ich von wissenschaftlicher Fundiertheit anstatt von einem Schwätzerclub aus Feierabendbetriebsräten, die sich nur gegenseitig aufgeilen, dass man glauben könnte, morgen früh um 10 Uhr pünktlich kommt die Revolution. (Sie mögen lachen bei dem Gedanken – ich aber sage Ihnen: Ich habe das alles schon erlebt, und ich habe keinen Bock mehr auf diese Leute!).
4.Definitiv ist die Kenntnis von Kapital und Manifest bewusstseinserweiternd, ohne Zweifel. Nur:
a. Diese Werke sind schwierig zu lesen, weswegen man das im Kreise von Erfahrenen tun sollte.
b. Beide taugen nicht als alleinseligmachender Gebetbuchersatz.
c. Es ist kein Fehler, sich bei den Psychoanlytikern ein bisschen auszukennen.
d. Es ist kein Fehler, sich bei den Philosophen ein bisschen auszukennen.
e. Wer was ändern will, braucht dafür keine Partei, gleichwohl, ob er / sie nun Anarchist ist oder nicht. Parteien sind in erster Linie kompromittierende und transformierende Sozialisationsinstanzen – ihr Output ist verglichen mit dem Kraftaufwand einfach viel zu gering.
P. S.: Dass ich nicht „destruktiv“ bin, können Sie gerne in Beitrag Nummer 14 im Telekom-Blog nachlesen.
Zum Kommentar 17:
Sehr geehrter Herr Wofgang Frank,
in diesem Blog wil ich nicht die Ebene des wissenschaftlichen Marxismus aufzuspannen. Wenn Sie der Auffassung sind, dass das Kommunistische Manifest ausreicht, um Menschen aufzurütteln, dann ist dies eine konkrete Aufgabe. Probieren sie es aus. Es sind immer noch genügend Menschen da, die noch nicht links orientiert sind.
Richten Sie ihre Argumentation in die Richtung der reaktionären Kräfte. Wenn Jutta Ditfurth darauf hinweist, dass „wir alles selbst tun müssen“, dann interpretiere ich das so, dass wir aktiv werden müssen und uns von bestimmten Erwartungshaltungen lösen. Es wird also kein Führer geben, der uns an die Hand nimmt und uns ins gelobte Land führt. Es wird kein Führer existieren, dem wir hirnlos nachlaufen. Auch wird kein Programm existieren, welches die Massen mobilisiert. Nicht der Text ist entscheidend, sondern die negativen Erfahrungen aus der Unterdrückung durch das kapitalistische System.
Was Marx anbelangt, so ist es wichtig, dass verhindert werden muss, dass sein Name, sowie seine Gedanken durch die reaktionären Kräfte ausgelöscht werden. Deshalb besteht die dringende Notwendigkeit, dass Menschen wie sie, den wissenschaftlichen Marxismus erhalten und weiterentwickeln. Insbesondere, was die Frage des DANACHS anbelangt.
Wir sind hier erst einmal dabei, die Realitäten zu erfassen. Unsere Empörung, über die Gegenwart im Merkel-Deutschland zum Ausdruck zu bringen. Also freie Meinungsäußerung. Marx hätte nichts dagegen. Warum nur eine Front gegen die Reaktion? Beziehen sie einige neue Enticklungen, mit einer etwas anderen Bewertung ein, dann haben sie weniger Widerspüche, um daraus eine conterrevlutionäre Spaltung abzuleiten.
Lösen sie sich von der Erwartungshaltung, dass die Anderen schreiben, wie das DANCH aussieht. Marx hat seine Worte gefunden. Aber es wäre doch möglich, dass sie in ihren eigenen Worten beschreiben, wie das DANACH, für sie aussehen soll. Was geschieht mit den Banken? Wird es Geld geben? Was wird aus Menschen, wie Gutenberg? Welche Wünsche haben sie, an die neue Gesellschaft?
In der Gegenwart sind gerade junge Menschen, nicht mit der Sprache und der Logik von Karl Marx vertraut. Viele wollen gar nicht lesen, sondern gleich handeln. Einfach nur deshalb, weil sie genug Müll erlebt haben und nicht als Resultat einer cognitiven Erlebniswelt.
Für mich, Herr Frank, wäre es schon sinnvoll, wenn sie akzeptieren könnten, das Zeit des Zorns“, auf einer ganz anderen Ebene anzusiedeln ist, als der wissenschaftliche Marxismus. „Zeit des Zorns“ richtet sich mit der Sprache und den Inhalten an eine Zielgruppe, welche diese Sprache verstehen kann. So sind die Erfahrungen, Begebenheiten und Erlebnisse beschrieben, welche von jungen Menschen beim G8-Gipfel erlebt wurden. Das schafft eine Brücke, weil die Gegenwart einbezogen wird. Die Generationen dürfen nicht im Kampf gegen den Faschismus auseinander dividiert werden. Obwohl vieles schon beschrieben wurde, müssen die Erfahrungen immer wieder aufs neue gemacht werden. Wer die Lügen der Gegewart und der Vergangenheit erkannt hat, ist schon auf dem Weg der Besserung. An diesem Punkt sind wir. Und das passt doch zum Thema dieses Blogs, oder?
Frank Polakowski, Berlin
Sehr geehrter Herr Bartels, sehr geehrter Herr Polakowski
ich beteilige mich erstmalig als 68-Jähriger an einem Blog, und ich wollte ein wenig provozieren. Das ist mir offensichtlich gelungen, und ich freue mich darüber, dass wir in Marx einen gemeinsamen Verbündeten haben. Das ist doch schon einmal eine Basis!
Im März dieses Jahres war ich auf dem Attac-Kapitalismuskongress mit gedämpften Erwartungen eher nur neugierig darauf, wie in der heutigen Zeit argumentiert wird, ob es eine adäquate Reaktion auf die skandalösen Vorgänge in der kapitalistischen Welt gibt. Dabei registrierte ich zum einen den erfreulich hohen Anteil junger Menschen, und zum anderen beeindruckte mich die Leidenschaft und die hohe Erwartungshaltung der Teilnehmer.
Über allem stand der Wille der Menge zu Veränderungen, nicht nur das Anprangern der gegenwärtigen Zustände.
Analysen, die klarer und anklagender nicht sein konnten, aber das “Wie den Kapitalismus ablösen”, welche Eigentumsverhältnisse sind wie und wann zu verändern, blieb weitgehend nebulös.
Frank Bsirske beispielsweise nahm als Politprofi mit sicherem Instinkt die durchaus revolutionäre Stimmung im Saal auf und ließ sich dann doch auf konkretere Einlassungen zu den Eigentumsverhältnissen ein, indem er forderte, das Eigentum an Produktionsmitteln in den Kommunen zu lassen bzw. es zurückzuholen.
Für diese Äußerung erntete er tosenden Beifall.
Der Dreh-und Angelpunkt wird der Umgang mit dem Eigentum an Produktionsmitteln sein müssen, der Quelle allen Übels, wie wir von Marx gelernt haben.
In den Diskussionsrunden haben die beeindruckend vielen theoretisch beschlagenen Teilnehmer begierig die Vorstellungen der anderen aufgenommen.
Wir kommen auch nicht um die marx´sche Erkenntnis herum, dass eine Idee erst dann zur revolutionären Gewalt wird, wenn sie die Massen ergreift, so gut Einzelaktionen auch sein mögen. Es ist keine Phrase, sondern eine aus den Kämpfen der Generationen vor uns gezogene Lehre.
Ich will mich keinesfalls in die Position des Belehrens begeben, sondern ich bin erpicht darauf zu lernen. Mir fällt in unserem Blog auf, dass Ost-und Westlnke unterschiedliche Sichtweisen auf gesellschaftliche Zusammenhänge aufweisen.
Wir müssen voneinander lernen.
Wenn wir uns dabei gegenseitig beschimpfen, wird unsere Bereitschaft dazu eingeschränkt sein.
Ich bin ein Ostlinker, in keiner Partei.
Meine Erfahrungen haben mich gelehrt, dass wir in unserem Leben ganz gerne Orientierungspunkte und eine Richtschnur für unser Handeln haben wollen. Dazu braucht es wahrlich keinen Führer, der uns an die Hand nimmt.
Ich bin aber der festen Überzeugung, dass uns Ideale, wie auch immer zustande gekommen, motivieren aktiv zu sein oder zu werden. Die verinnerlichten Ideale mit anderen Menschen abzugleichen, sich zu konkretem Handeln zu verständigen und ständig zu hinterfragen, muss in einem größeren Rahmen geschehen, um auch die Gewissheit des richtigen Standpunktes zu erreichen.
Ohne theoretische Grundlagen wird es nicht gehen können.
Es sind viele Jugendliche dabei, darunter meine Enkel, sich umfangreiches Wissen zu revolutionärer Theorie und Praxis anzueignen. Den Eindruck habe ich während einer Reihe von Demonstrationen in Berlin gewonnen und vertiefen können. Dieser beträchtlich große Teil der Jugend klagt nicht nur an, sondern er formuliert klare Ziele, auch wenn es mitunter utopische sind.
Herr Bartes, im Beitrag N. 14 waren Sie überaus konstruktiv. Da kennen Sie sich aus, dass es einem bei so viel fundierten Kenntnissen schwindlig werden könnte. Da haben Sie Fertigbreiantworten, weil sie unumstößlich sind. Mir geht es jedoch nicht um Fertigbreiantworten.
Ich möchte nur eine von gegenseitigem Respekt zeugende Diskussion und das Bemühen um eine konstruktive Kritik, was linke Positionen betrifft. Das ist mein Anliegen.
Das Buch von Daniela Dahn “Wehe dem Sieger!”ist sehr zu empfehlen.
Sie schlägt am Schluss einen linken Fernsehsender vor, der international agieren sollte.
Ob das überhaupt machbar ist, weiß ich nicht.
Irgendwer sollte die Linken irgendwann zusammenführen können!
Noch wichtiger ist m.E. die anschauliche Schilderung der Befindlichkeit der Ostlinken, ohne verächtliche Äußerungen über andere Linke!
Ihre Meinung dazu erwarte ich mit großem Interesse.
Nachtrag:
Es ist meiner Unerfahrenheit, in einem Blog zu schreiben geschuldet, die Hauptsache zu erwähnen, der Grund dafür, mich erstmalig mit einem Kommentar zu beteiligen.
Der Beitrag Guttenberg von Jutta Ditfurth hat mich begeistert. Sie hat auf den Punkt gebracht, wie es mit dem deutschen Untertan beschaffen ist.
Immer noch behaglich überdurchschnittlich eingerichtet im kapitalistischem System, nicht daran denkend, dass sein hoher Konsumstandard ( nicht der Lebensstandard) auch auf Kosten von Fleiß, Schweiß und Blut anderer Völker gespeist wird, sich nicht für Politik interessierend das Leben genießen.
Es steht zu befürchten, dass die Menschheit ohne verheerende Katastrophe nicht zur Vernunft kommt.
Angesichts der noch katastrophaleren Aussichten, die der Weltbevölkerung drohen, muss und wird es eine an geballter Kraft gewinnende linke Bewegung geben.
In etwa 50 Jahren wird die Weltbevölkerung auf 9 Milliarden Menschen angewachsen sein. Sie alle wollen nicht in Hunger und Elend leben.
Deshalb sollten wir alle gegen die kapitalistischen Produktionsverhältnisse gerichteten Aktivitäten unterstützen. Darum trete ich so vehement für die Zusammenführung aller wahrhaft linken Kräfte ein. Scheinheiligkeit ist dagegen mit aller Schärfe zu bekämpfen.
Oh Herr Frank,
schlimm, was ich da von Ihnen zu lesen bekomme, aber ich möchte versuchen, konstruktiv darauf zu antworten…
Attac-Kapitalismuskongress: Schon das Wort ist furchtbar!
Von ATTAC halte ich genauso viel wie von der Linkspartei. Warum?
BEIDE sind Erfindungen des Establishments, die einzig und allein den Zweck haben, dem legitimen Protest die Spitze abzuschneiden, den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Sieht die Politprofiseite (Beispiel: Lafontaine, Geissler, Bsirske…. und wie sie alle sonst noch heissen) darin eine willkommene Institution zur Steigerung der Publicitywerte, so sieht die Rezeptorenseite darin nichts weiter als eine Art Übungsinstitution, die „repräsentative Demokratie“ (also das „Aus-Der-Hand-Geben-Von-Macht“) einzuüben bzw., salopp gesagt, sich im Schwätzen und Nichtstun zu üben.
So kann das nichts werden…..
„Irgendwer sollte die Linken irgendwann zusammenführen können!“
Wäre ich jetzt zynisch, dann würde ich antworten: „Warum regen Sie sich denn so auf, es gibt doch Oskar Lafontaine! Der ist a. ein wahrhaftiger Linker (wohnhaft in einem echten „Palast der sozialen Gerechtigkeit“), und b. führt der doch alles zusammen, was zusammengehört.
Also warum in aller Welt selbst bemühen – „Oskar wählen“ reicht doch vollständig aus!
Spass beiseite: Sie ahnen worauf ich hinauswill?
a. Das Hinausdenken vielleicht, aber das Hinausagieren über die Grenzen der „Stellvertreterdemokratie“ hinaus ist bei Minderheiten peripher vorhanden, jedoch weitestgehend nicht ausgeprägt.
b. Das Wort „Irgendwer“ suggeriert irgendeinen „Führer“ oder „Wortführer“. Ich bin aber der Meinung, dass es ohne so einen gehen muss.
c. Selbst wenn es möglich wäre, etwas Schlagkräftiges auf die Beine zu stellen, was a. Führerfrei und b. von Leuten durchsetzt wäre, die ihre Sache selbst in die Hand nehmen, anstatt immer nur zu delegieren, wäre es schwierig, die wichtigste Kontinuitätslinie zu durchbrechen: die Tatsache nämlich, dass keine noch wie immer benamste Bewegung länger „jungfräulich“ bleibt, sondern Ruck-Zuck vom VS oder von anderen Rechten unterwandert wird.
Schauen Sie sich die Grünen an, schauen Sie sich die PDS / Linkspartei an, schauen Sie sich die RAF an, schauen Sie sich die 68er an: Es läuft immer nach dem gleichen Drehbuch……
„Wir kommen auch nicht um die Marx´sche Erkenntnis herum, dass eine Idee erst dann zur revolutionären Gewalt wird, wenn sie die Massen ergreift, so gut Einzelaktionen auch sein mögen.“
Ja bitte wie denn ergreift eine Idee die Massen? Und welche Idee bitte?
„Jedem sein Privatauto, mit oder ohne Abwrackprämie?“ „Freie Fahrt für freie Bürger, bis die Erde mit CO2-Problemen so zurückschlägt, dass es uns als Spezies am Ende nicht mehr geben wird?“
Das ist so eine „Massenidee.“ Und die Grundidee, nämlich die Einführung der assembly line (Fliessband) bei Ford war tatsächlich revolutionär für damalige Verhältnisse….
Ich erwarte mit Spannung Ihre Antwort, um welche Idee es sich dabei handeln soll, und wie eine Idee die „Massen“ ergreifen soll. Sie wissen das bestimmt, davon bin ich felsenfest überzeugt….
P. S. 1: „Denn da ist immer wer, der bestimmt und regiert“ stammt aus dem Lied von Konstantin Wecker: „Es ist schon in Ordnung, dass jemand regiert.“
Daniela Dahn kenne ich vom „Bündnis gegen Bankenmacht“ aus Ffm. Ob dieses Bündnis noch existiert, weiss ich nicht. Pierre Bourdieu sagte damals wegen Herzproblemen ab, und ist mittlerweile verstorben, wie auch Andre Gorz. 2000 war es trotz aller richtigen Aussagen von Dahn , Czichon etc. nichts weiter als eine Showveranstaltung (das ist das, was Doktor Diether Dehm-Desoi eben am Besten kann – Shows veranstalten, Publicity aufbessern) mit Konstantin Wecker als Stargast.
P. S. 2: Sie sagten, Sie seien Ostdeutscher. Ich mag einen Kabarettisten aus Ostdeutschland, der eher unauffällig ist, und sich seine Brötchen sowohl als Kabarettist wie auch als Schauspieler verdient: Uwe Steimle.
Der sagte: „Es gibt in diesem Lande immer mehr Menschen, die zu allem zwar eine Meinung, aber zu rein gar nichts auch nur irgendeine Haltung haben.“
Das trifft’s.
Ganz kurz zu Kommentar 18:
Herr Bartels, leider verwechseln Sie Mimosenhaftigkeit mit Sensibilität. Dieser Ausbruch von Emotionen, ziehlt in eine persönliche Richtung, und das schafft im antifaschistischen Kampf kein Vertrauen, sondern ist gefährlich. Nicht für die Faschisten und Kapitalisten, sondern für diejenigen mit denen Sie zusammenarbeiten. Falls das der Fall sein sollte.
Frank Polakowski, Berlin
Herr Bartels, ich will mich nun nicht über Gebühr mit Ihren Erwiderungen aufhalten.
Es war ja gerade meine Wahrnehmung, dass die Attac-Akteure hinter den Erwartungen der Menge zurückgeblieben sind, dass sich die jungen Linken eben nicht den legitimen Protest haben abschneiden lassen. Wenn Sie das nicht so verstanden haben, dann hat es bestimmt an meiner ungeschickten Formulierung gelegen.
Ich habe geschrieben, lernen zu wollen.
Ich teile voll und ganz Ihre Meinung, dass etliche anfangs fortschrittliche Strömungen / Parteien ihre Ideale verraten haben, korrumpiert von der Macht oder unterwandert, wie die verantwortlichen Köpfe der Grünen beispielsweise, Jutta Ditfurth ausgenommen. Wenn Die Linke, die Grünen, Attac und wie andere Strömungen auch heißen mögen mehr Schaden als Nutzen anrichten, beileibe nicht, denke ich, alle Mitglieder dieser Vereinigungen, dann muss es eine Alternative geben.
Und genau um diese Alternative geht es mir.
Da bin ich ratlos, und ich bitte um Ihre Hilfe.
Um meine Haltung mache ich mir keine Sorgen!
Mit freundlichen Grüßen
W.F.
Eine leise Stimme aus der Schweiz, es ist schön euch zu lesen :-)
Ich sage nicht, dass man die Werke von Marx und Engels, wie das Bibel, den Talmud oder das Koran lesen soll. Aber das kritische Bewusstsein, welche vom dialektischen Materialismus geprägt ist, widerspiegelt die Weltlage als eine kontinuierliche Entwicklung der Zivilisation bis zu der heutigen Zeit.
Der gesellschaftliche Strukturwandel der Menschheit nach dem II. Weltkrieg ist nicht so minutiös erschlossen worden, wie zu den gegebenen Zeiten von Marx und Engels. Die Kategorien Links, oder Rechts, Proletariat und Bourgeoisie verlieren an Relevanz. Während des Wandels des Kapitalismus vom Sparkapitalismus zu Pumpkapitalismus und, wie heute das Kind benannt wird, zu Kasinokapitalismus, entstanden neue gesellschaftlich organisierten Gruppen. 1987 findet die Endlösung des real existierenden sozialistischen Gesellschaftssystem statt. Die Politiker von Rechts bis Links behaupten, dass der Kapitalismus muss nach jeder Krise restauriert werden, weil es zu dem gegebenen System keine Alternative gibt. Ein Absurdum! Nach dem II. Weltkrieg entwickelte sich eine Ruhige, durch Konsens zwischen den Sozialpartnern, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ausgehandelte Wohlstandsgesellschaft. Es entstand ein wohlhabender Arbeitnehmerstand.
Der Beamtenstand könnte mit sicherem Arbeitsplatz rechnen, Arbeitnehmer wurden mit GAV eingestellt, 13. Monatslohn, Teuerungsausgleich war selbstverständlich (zumindest in der Schweiz). Es blieb dem neuen Mittelstand genug Geld für Altersvorsorge, für sparen, für Eigentumserwerb übrig. Sogar könnte ein Teil des Einkommens auf der Bank Gewinn versprechend angelegt werden. Im Schoss der Spar- und Pumpkapitalismus entwickelte sich ein neues Wirtschaftssystem, ein 2 Fach entfremdeter gesellschaftliche Überbau, die sogenannte Finanzindustrie.
Im Hinblick an die neuzeitlichen Veränderungen der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse, sollte man erneut über die Bücher Gehen. Marx wird heute meistens als Ökonom zitiert. Seine Kapitalismusanalyse ist salonfähig geworden. Doch Marx und Engels sind Philosophen, Gründer der modernen Soziologie und Individualpsychologie. Sie sind, wie Einstein der modernen Physik, revolutionäre Theoretiker im Gebiet der Gesellschaftswissenschaften. Das Relativitätsprinzip gilt auch auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Reproduktion. Das Individuum steht im Mittelpunkt der marxistischen Theorie. Die Rückschlüsse des gesellschaftlichen Überbaus auf das Individuum werden von den heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftlern völlig ausgeblendet. Individuen sind für die etablierten Gesellschaftstheoretiker nur als Konsumenten wahrgenommen. Das Individuum ist nur auf seine partikuläre Eigenschaft, auf sein Kaufkraft, reduziert. Agnes Heller schreibt in seinem Buch, Theorie der Bedürfnisse bei Marx:
„Die Bedürfnisstruktur der kapitalistischen Gesellschaft gehört zur kapitalistischen Gesellschaft – allein und ausschliesslich. Wenn aber ein Bedürfnissystem zu einem gegebenen Gebilde gehört, wie können dann die subjektiven Kräfte zustande kommen, die diese Gesellschaft stürzen?“ - CATH 22 oder eine unlösbare pragmatische Paradoxie?
[Text zum Thema, Theorie der Bedürfnisse bei Marx, VSA-Verlag, Hamburg 1980 - Auszüge aus dem Buch von Agnes Heller]
Ich denke die Lösung dieser Paradoxie ist absolute Verweigerung, Verweigerung zu politisieren, Verweigerung zum Sparen, Verweigerung zum Geldpumpen, Verweigerung zum Konsumieren. Das würde reichen die Konjunkturfalle zu überwinden. Kein flüssiges Geld, kein Kapitalismus.
Eva Jelmini, Uster, Schweiz
Liebe Frau Jelmini,
das sind Töne, die mir liegen, und Sie helfen mir aus meinem Dilemma, aus meinen Lücken, die zu füllen ich bereit bin. Danke dafür!
Aber Ihre Verweigerungsstrategie bis zu Ende gedacht, hieße doch erst einmal Verelendung und welche subjektiven Kräfte wollten sich freiwillig an der absoluten Verweigerung beteiligen.
Gleich heute werde ich das Buch von Agnes Heller bestellen. Ich spüre geradezu, dass an dieser Logik irgendetwas nicht stimmt.
Von Ihrer “leisen Stimme” würde ich gerne viel mehr hören wollen.
Wie komme ich an Ihre E-Mail-Adresse?
Mit freundlichen Grüßen
W.F.
@ Herrn Frank:
„Wenn Die Linke, die Grünen, Attac und wie andere Strömungen auch heißen mögen mehr Schaden als Nutzen anrichten, beileibe nicht, denke ich, alle Mitglieder dieser Vereinigungen, dann muss es eine Alternative geben.
Und genau um diese Alternative geht es mir.“
Wie wäre es mit dem Aufbau von anarchischen Strukturen (Sie verstehen: Anarchie: Freiheit bzw. Abwesenheit von Herrschaft)?
Oder anders gefragt:
Hat auch nur irgendein „junger Linker“ nach Besuch der von Ihnen ins Feld geführten Attac-Veranstaltung beschlossen, sich mit anderen zusammenzutun, um eine Kooperative (Firmen-, Handwerkskooperative, Genossenschaft, Tauschring etc.) zu gründen?
Oder ist – was ich annehme – nur geschwafelt worden??
Ums auf den Punkt zu bringen: Jetzt schon damit anzufangen, Gegenstrukturen aufzubauen, damit etwas da ist, wenn der Kapitalismus dahingerafft wird, erachte ich beispielsweise als sinnvollen Weg. Nur können Sie das nicht mit jedem x-beliebigen Menschen machen. Das klappt nicht.
@ Frau Jelmini:
„Ich denke die Lösung dieser Paradoxie ist absolute Verweigerung, Verweigerung zu politisieren, Verweigerung zum Sparen, Verweigerung zum Geldpumpen, Verweigerung zum Konsumieren. Das würde reichen die Konjunkturfalle zu überwinden. Kein flüssiges Geld, kein Kapitalismus.“
Hoffentlich liest das kein strammer rechter Neoliberaler, denn der lacht sich tot!
Geldvermehrung bei immer weniger Binnenmarkt, immer weniger Konsum, ist ja genau das, was die ultrarechten Neoliberalen gerne hätten, damit sie dann superreich nur noch unter sich sind, und alles „Soziale“ hinter sich lassen können…..
Schon mal da drüber nachgedacht???
Oder wollen Sie die „sozialistische“ Mängelverwaltung wieder einführen? Auch überholt.
Also wo ist Ihre praktische Option?
Bis denne……..
@ Herrn Frank:
“Aber Ihre Verweigerungsstrategie bis zu Ende gedacht, hieße doch erst einmal Verelendung und welche subjektiven Kräfte wollten sich freiwillig an der absoluten Verweigerung beteiligen.”
Ok. absolute Verweigerung ist ziemlich salopp formuliert. Ich wohne in einer Lebensgemeinschaft (Huckmatt), nicht weit von Zürich. Unsere Lebensweise hier ist ziemlich paradiesisch. Die Antwort auf die Frage, was meinen Lebensraum im Huckmatt paradiesisch macht, ist vielschichtig. Es sind Impressionen, alltägliche Eindrücke: das sanfte Lachen von Flurina, spielende Kindern, Lichter, Farben, die leise Geschäftigkeit von Erwachsenen, Vertrautheit, Nähe. Hier wohnen16 Familien mit 21 Kindern. Huckmatt ist ein Wohnprojekt, das vor 10 Jahren auf genossenschaftlicher Basis begründet wurde. Die Bewohner sind in der Regel Miteigentümer. Die Anlage ist besonders kinderfreundlich gestaltet. Herkunft, Bildung, Religion und politische Gesinnung der Bewohner könnten nicht unterschiedlicher sein: Ein stockkonservatives, pensioniertes, 1956 in die Schweiz geflüchtetes ungarisches Ehepaar, eine allein stehende Ergotherapeutin, Treuhänder, Banker, die Hebamme und der Gärtner, Lehrer und Lehrerinnen – sie alle regeln durch Vereinbarungen ihr gemeinsames Leben in der Siedlung. Die Kinder sind gescheit und freundlich. Seit ich hier wohne, habe ich noch nie aggressives Verhalten oder Schlägerei unter den Kindern erlebt. Sie verhandeln untereinander, wie sie es den Erwachsenen abgeguckt haben. Es gibt keinen Zwang zum Gemeinsam-Sein. Selten passiert etwas Aussergewöhnliches. Trotzdem ist jeder Tag hie ein Erlebnis.
Wenn ich kürzlich zu politisieren angefangen habe ist es, weil ich Angst um unsere Kinder habe.
@ Herrn Frank:
“Neoliberalen gerne hätten, damit sie dann superreich nur noch unter sich sind” - ja, vielleicht tönt meine Frage naiv, warum sollen sie nicht untereinander sein? Sie sollten doch einander abzocken.
Ich denke an die Bildung einer Parallelgesellschaft mit einem neueartigen Geldsystem mit Mikrokrediten.
Einmal könnte der Schneeball Effekt eine positive Bewegung auslösen. Je mehr Menschen von diesem System Abschied nehmen, desto dünner wird dir Basis diejenigen Massen die sich von dem real existierenden System ausgebeutet werden. E-Mail: kunnofi@hotmail.com
Hallo Frau Jelmini,
„Ok. absolute Verweigerung ist ziemlich salopp formuliert.“
Fürwahr! Es ist nicht nur salopp, sondern der Absolutheitsanspruch ist gerade deshalb irreführend, weil es aus dem Kapitalismus, egal in welchem Schweregrad er auftritt, absolut kein Entkommen gibt, es sei denn durch die folgenden Ausnahmen:
a. enormes Gewaltpotential mit vorhergehendem meist heuchlerischem, falschen, erstunkenen und erlogenen oder gar keinem Glücksversprechen (= wenn wir dran kommen wird alles besser!). Eine klassische Bourgeoisie-Lüge: Mir hat mal einer gesagt, unsere Bourgeoisie-Gesellschaft sei auf nichts weiterem als einer einzigartigen Verkettung von Lügen aufgebaut. Der hatte nicht ganz unrecht.
b. durch Tod.
„Wenn ich kürzlich zu politisieren angefangen habe ist es, weil ich Angst um unsere Kinder habe.“
Dieser Satz hängt für meine Begriffe in der Luft, und ist deshalb erläuterungsbedürftig.
„Ich denke an die Bildung einer Parallelgesellschaft mit einem neuartigen Geldsystem mit Mikrokrediten.“
Das Seltsame an den meisten Utopien ist, dass die wenigsten von ihnen wirklich neu sind.
Ich hatte mich bis vor kurzem für so eine „alternative“ Lebensgemeinschaft interessiert. Ein generationenübergreifendes Wohnprojekt sozusagen. Auch hier wird mit sog. „Direktkrediten“ finanziert. Die Geber haben die Auswahl, zwischen null bis drei Prozent Zins dafür zu nehmen. Da diese „Direktkredite“ aber allein nicht ausreichen, um Gebäudeumbauprojekte zu finanzieren, bedarf es einer Bank, welche zu etwas „günstigeren“ oder „ökologischen“ Konditionen den Löwenanteil der Summe schultert.
Ich brauche Sie nicht über das Brecht-Zitat von dem Dietrich und der Bank hinzuweisen – ich setze das als bekannt voraus.
Auch sonst kamen mir nach jedem Mal, nachdem ich da war, grösste Zweifel. Wegen der klaffenden Widersprüche zwischen dem Internetauftritt und der tatsächlich angetroffenen Wirklichkeit.
Ich nehme nur ein Beispiel heraus, weil das auch so schön auf Ihren Text passt:
Inwiefern bitte, so frage ich, soll es denn als Steigerung der Lebensqualität empfunden werden, wenn ich mit jemandem unter einem Dach wohnen soll, der oder die entweder strohdumm, im Wortsinn asozial oder gar politisch reaktionär ist (konservativ ist was anderes!)?
Da kann ich doch gleich da wohnen bleiben, wo ich jetzt bin!
Lange Rede, kurzer Sinn, Frau Jelmini:
Ihrer Entscheidung, in so ein genossenschaftliches Projekt einzuziehen, kann ich durchaus etwas abgewinnen.
Vor dem unsäglichen Selbstbetrug, man / frau könne durch so eine Entscheidung den Kapitalismus „gewaltfrei“ überwinden, wenn man dann noch dem Prinzip „Direktkredite“ einen Schneeballeffekt andichtet, kann ich nur warnen. Der Diskussionsstand, dass so ein aus meiner Sicht vollkommen irrationales Denken das Non-Plus-Ultra sei, stammt vom Ende der 70er Jahre. Woraus ich schliessen könnte, aber nicht muss, dass Sie und andere das kritische Denken vor mehreren Jahrzehnten schlichtweg eingestellt haben, und ernsthaft denken, sie seien im Paradies angekommen. Unfassbar!
Ulrich Bartels
Paradiesisch empfinde ich den Zustand, wenn ich direktdemokratisch über auch so kleine Dinge, wie aus welcher Quelle wir unsere Energie beziehen sollen, wo wir unser Geld für Erneuerungszwecke anlegen sollen, woher wir das Wasser für Gartenpflege gewinnen könnten und ob die Kinder ein ‘Gumpi-Jumpi’ Brett im Garten haben dürften, entscheiden kann.
Wenn die Weltwirtschaft sich durch unseren Konsum erholen wollte, würde sie trotz Billionen internationaler Staatshilfen bankrott gehen. Ich bezog den Schneeballeffekt auf das Konsumverhalten von Individuen und nicht auf Direktkredite.
Ich empfinde die heftige Politik weltweit unfassbar, Comix-artig, Entfremdend. Wenn ich Fern schaue, oder Zeitung lese, befinde ich mich, wie die unsterbliche Figur von Lewis Carroll, Alice, hinter den Spiegeln.
Ich habe am Wochenende das Buch von Jutta Ditfurth gelesen. Ich bin nicht Zornig, ich bin entsetzt. Ich würde mehr für eine neue Gesellschaft tun. Ich lebe in einer neuartigen Gemeinschaft. Mich stört der stockkonservative Nachbar weniger als die Politiker, wie von und zu Guttenberg, Frau Merkel, Steinbrück, oder unsere Bundesräte, weil ich dem Nachbar sagen kann, soll er das blöde Maul halten… In der Schweiz entscheiden 40 % der Stimmberechtigten über das Geschick des Landes. Über sn lebenswichtigen Fragen (wie 68 Milliarden für die Rettung der Bank, UBS) entscheidet die Regierung dekretorisch. Das halte ich unfassbar!
http://www.republicart.net/disc/aeas/pm01_de.pdf - p.m. ist die Quelle meiner Inspirationen für eine alternative ‘Lebens Art’
Da kommt mal einer mit ein wenig Charisma daher und schon wird er rausgemobbt. Ich denke weiterhin das Karl-Theodor zu Guttenberg einer der fähigsten und vertrauensvollsten Politiker im Parlament ist. Naja, noch ist es nicht zu spät, ich denke das er in 2-3 Jahren mit neuer Kraft zurückkommt und immer noch Regierungschef werden kann. Habe mir bei naehmaschinen-hv.de neulich eine Nähmaschine gekauft und werde auf mein Hemd diesen Text für Theo stricken:”Karl, wir stehen zu dir, lass dich nicht überwältigen und komm wieder zurück”.
Da kommt mal einer mit ein wenig Ausstrahlung daher und schon wird er rausgemobbt. Ich denke immer noch das Guttenberg einer der leistungsfähigsten und zuverlässigsten Politiker im Bundestag ist. Egal, noch ist es nicht zu spät, denke das er in eins bis zwei Jahren mit neuer Kraft zurückkommt und immer noch Ministerpräsident werden kann. Ich lese grade auf zeitong.de die neusten News über Guttenberg. Angeblich werden wir schon heute wissen, wer der Nachfolger von Guttenberg sein wird.
Da kommt mal einer mit etwas Charisma daher und schon wird er rausgemobbt. Ich denke weiterhin das Karl-Theodor zu Guttenberg einer der begabtesten und zuverlässigsten Volksvertreter im Bundestag ist. Naja, noch ist es nicht zu spät, ich denke das er in 2-3 Jahren mit neuer Kraft zurückkommt und immer noch Präsident werden kann. Ich werde mal auf fairposter.de ein paar Plakate für Ihn drucken lassen mit dem TextInhalt:”Je weiter dieses Guttenberg Theater geht, desto mehr baut sich diese ReGIERung ab”. Ich mag halt den Guttenberg.
Bin mal gespannt ob die BILD Zeitung Ihre Meinung gegenüber Guttenberg noch ändert und auch in die Hetzjagd der gesamten Medien mit einsteigt. Ich glaube nicht das das das Ende seiner politischen Karriere ist und wir Ihn doch noch als Merkels Nachfolger demnächst willkommen heißen dürfen. Egal, und der gute Herr Professor Lepsius der Herrn Guttenberg öffentlich als Lügner bezeichnet, währe mal wissenwert welcher Partei er angehört, den Grünen, den Linken, der SPD? Ich denke zwar auch das Herr Guttenberg sich gleich viel Wissen im Vergleich zu seinem Doktortitel auf solchen Webseiten wie Hauslehrer erarbeiten hätte können - aber was wichtig ist ist ja nicht die Theorie sondern die Praxis. Und dort ist er mit seinem Charisma und außergewöhnlicher Denkweise eben sehr gut gewesen.
Bin mal gespannt ob die BILD Zeitung Ihre Meinung gegenüber Karl-Theodor zu Guttenberg noch ändert und auch in die Jagd der gesamten Medien mit einsteigt. Ich will nicht das das das Ende seiner politischen Karriere ist und wir Ihn doch noch als Merkels Nachfolger demnächst begrüßen dürfen. Egal, und der gute Herr Professor Lepsius der Herrn Guttenberg öffentlich als Lügner brandmarkt, währe mal wissenwert welcher Partei er angehört, der SPD,den Grünen oder den Linken? Vermutlich hätte sich Guttenberg auch mal von einer guten Firma wie z.b. s-company.de beratschlagen lassen sollen und nicht bestreiten sollen das er abgeschrieben hat.
Auch, wenn es seinerzeit jede Menge Kritik gab. Die Abwrackprämie hat sich als richtig erwiesen. Und die deutschen Hersteller haben einfach Fortüne, dass der zurückgegangene Verkauf in Deutschland daraufhin durch Zuwächse in den USA und in China mehr als ausgeglichen werden konnte.