Was hat Wiedeking mit Julia Roberts gemeinsam?

Mit 50 Mio. Euro Abfindung haben die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piech ihrem Ex-Statthalter Wendelin Wiedeking den Abgang versüßt, der sogleich die Hälfte des Betrages gespendet hat. Dem Vernehmen nach hat es im Porsche-Aufsichtsrat über die Abfindungshöhe heftige Debatten gegeben. Auch dreistellige Millionenbeträge sollen im Raum gestanden haben. Denn wahrscheinlich hat Wiedeking die Familien um Milliarden reicher gemacht.

Wiedekings Abfindung und seine Bezüge der letzten Jahre im hohen zweistelligen Millionenbereich haben die Diskussionen um die Angemessenheit und um die Deckelung von Managergehältern weiter angeheizt. Die Regierungskoalition hat sogar neue Regeln für die Bezahlung von Vorständen in börsennotierten Firmen verabschiedet.

Wiedeking hat seine eigene Auffassung von der Sinnhaftigkeit astronomisch hoher Managerbezüge. Er erklärte schon vor Jahren: „Seit wann wird denn ein Vorstand nach Stunden bezahlt? Auch bei einer Julia Roberts wird es niemandem einfallen, den Stundenlohn auszurechnen.“

Vorstandsfürsten sehen sich also in einer Liga mit den Topstars im Sport oder anderen Abteilungen des Showgeschäfts. Denn nach ihrem Selbstverständnis sind Topmanager ebenfalls Superstars. Die eigenen Mitarbeiter in der Produktion, der Verwaltung oder in den Entwicklungsabteilungen sind schon lange kein Maßstab mehr für die Vorstandsfürsten. Sie gehören längst zu einer anderen Klasse, auch mit ihren Einkommen, die einen Durchschnittsverdienst um das 50fache bis 100fache übersteigen.

Für Fußballprofis oder andere Künstler gibt es immerhin einen Markt. Der neigt zwar zu Übertreibungen. Spitzenspieler bekommen nach der Devise „The Winner takes it all“ ein Vielfaches der Gage eines Fußballers, der kaum schlechter ist. Aber diese Märkte im Showgeschäft korrigieren sich auch.

Aber den Preis für Manager in Deutschland und anderswo bestimmt nicht der Markt, die Konkurrenz. Sie berufen sich zwar gerne darauf, dass ihre US-Kollegen noch teurer bezahlt werden. Aber anders als beim Profisport ist aus der Kaste der Manager noch kein Fall von Abwerbung mit hohen Ablösesummen bekannt geworden. Der Markt für Vorstandspositionen ist eine Fiktion.

Denn nicht der Markt, sondern die Eigentümer bzw. die Aufsichtsräte einer Kapitalgesellschaft entscheiden über das Honorar für Manager. Wenn die Managerhonorare im Verhältnis zu einem Durchschnittsverdienst förmlich explodiert sind, hat das nichts damit zu tun, dass in Deutschland plötzlich eine Managerknappheit ausgebrochen ist.

Es liegt vielmehr am herrschenden Klima der besonderen Förderung von Eliten und sogenannten „Leistungsträgern“ – ein idealer Nährboden für die Raffgier in Vorstandsetagen. An einem gesellschaftlichen Klima, das Niedrigstlöhne bei 16-Stunden-Arbeit toleriert. An einem Klima, in dem die Leistung des Einzelnen nichts mehr mit der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, der Leistung der vielen anderen zu tun hat.

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