Schlaue Chinesen

Monatelang zog sich das Sterben der Infineon-Tochter Qimonda hin. Immer neuer Kapitalbedarf, zu teure Produktion. Qimonda entwickelt und produziert Speicherchips für Computer.
Der drastische Preisverfall dieser Speicherelemente hat (unter anderem) dazu geführt, dass Qimonda die Chips teurer produziert als es diese verkaufen kann. Logische Konsequenz: Das geht nicht lange gut. Die Mutter Infineon zog bald die Reißleine und verweigerte Ihrer verschwenderischen Tochter das Taschengeld. Die Insolvenz stand an. Lange hat das Land Sachsen versucht, die unprofitable aber sehr hübsche Tochter im Land zu halten. Hübsch war die Tochter vor allem in Bezug auf neue Entwicklungen. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „Hightech-Schmiede“. Wenn auch eine unprofitable. Sachsens Interesse lag natürlich bei den Arbeitsplätzen und dem guten Ruf Sachsens als „Silikon-Sachsonia“ (in Anlehnung an die amerikanische Computerchip-Region „Silikon-Valley“).

Doch es war nichts zu machen. Infinion hatte endgültig die Nase voll und Sachsen alleine konnte und wollte Qimonda nicht durchfüttern. Also bereitete man sich auf eine Abwicklung der Firma vor. Doch plötzlich und in letzter Sekunde kommt ein Ritter durchs Gebüsch geprescht. Die chinesische Staatsfirma Inspur würde Qimonda gerne heiraten…behauptet sie… Viel mehr hat es nämlich den Anschein, als wäre Inspur gar nicht an Qimonda interessiert, sondern nur an ihrer Mitgift. Man hat eher nicht vor, in Deutschland die teuren Arbeitsplätze zu erhalten. Man möchte Qimonda auch nicht komplett übernehmen, sondern nur zu etwa 50%. Gerade so viel, dass man selbst entscheiden kann, die Patente, die Technologie und das Fachwissen nach China zu transferieren. Den Rest soll Portugal (auch hier gibt es Qimonda-Werke) und Sachsen bezahlen.
Clever, diese Chinesen. Warten bis zur letzten Minute, denn in wenigen Wochen läuft das staatliche Insolvenzgeld für die Mitarbeiter aus und dann wäre Qimonda dicht und würde abgewickelt. Das bedeutet aufgelöst und die Einzelteile werden verramscht oder dichtgemacht.
Das ist ein weiteres Paradebeispiel für die ungeheure strategische Stärke der Chinesen. Sie nutzen die Schwäche ihrer Gegner um deren Patente (Europa) und Rohstoffe (Russland, Australien, Südamerika) zu Topkonditionen aufzukaufen und sich für den „Tag danach“ vorzubereiten. In der kommenden Aufschwungphase ist China in einer unschlagbaren Position. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass ein ganz anderes Szenario jetzt zumindest denkbar scheint: Was, wenn China es schafft, mit seinen Konjunkturpaketen und seinen Währungsreserven die eigene Binnennachfrage anzukurbeln? Viele Patente und Rohstoffe bereits im Vorfeld zu erwerben? Was spricht dagegen, dass in China ein Aufschwung beginnt, aber der Westen davon nichts hat? Unsere Exporte nach China sind nicht verschwindend, aber doch überschaubar. Die meisten Produkte laufen in die umgekehrte Richtung. Je mehr Patente und Hightech China in den nächsten Monaten bei uns einkauft, umso weniger werden WIR in den nächsten Jahren an China liefern können. Also wird China für sich selbst produzieren.

Alles hängt davon ab, ob China es schafft die kritische Masse zu überschreiten. Wenn die Binnennachfrage so groß wird, dass sie sich selbst trägt. Der Westen hatte diese kritische Masse sehr lange selbst. Wir haben über viele Jahrhunderte kaum exportiert, sondern weitgehend von der Nachfrage der eigenen Bevölkerung gelebt. Irgendwann trat aber eine Sättigung ein. Davon ist China (und auch Indien) noch Jahrzehnte entfernt.
Weitere Informationen finden Sie auch unter www.cashkurs.com.

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3 Reaktionen zu „Schlaue Chinesen“

  1. Von Benedikt

    Heute liefern wir Technologie nach China und morgen überschwemmen sie unseren Markt mit Billigprodukten, Herz was willst Du mehr.

  2. Von christian emmert

    da wird es einem angst und bange. dirk hat recht. wir stecken evtl. ganz schön in der scheiße. lg

  3. Von christian emmert

    Und unsere politik ist auch noch stolz darauf exportweltmeister zu sein. Die kaufen unseren Hightech und produzieren dann nur noch für sich. wir werden mit der zeit überflüssig…..

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