Geeint gespalten
Jetzt, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, wird viel über die Befindlichkeiten der Menschen im geeinten Deutschland geredet. Alles fragt sich: Sind wir ein Volk?
Ein Volk vielleicht. Geeint auch und doch gespalten. Vielleicht nicht allerorten, und doch nach wie vor. Allein das Vokabular, das in aller Munde ist, zieht die Demarkationslinie nach wie vor. Ostler, Westler, Ostdeutschland, Westdeutschland, Westberlin, Ostberlin. Damit sind nicht nur Himmelsrichtungen gemeint.
Mir fallen dazu noch zwei Geschichten ein. Ein Elternabend in dem Kindergarten, den mein jüngerer Sohn bis vor kurzem noch besuchte – im ehemaligen Osten von Berlin. Es wurde über die finanzielle Situation gesprochen. Wäre der offizielle Sitz des Kindergartens im Westteil der Stadt, hieß es voller Unmut, fielen die Zuschüsse vom Senat höher aus. Ich sagte, ich muss zugeben, um die Stimmung zu testen, das könne nicht sein, wir lebten doch seit 20 Jahren im geeinten Deutschland. Eine Brandung der Empörung schlug mir entgegen: „Wo lebst Du denn?“
“Wir Ossis werden doch immer noch wie Menschen zweiter Klasse behandelt, werden schlechter bezahlt.“
„Wer hat denn das große Geschäft gemacht? Doch die aus dem Westen.“
Ein Besuch bei einer Freundin, die ich schon länger nicht gesehen habe, weil sie neun Monate in Sachsen gearbeitet hat. Eine offenherzige junge Frau, die vorurteilsfrei auf Menschen zugeht, neugierig ist, fragt. So kenne ich sie. Nicht vorstellen könnte ich es mir, sagte sie, was sie erlebt habe. In ein DDR-Biotop sei sie geraten, in dem folgender Satz am häufigsten fiel: Früher war alles besser. Sie wurde ausgegrenzt, wurde als der Wessi behandelt, der alles besser wisse und überhaupt: sie könne sich sowieso kein Urteil bilden, da sie ja hier nicht aufgewachsen sei.



Nun ja, man kann diese Nagetiverlebnisse sicherlich aufzählen und wohl auch ergänzen in fast beliebiger Form.
Dennoch: Wer die Menschen ohne Vorurteile sucht, findet sie auch. Klar gibt es in Sachsen derartiges. Aber anstatt stets an der Frage nach dem “Wieso immer noch?” zu scheitern, sollte man sich dem “Warum?” ganz offen stellen.
1. Niemand ist gezwungen, sich als Ost- oder West-Deutscher zu fühlen.
2. Die Medien werten jede Statistik nach Ost und West getrennt aus und erklären, wer gerade besser ist ( PISA und Verschuldung sind zwei solche Beispiele, die eigentlich ein Nord-Süd-Gefälle ziegen, welches indes stets vermieden wird, zu erwähnen. ).
3. Jeder kann in seinem privaten Umfeld darauf verweisen, weder [ o es es i: ] noch [ we e es es i: ] zu sein, auch indem er oder sie darauf verzichtet diese Begriffe zu verwenden, sie förnlich geiselt, wie ich dies tue.
4. Wenn es eine Frage der medialen Beurteilung ist, wundert es kaum, dass gerade nichtzeitungslesende Menschen am vorurteilsfreisten sind.
5. Wenn es gerade die Medien sind, welche an dem Status quo interessiert sind und diesen aufrechterhalten wollen, dann darf man sich nicht über Berichte in Fernsehen und Zeitungen wundern, sondern muss aktiv gegen die Ostwestalgie schreiben, reden und agieren.
6. Gegenüber Menschen mit einer stark ostalgischen oder westalgischen Neigung muss man stark auftreten, ihre Nostalgie zerpflücken und sich als Individualist zu seinem Bundesland, seiner Stadt, Deutschland oder Europa bekennen.
7. Es tut gut, in einer Runde von Menschen, die dieses Thema hitzig debattieren, auch mal zu schweigen, wenn man nicht persönlich angesprochen wird. Zur Kontroverse hat man dann Gelegenheit, wenn man selbst um eine Meinung gebeten wird.
Fazit:
Es gibt keinen wirklichen Grund zur resignation. Die Mauerfetischsiten sind unterwegs, sie wollen zwischen Ost und West polarisieren, dabei gleichen sie sich selbst mehr als den individuellen Menschen, die sie missionieren möchten.
Das sollten wir nie vergessen.
Nun ja, man kann diese Negativerlebnisse sicherlich aufzählen und wohl auch ergänzen in fast beliebiger Form.
Dennoch: Wer die Menschen ohne Vorurteile sucht, findet sie auch. Klar gibt es in Sachsen derartiges. Aber anstatt stets an der Frage nach dem “Wieso immer noch?” zu scheitern, sollte man sich dem “Warum?” ganz offen stellen.
1. Niemand ist gezwungen, sich als Ost- oder West-Deutscher zu fühlen.
2. Die Medien werten jede Statistik nach Ost und West getrennt aus und erklären, wer gerade besser ist ( PISA und Verschuldung sind zwei solche Beispiele, die eigentlich ein Nord-Süd-Gefälle zeigen, welches indes stets vermieden wird, zu erwähnen. ).
3. Jeder kann in seinem privaten Umfeld darauf verweisen, weder [ o es es i: ] noch [ we e es es i: ] zu sein, auch indem er oder sie darauf verzichtet diese Begriffe zu verwenden, sie förmlich geißelt, wie ich dies tue.
4. Wenn es eine Frage der medialen Beurteilung ist, wundert es kaum, dass gerade nichtzeitungslesende Menschen am vorurteilsfreisten sind.
5. Wenn es gerade die Medien sind, welche an dem Status quo interessiert sind und diesen aufrechterhalten wollen, dann darf man sich nicht über Berichte in Fernsehen und Zeitungen wundern, sondern muss aktiv gegen die Ostwestalgie schreiben, reden und agieren.
6. Gegenüber Menschen mit einer stark ostalgischen oder westalgischen Neigung muss man stark auftreten, ihre Nostalgie zerpflücken und sich als Individualist zu seinem Bundesland, seiner Stadt, Deutschland oder Europa bekennen.
7. Es tut gut, in einer Runde von Menschen, die dieses Thema hitzig debattieren, auch mal zu schweigen, wenn man nicht persönlich angesprochen wird. Zur Kontroverse hat man dann Gelegenheit, wenn man selbst um eine Meinung gebeten wird.
Fazit:
Es gibt keinen wirklichen Grund zur Resignation. Die Mauerfetischisten sind unterwegs, sie wollen zwischen Ost und West polarisieren, dabei gleichen sie sich selbst mehr als den individuellen Menschen, die sie missionieren möchten.
Das sollten wir nie vergessen.
Geboren in Sachsen und immer noch dort lebend, habe ich keine Vorurteile gegen Menschen aus Westdeutschland. Im Herbst 1989 war ich mit vielen Menschen auf der Straße und ich frage mich manchmal, wo diese mutigen und humorvollen Menschen heute sind. Es gab damals so viel humorvolle Sprüche und sehr viel Hoffnung. Alles ist weg. Warum?
Die von den Demonstranten ohne Gewalt geführte Revolution ist auf halbem Wege stehen geblieben.
Als wir noch auf der “Straße” waren, wurden die SED-Genossen schon für die Arbeitsämter geschult. Sie besetzten anschließend auch Stellen in den Kommunen und den Landkreisen. Diese Leute sind alle noch da und diese werden nun als die “Ossis” angesehen. Die Menschen mit Aufbruchstimmung sind überwiegend weg und zwar meist in Westdeutschland und noch weiter weg. Über das Arbeitsamt wurden sie selten vermittelt, die waren bekannt.
Geblieben sind Rentner und Menschen mit ausgesprochener Bindung an den Wohnort und natürlich auch die Menschen, welche noch ein festes Arbeitsverhältnis hatten. Und welche Zeitungen lesen diese Leute? In den Redaktionen sitzen doch immer noch die alten Genossen der SED und der Blockparteien.
Wenn man das jeden Tag liest, wird man doch unwillkürlich beeinflusst.
Mein Mann und ich, wir haben keine Vorurteile, wir lesen im Internet verschiedene Zeitungen und bilden uns unsere Meinung selbst.
Wahrscheinlich ist das der Grund für unsere Toleranz.
Sehen Sie sich einmal an, wie die CDU heute noch geifert, wenn ihnen Karl Nolle als SPD Mitglied im Sächs. Landtag die Wahrheit sagt. Dazu hat er laut CDU kein Recht, weil er im Westen geboren wurde. Und genau so dumm reden auch die ehemaligen Mitläufer auf der Straße. Wundern Sie sich noch?
Die wenigsten Ostdeutschen wissen doch, dass die DDR restlos Pleite war, sonst wäre es im Herbst doch nicht unblutig abgegangen. Das haben die Medien alle miteinander versäumt und die Schulen auch. Wenn ich das heute einem Meckerer sage, wird mir das nicht geglaubt, weil es doch angeblich nirgendwo steht. Das sollte aber immer wieder gesagt werden, damit das auch dem Dümmsten allgegenwärtig ist.
Ich glaube das es ein Konglomerat an Gründen gibt für solche Erscheinungen.
1) So schön man ja immer von der “gewaltfreien Revolution” spricht, sollte man nicht verkennen das Millionen an Genossen, IM, Reisekadern usw schon gar kein Interesse an einer Demokratie hatten.
Weiterhin gab es dann die Millionen der Mitläufer, die es sich so gut es ging im “gibts du mir Kacheln gebe ich dir Steckdosen Sozialismus” (manche verklären das gern als Solidarität im Osten) eingerichtet hatten.
Dann jene denen der Sozialismus zwar auf den Kranz ging , aber einer man-könne-ja-doch-nichts-machen Mentalität verhaftet waren und eben den die was gemacht haben!
Auch wenn diese 99% Ja-Stimmen Lüge waren, dürften nach meinen Schätzungen je nach Ort um 80% für den schit “Sozialismus” gestimmt haben, sei es aus Angst, Verblödung oder Überzeugung.
Und es würde mich nicht wundern wenn bei wirklich Freien Wahlen damals in der Zone 30-40% weiter für Honecker & Co gewesen wären - und diese Leute haben sich ja nach der Wende nicht in Luft aufgelöst!
2) Viele der Mitläufer (in Leipzig gabs ja nicht über Nacht hunderttausende Dissidenten!) die der DM wegen den Umsturz mitmachten, und die durch Arbeitslosigkeit etc eben nur wenig DM erhielten, sprich zwar jetzt zB Reisen dürfen, aber finanziell nicht können, pfeifen auf die Demokratie/Freiheit und wollen zurück in den Osten der sie zwar auch nicht reisen ließ, aber dafür die “Rundumversorgung Papa Staat kümmert sich um alles” gab.
3)Und dann gibt es noch diese “Landsmännische” Ostalgie, analog zur bayrischen , schwäbischen.
Wie oft höre ich bei mir auf Arbeit von fettgefressenen Herrn , die schon Jahre lang 100% zum West-Lohn haben, fette Autos fahren und in sanierten Wohnungen relativ preiswert hausen (und mit ihrer Frau die 40 Jahre und länger geklebt hat eine gute Rente erwarten), den Spruch “wie schlecht es ihnen doch ginge” und “im Osten war es ja gar nicht so schlecht”.
Herrschaften die zwar vor der Wende über den “Ballast der Republik” witzelten aber jetzt heulen wenn er abgerissen wird…ein Stück Identität ginge verlohren…
Sorry wie kann man überhaupt zu derart Gebäuden ein Beziehung haben? Welche Identität geht den Wessis ab wenn da Gebäude abgerissen werden?
Diese Gruppe sind mE primitive Kleingeister, die vielleicht mal “Protest-wählen” aber den Osten in Wirklichkeit nie wieder wollen - denn dann wäre ja der Mercedes weg…;-)
Deutschland war und ist eben anders wie zB Amerika. Dort drüben ist man Amerikaner - hier zuförderst Sachse, Bayer usw.
4) Ein kleinerer Aspekt ist auch das sich viele gar nicht bewusst waren wie Pleite der Sozialismus war. Man bedenke das die wahre Technische Revolution , sprich PC - Internet - Handy usw ja erst nach 89 kam - richtig los ging es ja erst 5 Jahre nach der Einheit mit Windows95 !
Hätte der “eiserne Vorhang” ein paar Jahre länger, bis zB 2000 gehalten dann wäre der Rückschritt der DDR noch weitaus deutlicher hervorgetreten.
Nachdem im Zuge Aufbau Ost für Milliarden eine Moderne Infrastruktur geschaffen wurde, die in einigem Moderner ist wie die mancher westlichen Region, lässt manche Leute sagen : “ach die kochen ja auch nur mit Wasser” - woher aber die Moderne Technik und Infrastruktur hätte kommen sollen , ohne West-Milliarden , wird verdrängt!
Natürlich wird es noch ein paar Hansel geben die wirklich wieder ne Mauer wollen, die materiell und Geistig relativ bedürfnislos sind und/oder ideologisch verblendet immer noch von der Weltrevolution träumen. Oder was noch schlimmer ist, es gibt ja welche die manch globale Krise dazu nutzen wollen , das gesamte Deutschland einzumauern, um pseudo-linke Ideale auszuleben - davor sollten wir mehr Angst haben als vor ein paar Ostalgie-Heinis .
Gehe mal als “Preuße” nach Bayern, da macht man zuweilen gleiche Erfahrungen wie ein Wessi in Sachsen…;-)