Auch für die Stasi war ein Nein ein Nein

Es ist bedrückend, dass Täter wie mein Onkel, der fast 15 Jahre lang für das MfS die Familie, Freunde und Freunde von Freunden verraten und bespitzelt hat, in den Medien mit Porträts und in langen Artikeln zu schillernden Persönlichkeiten hochstilisiert werden. Es ist bedrückend, wie viel Aufmerksamkeit Täter wie er bekommen, und mit welcher Beharrlichkeit die Meinung vertreten wird, man habe sich dem MfS nicht entziehen können. Diese Feststellung vergisst die Tatsache, dass man auch Nein zur Spitzeltätigkeit sagen konnte. Statt genauer die wirklichen Verhaltensweisen zu erforschen, wird gerne die Ansicht verbreitet, zwischen Täter und Opfer bestünde ein fließender Übergang. Ich sage, den gab es nicht.

Nein sagen konnte man in der DDR und zur Stasi sehr wohl. Nur musste man bereit sein, mögliche negative Konsequenzen zu tragen. Sagte jemand Nein, bedurfte es nicht einmal großartiger Erklärungen. Zum Beispiel: zwei Männer von der Staatsicherheit wollten einen damaligen Kollegen meines Vaters und meinen Vater zur Mitarbeit bewegen. Der Kollege sagte, er würde gerne eine Schweigeverpflichtung unterschreiben, aber er sei notorisch schwatzhaft. Auch wenn er sich bemühe, es nicht zu tun, so würde er doch am Abend gleich alles seiner Frau erzählen. Mein Vater sagte schlicht, er werde nicht mit ihnen zusammenarbeiten. Die zwei Männer vom MfS suchten anderswo einen willigen Denunzianten.

Auch unseren ehemaligen Hausherrn in Ostberlin wollte die Staatsicherheit zur Mitarbeit bewegen. Er sagte, nein. Sie sollten gehen und ja nicht wieder kommen. Sie kamen nie wieder.

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6 Reaktionen zu „Auch für die Stasi war ein Nein ein Nein“

  1. Von Magdalena Byrd-Niederle

    Das es viele Täter in der Diktatur der DDR gab ist auch für mich unbestritten. Einige haben sich durch Privilegien zur Tätigkeit als “IM” verführen lassen. Aber ich kann dem Beitrag so nicht zustimmen; dafür ist er zu oberflächlich.

    Denn ein “Nein” war nicht einfach so akzeptiert wenn sich der/die Umworbene nach DDR-”Gesetzen” strafbar gemacht hat. Auf diese Personen wurde ein nicht zu unterschätzender Druck ausgeübt. Für diese Personen ging es um mehr als nur ein paar kleine negative Konsequenzen. Es ging um die letzte Luft die sie zum atmen hatten. Nicht nur darum eventuell im Gefängnis zu landen; auch um ihre Gesundheit, ihr Wohlergehen und auch die Unversehrtheit ihrer Familie.

    Dieser Blogeintrag ist zu undifferenziert aber hat einen, im Teil, wahren Kern.

  2. Von Joachim Riebandt

    Ich bin 1951 in Erfurt geboren. Seit 1984 lebe ich in Augsburg. Ich habe diesen Staat legal verlassen, weil es mich angeekelt hat dort zu leben.
    Genauso geht es mir heute noch, wenn ich den Begriff DDR, Stasi und MfS höre.
    Man sollte sich mit so einem System gar nicht auseinandersetzen, denn es gibt dafür keine Worte. Man kann es auch nicht beschreiben. Für mich ist dieses Land nichts anderes, wie das dritte Reich. Denn dafür gibt es auch keine Worte.

    Gruß

    Joachim Riebandt

  3. Von dieter

    Natürlich war ein Nein ein Nein, was hätten der Stasi auch wiederwillige, unzuverlässige Spitzel genutzt?
    Genauso war es bei der Musterung zur Armee - keiner “musste” zur Grenze! Ich habe klipp und klar gesagt das ich diese Armee ” als notwendiges Übel ansehe” ( habe ergo ja nur mit anderen Worten gesagt was Schnitzler & Co in Ihrer Propaganda brachten, das eben “wir die Armee ja gar nicht wollen, aber wegen dem Westen…” ), und schon kam ich zu den “rückwärtigen Diensten” …so einfach war das zuweilen in der DDR - natürlich , studieren hätt ich kaum gedurft.

    Was natürlich passiert wäre wenn alle/zu viele abgelehnt hätten , steht auf einen anderen Blatt.
    Natürlich wurden jene denen man einen Gesetzesbruch vorwerfen konnte, zuweilen erpresst nach dem Schema Knast oder Unterschrift. Aber erstens mögen nun nicht hunderttausende IM damit kommen das sie derart erpresst wurden, und zweitens hätten jene die mit Knast erpresst wurden, irgendwie Signale setzen können das andere es erkennen, und/oder ihre Berichte so anlegen das die für Stasi & Co unbrauchbar waren!
    Allzu willfährige IM sind in meinen Augen durch nichts entschuldbar!

  4. Von Wolfgang Voge

    Im Ministerium für Staatssicherheit gab es viele Abteilungen.Alle waren sie
    bestens durchorganisiert und geführt.Wenn irgendjemand glaubt die Wende ist ohne Zustimmung des MfS sowie der SED gekommen,so ist er sehr naiv.
    Eine solche mächtige Organisation hat auch mit der Wende nicht einfach aufgehört zu existieren.Die Kommunisten haben aus den Erfahrungen in den
    KZ-s gelernt zu überleben und die Macht zu übernehmen.Den Westen zu “überholen ohne einzuholen”ist mit der DDR nicht gelungen.
    Also strebte man die Wende von unten an.Die Staatssicherheit als “Schutz und
    Schild der Partei”(nicht des Volkes) ist ja nach wie vor von der Gesetzmäßigkeit
    der Ablösung des KAPITALISMUS vom SOZIALISMUS-KOMMUNISMUS
    überzeugt.Die SED hat sich in der PDS neu formiert.Die Staasi.hat ihre Leute längst in entsprechende Positionen Gesamtdeutschlands gebracht.
    Parallel dazu hat die PDS sich als sogenannte demokratische Partei in
    Stellung gebracht.SED und MfS haben das “DDR Volk” benutzt und bewußt
    verraten.Warum?”Mine Fru de Isebill will nich so als ick dat will”.
    “Wir haben ein Ziel vor den Augen…”Dieses Ziel verfolgen sie weiter und was es
    auch kosten mag.Fanatiker hatten und haben immer ihre Fans.Führer befehle
    und wir folgen…und wie das in allen Epochen auch geheißen hat.Die Ergebnisse sind uns bekannt aber wohl nicht bewußt genug.Das Volk aus der
    ehemaligen DDR bezahlt erneut.Der verlorene Krieg wurde alleine bezahlt.Die Wiedervereinigung wurde und wird bezahlt und die Folgen der sogenannten
    Finanzkrise hat wiederum der Osten auszubaden.
    Es gibt an sich nur ein Motto dem alle folgen sollten”Leben und leben lassen”.
    Es ist aber leider so,daß ALLE nur ihr eigenes Ziel verfolgen.Wie gesagt die
    Staasi und die PDS leben und je schlechter es dem Volk geht um so mehr Stimmen werden sie bekommen.
    Alles Gute?!

  5. Von M.J.

    es hat sich doch nicht viel geändert.
    nur das heute andere bespitzeln.
    ich habe, wie auch meine familie, lange in der ddr gelebt und das gut, aber vorallem ohne angst.
    wenn du heute arm bist oder sogar hartz4 empfänger gehts dir richtig schlecht.
    als hartz4 empfänger wirst du bis aufs letzte überprüft darfst den ort nicht verlassen und wenn du 3x eine arbeit die mit 3€ bezahlt wird nicht annimmst bekommst du kein geld mehr.
    die frage ist: was ist besser?
    es gibt heute noch partein wo sich die ganzen nazis aus dem dritten reich wiedergefunden haben.
    naja.

  6. Von R.L.

    Es gab in unserem sozialistischen Vaterländle DDR viele subversive Elemente, die ständig und immer versuchten, an der Existenz unseres Landes zu sägen. Sei es in grenzenloser eigener Dummheit oder sei es aufgrund gezielter Verhetzung durch kapitalistische Medien der BRD. Gegen solche Leute musste verdeckt ermittelt werden, in wie weit sie schon Schaden angerichtet haben oder noch anrichten würden; ohne Rücksicht auf familiäre Beziehungen zwischen Ermittler und zu ermittelnden Personen. Sie schreiben auf einer Ihrer Seiten „Verrat verjährt nie“ – in dieser Hinsicht haben Sie Recht, sehr geehrte Frau Schädlich, denn diese Subversiven haben durch ihr schändliches Verhalten Verrat an unserem sozialistischen Vaterland begangen, der nie verjährt!! Nach der Einverleibung unserer DDR in die kapitalistische BRD bin ich, bedingt durch das System, lange Jahre arbeitslos , Jahre, die mir an der Rente fehlen. Wer ersetzt mir das eigentlich alles — die Subversiven von damals vielleicht ? Insofern bewundere ich ihren Onkel Karlheinz.
    R.L.

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