Mafiazugehörigkeit

Auf meinen Lesungen merke ich immer wieder, wie erstaunt die Deutschen sind, wenn sie erfahren, dass Mafiazugehörigkeit in Deutschland nicht strafbar ist. Es gibt zwar den Strafbestand der kriminellen Vereinigung – aber abgesehen davon, dass die Höchststrafe dafür lediglich fünf Jahre betrifft, wird ein Mafioso in Deutschland klug genug sein, um alle Verdachtsmomente auszuschalten, weshalb derer man ihn möglicherweise der Bildung einer kriminellen Vereinigung beschuldigen könnte. Was nicht sehr kompliziert ist. Die Mafia spekuliert darauf, dass in Deutschland Beweise für konkrete Straftaten vorliegen müssen, um einen Mafioso zu verhaften. Das können Schmauchspuren sein, DNS-Spuren, Fingerabdrücke: Anders als in Italien, wo der reine Verdacht auf Mafiazugehörigkeit ausreicht, um Mafiosi festzunehmen und auch ihre Besitztümer zu beschlagnahmen, müssen in Deutschland konkrete Beweise für konkrete Straftaten vorliegen.

Deutschland ist ein liberaler Rechtsstaat, in dem der Schutz der bürgerlichen Freiheiten höchste Priorität hat – zu Recht, finde ich. Allerdings konnten die Gesetzgeber auch nicht ahnen, dass die Mafia sich eines Tages nicht mehr nur auf Italien beschränken, sondern sich auch in Deutschland einnisten würde: Gerade weil sie hier von der liberalen Gesetzgebung profitiert. Selbst wenn die deutschen Ermittler von ihren italienischen Kollegen wissen, dass es sich bei dem Besitzer einer Pizzeria um ein, sagen wir, aktenkundiges Mitglied eines ‘Ndrangheta-Clans handelt – so bedeutet das in Deutschland erst mal: nichts. Insofern dieser kalabrische Pizzeria-Betreiber nicht falsch parkt, bei rot über eine Ampel fährt oder das Wechselgeld falsch herausgibt, hat er nichts zu befürchten. Er kann sich in seiner Pizzeria auch mit anderen Clanmitgliedern treffen und mit ihnen die eine oder andere geschäftliche Angelegenheit besprechen: Anders als in Italien dürfen öffentliche Lokale in Deutschland nicht abgehört werden. Was aber nicht ausschließt, dass die Telefonate des Pizzeriabetreibers irgendwann möglicherweise von italienischen Ermittlern abgehört werden, die diese Unterhaltung wiederum ihren deutschen Kollegen melden. Aber insofern die deutschen Ermittler in dieser telefonischen Unterhaltung keine Beweise für eine in Deutschland erfolgte Straftat sehen, passiert ebenfalls: nichts.

So ist es zu erklären, dass in Deutschland allein die kalabrische ‘Ndrangheta über ein Netz von 300 Pizzerien verfügt.

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8 Reaktionen zu „Mafiazugehörigkeit“

  1. Von roflem

    Deutchland wurde nach dem Mauerfall von sämtlichen Mafias überrollt. Schlimmer als die Italiener sind die Russen! Was die in den letzten 19 Jahren an Geld gewaschen haben, lässt die Italiener als Waisenknaben dastehen. Auch die Rumänen, Albaner und Serben haben eine gut strukturierte Mafia hier. Auch Schweden ist sehr beliebt.

  2. Von Don Berlione

    Es gibt in Berlin einige Gruppierungen, von denen man ausgehen kann, sie einer Mafiaähnlichen Struktur einzuordnen. Dazu zählen nicht nur islamische Vereinigungen (die sehr viel Freiheit gerade in Deutschland genießen) sondern auch Russische Familien die sich in Berlin seit Jahren festgesetzt haben. Immer mehr jugendliche (sei es ausländischer Herkunft oder nicht), werden durch die Mafia-Ideologie regelrecht hypnotisiert. Ich versuche in diesem Bereich sehr legal zu handeln. Der psychologische Aspekt, “ich sei oder fühle mich wie der Pate” ist nicht nur Größenideenreich, sondern kann zu wahnhaften psychiatrischen Symptomen zu einem Gesellschaftlichen Problem eines Individuums führen.
    Kommt es zu schweren Straftaten, wird im Sinne forensicher Maßnahmen gehandelt. In Deutschland vermutet man auch nicht gleich die Mafia hinter kleineren Kriegen zwischen einzelnen Personen.
    Die Mafia wird es immer geben und das ist auch gut so.
    Der Terror in Europa ist wesentlich unberechenbarer.

    Metin Akgün

  3. Von Norman

    Ich höre immer… Mafia hier, Mafia da. Italienische Mafia, welche hierzulande in Pizzarien und Konditoreien tätig ist; russische Mafia, die Menschenhandel betreibt; asiatische Triadenmafia, die mit Drogen handelt…
    Ich würde doch gerne einmal wissen: Was tun die Mafias WIRKLICH? Wozu wurden sie ins Leben gerufen, was sind ihre Absichten?
    Hierzu hätte ich gerne mal eine ausführliche Beschreibung. Vielen Dank vorab.

  4. Von Rand van Velten

    Vielen Dank Frau Reski,
    daß Sie einfach auch mal Namen in ihrem Buch nennen. Hier in Duisburg ist man nach einem Jahr der Suche nach der ‘Ndragheta immer noch nicht pfündig geworden, obwohl, wie man hört, eine lange-lange Koks-Line bis in den Duisburger Innenhafen führt.
    Auch findet es hier niemand anstößig, dass in einen italienischem Restaurant in der neuen Duisburger Innenstadt ein Portrait von Al Capone hängt:
    http://www.pegel-ruhrort.de/2008/10/15/die-mafia-in-duisburg-xxiv/
    … noch ein Kommentar zur gerichtlichen Auseindersetzung mit dem Pelle-Milser-Clan:
    http://www.pegel-ruhrort.de/2008/11/06/die-mafia-in-duisburg-xxx/

    schreiben sie weiter so…

    Rand van Velten, Duisburg

  5. Von Dr. Angela Tucek

    Mir würde die bayerische Justiz auch am liebsten gebieten zu unterlassen, das wort “Mafia” überhaupt noch einmal in den Mund zu nehmen. In anderen Ländern sind Politiker und Behörden froh, wenn die Bevölkerung keine Omerta an den Tag legt. Wie gut, dass in Italien Deutsch nicht Amtssprache ist.

  6. Von Rudi Tabaro

    Habe das Buch mit einem gewissen (was die Rolle des naiven Deutschen angeht),Amüsement gelesen und mich die ganze Zeit gefragt,wie hat Mussolini das System fast zum Kippen gebracht!?
    Oder,was ist für die Gesellschaft leztendlich schlimmer???
    Mafia oder Faschismus???

  7. Von Sim

    Also, dass in Deutschland konkrete Beweise für eine konkrete Straftat vorliegen müssen, klingt für mich nach… Rechtsstaat.

  8. Von MAURICE-Nieszery

    Die Deutschen haben ihre eigene Mafia,die brauchen nicht übers Glas zu Schauen und den Finger auf andere Nationen zu Schauen.

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