Healthways und die DAK - eine Ehe mit Folgen

Meine Offenheit, auch unangenehme Dinge auszusprechen, haben – trotz der vielen Angriffen die ich deswegen bestehen muss – einen unglaublichen Vorteil. Irgendwie lassen sich die Fakten, trotz anfänglichen Abstreitens der Beteiligten, auf Dauer nicht mehr verheimlichen.

Nehmen wir das Beispiel der DAK. In meinem Buch beschreibe ich auf Seite 234 unter „Das neue Netzwerk“ die Verbindung des amerikanischen Dienstleiters Healthways und seinen Callcentern zur DAK. Meine Warnungen über den Datentransfer der DAK zum Unternehmen Healthways wurden lange abgestritten.

Auf einem Aktionstag des Hausärzte Plus e.V. am 14.06.2008 im Kino Mühldorf sprach Herr Gerhard Eiselen von der Healthways GmbH und bestätigte durch seine Ausführungen, wie wichtig zähes Nachbohren in der Sache ist:

Gerhard Eiselen: “Wir sprechen chronisch erkrankte Menschen an, die entweder eine chronische Lungenerkrankung haben oder Diabetes Mellitus oder eine chronische Herzkrankheit.”

Publikum: “Woher wissen Sie, dass die das haben?”

Gerhard Eiselen: “Die Daten, die wir dafür kriegen, kriegen wir von der DAK.”

1:0 für Herrn Eiselen, wenigstens war er ehrlich im Gegensatz zu seinem Geschäftspartner DAK, die gegenüber ihren Versicherten die Vorgänge des Datenflusses nicht offenbarten.

Und genau hier setzt meine Warnung für die Zukunft ein:

Kein DAK Patient hat bei seiner Unterschrift über das „neue DAK Programm“ erfahren, dass er nach der Rechtsauslegung der DAK mit seiner Unterschrift ermöglicht, dass seine Daten an das amerikanische Dienstleitungsunternehmen weiter gereicht werden.

Nicht zu vergessen, der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern Dr. Axel Munte und Dr. Gabriel Schmidt haben öffentlich die Zusammenarbeit der DAK und der Healthways GmbH begrüßt und befürwortet.

Wir Bürgerpatienten sind auch hier gefordert – unabhängig von dem Vertrauensverlust Patient- Kasse, sowie der für mich arglistigen Täuschung der DAK gegenüber ihren Patienten, bleibt die Frage: Wer bitte wird für diese Vorgänge zur Verantwortung gezogen?

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5 Reaktionen zu „Healthways und die DAK - eine Ehe mit Folgen“

  1. Von diw

    Interessantes bezüglich Datensammlung kann man auch bei Bertelsmanns neuem und von der Regierung abgesegneten Praxissiegel finden. Als Bedingung zur Erlangung und Voraussetzung für die Aufnahme in die Weisse Liste gibt die Bertelsmann Stiftung Folgendes an:

    “Die Praxis erlaubt die freie und unbeschränkte Verwendung anonymisierter Informationen, die im Rahmen von EPA erhoben werden, für wissenschaftliche Publikationen, internationale Vergleiche und das Benchmarking durch das AQUA-Institut. AQUA sichert der Praxis im Gegenzug gemäß Anmeldebogen den dafür erforderlichen Vertrauensschutz zu.”

    Nachzulesen auf:
    www.praxissiegel.de/fileadmin/pdf/Zertifizierung/
    Zertifizierungskriterien_EPA_Arztpraxen_neutral.pdf

    Dies ist für mich ein starker Eingriff in den Datenschutz, da hierfür weiter gelten soll:
    “Bereitgestellte Instrumente, Materialien und EPA-Prozessbestandteile werden von der Praxis so eingesetzt bzw. durchgeführt, wie vom durch die Stiftung Praxissiegel e. V. akkreditierten Institut empfohlen.”

    Heisst mit Sicherheit, Daten werden automatisiert aus der Arztsoftware übernommen, was sicher gar nicht legal ist, auch anonymisiert. Ähnliches galt ja beim Barmer Hausarztmodell und war auch in der Kritik.

    Der Datenschutzbeauftragte in NRW hat sich diesbezüglich leider noch nicht zurückgemeldet.

    Gruß von www.demokratie-ist-wichtig.de

  2. Von avianusfabulus

    Datenschutz für den Patienten gibt es SEIT LANGEM nicht mehr! -das interesse der datenschützer ist gering. - zur dak und anderen kassen: anruf: sie sind doch herzkrank… wie bitte? ….sie haben doch eine angina pectoris …. woher wissen sie das? ….aus ihren diagnosen!…. wer sind sie? ….sozialversicherungsfachangestellte…. und was haben sie mit meinen diagnosen zu tun, das ist doch arztsache… wir wollen ja nur, dass es ihnen besser geht.

    dreister und dummer geht’s wirklich nicht.

    hierzu gehören natürlich die fachärzte für de-em-po-lo-gie auch. die geben auch unbekümmert daten in irgendein nirvana.

  3. Von diw

    Da ich selbst mit der Medizin befasst bin, kann ich recht sicher sagen, dass Ärzte im Allgemeinen keinesfalls gerne einfach irgendwelche Daten ihrer Patienten preisgeben. Vielmehr werden sie durch Kassen und Gesundheitsministerium dazu genötigt, ständig an irgendwelchenVorhaben wie etwa den Disease-Management-Programmen (DMPs) teilzunehmen. Und die geplante Patientenkarte setzt dem nun die Krone auf. Mag gut sein, dass ein Teil der Ärzte noch recht vernünftig verdient, aber gleich auf die DM-Neid-Schiene zu gehen - bzw ja heute Euro, nicht wahr - ist doch ein bisschen einfach. Mit genau diesen Ressentiments scheint denn auch manch(e) Gesundheitsminister(in) letzlich von Seiten der Lobbyisten über Jahre befeuert worden zu sein. Wenn ich überlege, wie viele junge Ärzte in den Krankenhäusern real über 60 Stunden die Woche arbeiten, nachts, an Wochenenden, feiertags, und der Stundenlohn dann längst nicht rosig ist, liest sich solch eine Aussage doch etwas unfair.

    www.demokratie-ist-wichtig.de

  4. Von diw

    Eine erfreuliche Botschaft: Bezüglich meiner Kritik am Praxissiegel (s.o.) ist offensichtlich Bewegung in die Sache gekommen. Ein freundliches Dankeschön an die Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit in NRW!

  5. Von diw

    Update: Passiert ist seit der Kritik am Praxissiegel leider gar nichts.

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