Das Risiko der falschen Versicherung

Fast alle Medien haben vergangene Woche darüber berichtet: Gesetzlich Versicherte müssen bis zu dreimal länger auf einen Termin beim Arzt warten als Privatversicherte. Wenn man die letzten Jahre nicht auf einer einsamen Insel verbracht hat, ist diese Nachricht weder neu noch überraschend – sie ist so überraschend wie die Mitteilung, dass der Papst katholisch ist, wie es Johannes B. Kerner ausdrückte, als ich vergangene Woche in seiner Sendung zu Gast war. Dadurch wird die Benachteiligung der Kassenpatienten allerdings nicht besser. Einerseits.

Andererseits: Haben die Patienten wirklich einen Schaden davongetragen? In der Kölner Studie, auf die alle Medien Bezug genommen haben, ging es um sogenannte Wahleingriffe – das sind Untersuchungen, die nicht wirklich dringend sind. Die Tester fragten in 189 Praxen nach Terminen für Behandlungen und Untersuchungen, denen kein Notfall zugrundelag: Lungenfunktionstests, Augenuntersuchungen, Hörtests, Magenspiegelungen oder einer Knie-Magnetresonanztomographie.

Erschreckend wäre es, wenn die unterschiedlichen Wartezeiten auf Kosten der Patienten gehen würden. Darüber finden sich in dieser Untersuchung jedoch keine Aussagen. Solche Daten gibt es allerdings aus den USA und anderen Ländern. Hier zeigt sich, dass etwa die Überlebensaussichten von Dialysepatienten oder nach einem Herzkatheter abhängig vom Versichertenstatus sind. Privatpatienten leben länger. Für Deutschland fehlen solche Daten noch. Wenn sich dies hier bestätigen würde, müsste wirklich ein Aufschrei durch das Land gehen.

Man kann es nämlich auch anders sehen: Viele medizinische Eingriffe sind fragwürdig oder schaden den Patienten sogar. Ein erfahrener Chirurg bei dem ich am Wochenende zu Besuch war, hat es so auf den Punkt gebracht: Sollen die Kassenpatienten doch froh sein, dass sie von manchen Eingriffen verschont werden oder erstmal auf die Warteliste kommen. Das war nicht zynisch gemeint, sondern ehrliche Anteilnahme am Schicksal der Kranken.

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