Die armen Studenten sind in Wahrheit die Privilegierten!

Jetzt gehen sie wieder auf die Straße. In Hamburg und Hessen kämpfen Studenten darum, dass die Studiengebühren abgeschafft werden. Unterstützt werden sie von der parlamentarischen Linken, von SPD, Grünen und Linkspartei, die Studiengebühren als einen Verstoß gegen die Chancengleichheit skandalisieren. Verkehrte Welt!

Gerecht wäre es nicht etwa, Studiengebühren abzuschaffen, sondern sie für zehn Jahre in Deutschand flächendeckend einzuführen. Solange es nur ein kleiner Teil von etwa 30 Prozent der Jugendlichen bis an die Hochschulen schafft und solange dieser Teil auch noch zu den Schönen und Reichen des Landes zählt, ist es geradezu notwendig, von ihnen einen finanziellen Beitrag fürs Studium zu verlangen. Denn das Uni-Examen wirkt für sie wie ein Karriereturbo. Erhebungen des Deutschen Studentenwerks zeigen: Der Anteil der Arbeiterkinder an den Hochschulen ist in den letzten 25 Jahren stark gefallen. Es schaffen praktisch nur noch Kinder von Beamten, Akademikern und Selbständigen an die Unis.

Wenn Studenten sich trotzdem als die Verlierer des Bildungssystems stilisieren, ist das aber kein Witz, sondern ein gesellschaftlicher Skandal. Spätere Staatssekretäre, Professoren, Journalisten, Richter und Manager schlüpfen in die Rolle der Robin Hoods des Bildungssystsems und spielen die Rächer der Entrechteten. Linke Straßenkämpfer, die wacker gegen das Bezahlstudium anrennen. Zur gleichen Zeit schmort ein Anteil von rund 20 Prozent Schülern in Haupt- und Sonderschulen – um die sich niemand kümmert, für die keiner demonstriert. Die haben so gut wie keine Chance auf Ausbildungsplatz, Beruf und Teilhabe im gesellschaftlichen System. Wieso ausgerechnet die “Linkspartei” als erste Notmaßnahme zur Herstellung von Bildungsgerechtigkeit die Gebührenfreiheit an Unis fordert, bleibt ihr Geheimnis. Auf Karl Marx jedenfalls kann sie sich nicht berufen: Denn der schreibt, solange nur wenige Studenten und Schüler Zugang zu höherer Bildung haben, ist Schulgeldfreiheit ein Subventionsprogramm für das Bürgertum.

Das Bildungssystem steht Kopf. Kindergärten kosten teilweise bis zu 400 Euro pro Monat und bereits in der Grundschule werden Schüler mit zehn Jahren einer harten Auslese unterzogen. Aber die Studenten fordern die Abschaffung von monatlich 83 Euro Studiengebühren und das Verbot jeglicher Auslese zu Elitekursen an Hochschulen. Verkehrte Bildungswelt!

Es wird Zeit sie auf die Füße zu stellen.

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6 Reaktionen zu „Die armen Studenten sind in Wahrheit die Privilegierten!“

  1. Von Helmut von Berg

    Christian Füller, Arbeiterkind entrechtetes, stellt mit Marx das Weltbild auf die Füße - gegen linke Straßenkämpfer, die den Reichen und Schönen entstammen, um dasselbe bald zu werden.
    Oh, Katharsis!

    Es verkauft sich doch hoffentlich…

  2. Von Alexandru Lungu

    Lieber Christian Füller,

    zuerst einmal muss man Ihnen danken, dass Sie sich solch eine Mühe mit dem Buch gegeben haben. Bildung geht uns alle an, und nicht nur in Betracht der Studiengebühren. Aber Sie sprechen in Ihrem Buch von Gerechtigkeit und davon, dass Studenten auf hohem Niveau sich beklagen. Aber Sie haben leider den Gedanken der Gerechtigkeit nicht zuende gedacht oder haben ihn absichtlich nicht fortgeführt, was in meinen Augen noch schlimmer ist. Zunächst einmal, wen betrifft die Studiengebühren? Sie stellen die Studenten als eine homogene Gruppe dar, dabei vernachlässigen Sie, dass laut GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) knapp 20% der Studierenden aus der Arbeiterschicht kommen. Die Studierenden, deren Eltern sowieso zu den Besserverdienenden gehören können sich Studiengebühren (nicht nur von 500€) leisten. Die Frage bleibt, was passiert mit den vielen Studentinnen und Studenten deren Eltern sie nicht unterstützen können. Die entscheiden sich oftmals gegen ein Studium, weil sie a) deren Eltern nicht zur Last fallen wollen und b) weil sie sich einfach ein Studium nicht leisten können ohne sich massiv zu verschulden. Sie haben zu keinem Punkt erwähnt, was mit diesen pot. Studentinnen und Studenten passieren wohl. Die GEW hat in ihrem Bericht 2006 deutlich gemacht, dass Studiengebühren einen Verdrängungswettbewerb fördert, nämlich wenn junge Menschen mit einer Hochschulberechtigung keinen Studiengang aufnehmen sondern sich für eine Ausbildung entscheiden. Damit werden den Realschülern und somit auch den Hauptschülern die Chance auf einem Ausbildungsplatz genommen. Wenn das für Sie Gerechtigkeit ist. Sie müssen wissen, wenn man an einer Schraube (Studiengebühren) dreht, weil sich damit ein schlechtes Buch besser vermarkten lässt, dann nutzt das keinem außer nur Ihnen. Sie haben auch in der gestrigen Podiumsunterhaltung (Tazkaffee) ganz offen gezeigt, dass Ihnen nicht die armen Schülerinnen und Schüler wichtig ist, sondern nur wie Sie in der Presse sich darstellen können.

  3. Von Student

    Herr Füller,

    eigentlich wollte ich rezensionen zu ihrem buch “schlaue kinder, schlechte schulen” suchen, um mich für oder gegen den kauf zu entscheiden, da ich selbst pädagogik-student, und großer kritiker des deutschen schulsystems bin.

    dabei bin ich auf ihren blog und diesen artikel gestoßen.
    herzlichen glückwunsch,
    auch wenn der artikel eigentlich nichts mit dem buch zu tun hat, hat er mir doch bei meiner entscheidungsfindung geholfen.

    für das buch werde ich mit sicherheit kein geld zum fenster rauswerfen.

    der kommentar von Frau Lungu trifft voll und ganz meine zustimmung

  4. Von reiner hellmuthhäuser

    …das ist ja wohl das Letzte: Zuerst sorgt der Staat mit seinen Gesetzen und seiner gesamten politik dafür, dass Arbeiterkinder immer weniger an den Hochschulen werden weil es sich die Eltern nicht mehr leisten können und dann kommt einer und sagt: ” Da ja sowieso nur noch die Kinder der Reichen studieren, kann man auch Studiengebühren verlangen!”
    Warum kommt niemand auf die Idee, die Studiengebühren nach dem Familieneinkommen und der Kinderzahl zu staffeln und die “Armen” davon zu befreien????

  5. Von Lukas Radebeul

    Viele Studenten gehen ein hohes Risiko ein, hinterher arbeitslos zu werden und schlechter dazustehen als Leute mit betrieblicher Ausbildung. Außerdem ist es das natürliche Recht der Intellektuellen, von der Horde der Ignoranten durchgefüttert zu werden. Deshalb : keine Studiengebühren und 1.000 Euro Taschengeld im Monat.

  6. Von Jens B

    Ein Vorschlag zur Güte:
    Vergesst bitte für ein paar Tage, Wochen,… die Gebührendebatte.

    Stattdessen:
    A. Konzentration auf die Bildungswege zu den Hochschulen.
    B. Unterstützung finanziellen Engagements für Schulen, Hochschulen und Unis - auch durch private Spenden, Stiftungen, Fundraising.

    zum Beispiel: http://www.studierendenstiftung-hamburg.de/ oder http://studentenstiftung.de/ und viele andere mehr.

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