Burn Out? Viele Lehrer haben nie gebrannt!
Als Udo Rauin seine Lehrerstudie veröffentlichte, war das Geschrei wieder groß. Kein Wunder, die Entdeckungen des Frankfurter Professors für Pädagogik sind niederschmetternd für einen Berufsstand, der einst neben Pfarrer und Anwalt als der angesehenste galt. Rauin hat herausgefunden, dass Leute mit dem Lehrerstudium beginnen, die eigentlich gar keine Lust auf ein Lehramt haben, die viel lieber etwas anderes machen würden und die zum schlechtesten Drittel unter den Abiturienten gehört haben. Am schlimmsten ist aber vielleicht der Befund aus Rauins Langzeitstudie zum Thema Burn-Out. “Die über besondere Belastungen Klagenden [Lehrer] haben vermutlich nie ,gebrannt’.” Sind die deutschen Lehrer also schon als ungeeignet einzuschätzen, ehe sie in ihren Beruf kommen?
Der Schluss ist in dieser Pauschalität sicher nicht zu ziehen. Dennoch ist es Besorgnis erregend, dass die Beobachtungen des Frankfurter Forschers an 1.100 Lehramtsstudenten in Baden-Württemberg nicht die ersten sind, die in diese Richtung zeigen. Keine Berufsgruppe wechselt so häufig in den vorzeitigen Ruhestand, nur 10 Prozent der Lehrer gehen im regulären Pensionsalter ab. Warum das so ist? Nur jeder sechste Lehrer erfährt durch seinen Job Befriedigung. Die anderen sind frustriert - oder holen sich ihre Freude in der Freizeit.
Bei genauerer Betrachtung verbietet sich jeglicher Spott über die Lehrer. Denn sie stehen ja in einem Dilemma. Ihr pädagogisches Ethos besteht darin, jedes Kind in seinen Stärken zu fördern. Die gegliederte Schule aber zwingt die Lehrer spätestens ab der vierten Klasse dazu, nach den Schwächen von Kindern zu suchen - und sie dann auszusortieren.
In keinem anderen Land der OECD gibt es eine so hohe Zahl an Sitzenbleibern und Schulabsteigern. Viele Experten bezeichnen das inzwischen als eine systematische Produktion von Bildungsverlierern.
Es wird Zeit, die Lehrer aus ihrem Dilemma zu befreien. Die deutsche Schule braucht eine neue Philosophie - und die heißt: Kein Kind darf zurückbleiben. Das heißt, Lehrer dürfen nicht mehr dazu missbraucht werden, Kinder in niedrige Schulformen auszulesen.



Ja, klar, man schließt von jetzigen Lehramtsstudenten auf einen Berusstand.
Die Lehrerausbildung ist schlecht, wie nie zuvor.
Das Ansehen ist schlecht, wie nie zuvor.
Wer, wenn nicht das letzte Drittel eines Abiturjahrgangs soll sich denn für diesen Beruf entscheiden?
Inzwischen darf jeder, der ein abgeschlossenes technisches Studium hat, Mathematik unterrichten.
Wie wäre es denn, GELD zu investieren und die ganzen BÜROKRATISCHEN Belastungen aus dem Lehrer-Beruf zu entfernen?
Dann wäre Zeit für andere Sachen - und letztlich ist bei einer Klassenstärke von 33 Schülern keine individuelle Förderung möglich.
Aber wir sind wieder bei einem Thema, was sehr alt ist: Trau keiner Statistik - die Du nicht selbst gefälscht hast!
also was ich da so lese schießt wirklich den vogel ab! pauschal sind alle lehramtsstudenten faul und ungeeignet oO
ich habe selber ein abischnitt von 1,6 und wollte schon seid der 10.klasse lehrer werden…ich fühle mich persönlich angegriffen. statt die schuld bei lehrern zu suchen , sollten sie mal die anderen faktoren wie schüler, eltern und ministerium betrachten. kleine kinder lernen schon , dass immer zwei parteien zu einem streit gehören. selbiges gilt auch für dieses thema!
an alle die das nicht einsehen wollen oder können, fragt euch mal selber was so reizvoll ist an einem lehramtsstudium? warum würde mann auf lehramt studieren? die tolle bezahlung unter wirtschaftsniveau? die vielen “unsichtbaren” arbeitsstunden? die netten schüler, die sich immer auf lehrers seite befinden? vllt die netten eltern, die einem alle hilfe zusagen?…..langsam regt mich diese aufhetzerische stimmung gegen lehrer auf! wundert euch nicht, dass das niemand mehr aus freude oder überzeugung machen will!
Schade, dass ich diesen Beitrag erst jetzt gefunden habe. Der hätte meinem Kollegen, der durch dieses Syndrom inzwischen auch unter starken körperlichen Beeinträchtigungen leidet, garantiert aufgemuntert. Vor allem, da er mit Leib und Seele Lehrer ist und ihm, wenn es um seine Schüler geht, keine Arbeit zuviel ist.
Schade, dass es tatsächlich Lehramtsstudenten gibt, die dies aus “Verzweiflung” studieren (vgl. GEO-Wissen zum Thema Schule). Bestes Beispiel: Mein Studium trat ich im Herbst 1989 an, noch in der DDR, 25 Studenten in der Seminargruppe. Dann kam die Wende. Es eröffneten sich neue Alternativen und Möglichkeiten und der Lehrerjob schien plötzlich ohne Zukunft. Da waren’s nur noch 7. Von diesen 7 ging einer am Ende des Studiums in die Forschung, einer ins Schulbuch-Verlagswesen. Alle übrigen 5 Absolventen bewarben sich im Freistaat Sachsen - und wurden abgelehnt. Umorientierung - sie wurden Redakteure, Pharmareferenten, Buchhalter. 2 haben sich jedes Jahr wieder beworben, nach 3 bzw. 6 Jahren wurden sie dann endlich auf die Schüler losgelassen. Zwei von 25 - ein trauriger Schnitt.
Und schade, dass es sich besser verkauft, in jedem Beruf die schwarzen Schafe anzuprangern, statt Wege zu finden, ihn in der gesellschaftlichen Wahrnehmung positiv zu werten.
Und zu allerletzt: Schade, dass diesen Kommentar niemand lesen wird, aber ich bin’s wenigstens los geworden.
@ riette:
ich habe ihn gelesen. und ich finde ihn sehr gut