Bildung in freier Trägerschaft: Ja bitte!

Es wurde wie eine Schreckensmeldung überbracht. Familienministerin Ursula von der Leyen, die Böse, plane, kommerziellen Krippen in den Genuss staatlicher Zuschüsse kommen zu lassen. Das passt staatsfixierten Bildungsbürgern gar nicht, entsprechend schimpften die Zeitungen. Dabei ist der Schritt der Mutter der Nation vollkommen richtig - die staatsfixierten Bildungseinrichtungen brauchen private Konkurrenz. Dringend.

Woher hierzulande das Vertrauen in den Staat als gütigen und gerechten Träger von Schulen oder Kitas stammt, bleibt ein Rätsel. Das deutsche Bildungssystem gehört zu den ungerechtesten der Welt. Das Kind eines Akademikers zum Beispiel hat hier eine sechsmal so große Chance, aufs Gymnasium zu kommen wie das Kind eines Arbeiters - bei gleicher Leistung. Der Aufstieg im Bildungswesen hängt stark von der sozialen Herkunft ab. Das alles ist aber nicht etwa Resultat eines auf Profit orientierten Privatschulwesens - der Staat selbst ist zu 93 Prozent Hausherr der Schulen. Er ist es, der die soziale Ungleichheit unter den kleinen Bürgern schafft.

“Wir wähnten uns weit weg von der feudalen Gesellschaft und ihren durch Geburt und Herkunft bestimmten Lebenswegen. Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, dass es bei uns auch heute noch ererbte Privilegien gibt.” Der so etwas sagt, ist kein Studentenrevolutionär, keine Gewerkschafter und kein linker Kritiker, sondern Bundespräsident Horst Köhler. Auch er gehört zu denen, die es nicht glauben können, dass diese Situation entstehen konnte - und zwar in einem Staat, der in seiner Verfassung allen Deutschen garantiert, die gleichen Chancen zu bekommen. Man kann sagen: Mit seinem Bildungssystem verstößt der Staat gegen seine eigenen Grundsätze - das Recht auf Selbstentfaltung der Menschen (Artikel 2 des Grundgesetzes) und ihre Gleichheit (Artikel 3).

Private oder besser: freie Schulen sollten also die Chance bekommen, mit den Staatsschulen zu konkurrieren. Und es sollten auch private kommerzielle Krippen staatliche Zuschüsse erhalten. Anders ist der schnelle Ausbau von Kinderkrippen gar nicht zu schaffen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Dies ist kein Plädoyer für ein komplett privatisiertes Bildungswesen. So etwas ist in Deutschland undenkbar und es wäre auch nicht wünschenswert. Aber die undurchschaubare Kultusbürokratie braucht unbedingt die Herausforderung der privaten Konkurrenten. Sonst können Schulräte und -verwalter Eltern und Schüler weiter wie Untertanen und Bittsteller behandeln. Und damit muss Schluss sein.

Tags: none



Eine Reaktion zu „Bildung in freier Trägerschaft: Ja bitte!“

  1. Von Helga Pfund

    Es fängt doch schon an beim Kindergeld. Warum gibt es da keine Einkommens-
    grenze? Wer ein Gehalt oder Einkommen hat, das weit über dem eines Normalverdieners liegt, bedarf keineswegs einer Zuwendung vom Staat.
    Das gleiche Prinzip könnte man bei jeder staatlichen Zahlung zugrunde legen. Wer hohes Einkommen hat, darf nicht auch noch unterstützt werden durch
    staatliche Gelder. Dafür gäbe es wichtigere Verwendung. Z.B. Bildung unterstützen für Benachteiligte allgemein. Aber das Geld wird verteilt nach
    dem Gießkannenprinzip. Wir sind eben ein kapitalistisches Land. Wer das Geld hat, hat die Macht, basta. Und dieses System hat immer mehr Aufwind.

Einen Kommentar schreiben