Die “Verjüngungskur” eines Großkonzerns
In der vergangenen Woche feierte der russische Konzern Gazprom pompös sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hingen überall in Moskau farbenfrohe Billboards, im Fernsehen liefen Werbespots, die verkündeten, wie großartig die Firma Gazprom ist und wie sehr sie sich um den Wohlstand der Bürger sorgt. Im Kreml fand ein festliches Konzert statt, an dem die politische Führung teilnahm. Tina Turner und Deep Purple traten auf – letztere ist übrigens die Lieblingsgruppe von dem Vorsitzenden des Gazprom-Vorstandes Dmitrij Medwedew, einem der vielversprechendsten Kandidaten für den Präsidentenposten der russischen Föderation in den bevorstehenden Wahlen im März.
Allerdings überraschte die Tatsache, dass der Konzern Gazprom beschlossen hatte, seinen 15. Geburtstag jetzt zu feiern. Wenn man sich an die offizielle Version der Entstehung der Firma hält, die auf deren Website zu lesen ist, wurde Gazprom 1989 gegründet; damals, vor 19 Jahren, wurde das Ministerium der Gasindustrie der Sowjetunion in den staatlichen Gaskonzern Gazprom umgewandelt.
Möglich ist, dass der Gazprom-Vorstand ein anderes außerordentliche Ereignis der Firmengeschichte zu feiern beschloss – die Umwandlung des Konzerns in eine Aktiengesellschaft. Das offizielle Dokument diesbezüglich unterschrieb der Präsident Russlands am 5.10.1992. Zwar hätten dann die Feierlichkeiten bereits letztes Jahr stattfinden müssen, und zwar einen Monat vor den Parlamentswahlen. Offenbar aber war dies ein unpassender Zeitpunkt, da kurz vor den Wahlen auf allen staatlichen Fernsehprogrammen immer wieder propagiert wurde: Nicht alles in den 90ern war schlecht – in Putins Regierungszeit war einfach alles gut. Das 15-jährige Jubiläum des Konzerns passte nicht in diese Strategie, denn dann wären alle mit der Nase darauf gestoßen worden, dass die größte Errungenschaft der Russen – Gazprom – in den 90ern, d.h. in der Regierungszeit von Jelzin geschaffen wurde.
Deswegen wird das Firmenjubiläum erst jetzt gefeiert. Man entschied, den 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Gesetzes über die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft durch die Russische Regierung zum Anlass der Feierlichkeiten zu machen – gute zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen.
Die Gazprom-Werbung ist in der Tat eine Werbung für den Präsidenten Putin und den Vorstandsvorsitzenden Medwedew; zwei Fliegen können so mit einer Klappe geschlagen werden. Alle Spots der Gazprom-Kampagne zeigen die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem russischen Präsidenten Putin und dem Vorstandsvorsitzenden Medwedew und suggerieren gleichzeitig, dass deren Zusammenwirken auch weiterhin erfolgreich bleiben könne.
Falls es nötig sein sollte, werden noch andere Anlässe zum Feiern gefunden – schon im kommenden Jahr ist es 20 Jahre her, dass das Ministeriums der Gasindustrie in den Konzern Gazprom umgewandelt wurde.


